Start Interview Scheuble: Jeder Index hat seine Daseinsberechtigung

Scheuble: Jeder Index hat seine Daseinsberechtigung

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Die Indexplattform S-BOX (jetzt: Solactive) hat sich unter anderem durch ihre Spezialisierung auf Randthemen und Nischen einen Namen gemacht. Steffen Scheuble, Vorstand der Structured Solutions AG, sieht noch eine ganze Reihe an Themen, die bislang nicht durch einen Index abgedeckt sind. Die Structured Solutions AG hat die Indexplattform S-BOX komplett übernommen und führt sie unter dem Namen Solactive weiter.

Gibt es neue Ziele, die Sie nach der Loslösung von der Börse Stuttgart verfolgen?

Die Ziele haben sich eigentlich nicht geändert: Wir wollen weiterhin der schnelle, flexible Indexanbieter sein, der wir schon seit dem Start der gemeinsamen Aktivitäten sind. Dabei wollen wir uns vor allem darauf fokussieren, dass wir in Zusammenarbeit mit unseren Partnern interessante Investmenttrends, -regionen und -strategien identifizieren und in investierbare Indexlösungen umsetzen. Daneben wollen wir die Internationalisierung weiter vorantreiben. Nachdem wir mit Amerika im wichtigsten ETF-Markt positioniert sind, möchten wir in den kommenden Monaten auch in Asien wachsen.

Ihre Indexplattform muss sich mit denen großer Anbieter wie bspw. Standard & Poor’s messen. Wie heben Sie sich von diesen ab?

Als kleiner Anbieter haben wir einige Vorteile: Unsere Kunden kennen ihre jeweiligen Ansprechpartner und können somit schnell agieren. Auch in Punkto Flexibilität punkten wir: Da wir einen eindeutigen Fokus auf den Bereich Customized Indizes legen, können wir unseren Kunden in wenigen Tagen von der Konzeptentwicklung bis zum tatsächlichen Indexstart einen Rundumservice bieten.

Seit einiger Zeit kooperiert die Structured Solutions AG mit der Börse Pakistan. Das Land taucht hier vor allem wegen politischer Querelen und Unruhen in den Nachrichten auf. Wie beurteilen Sie diesen Markt?

Das Land ist gerade in einer extrem schwierigen Situation, insbesondere reputationstechnisch. Dabei sehen die Bewertungen attraktiv aus. Und durch die für Emerging Markets typische Bevölkerungsstruktur dürfte künftig überdurchschnittliches Wachstum zu sehen sein. Allerdings hat die Fiskalpolitik mit der Einführung der Capital Gains Tax dafür gesorgt, dass kurzfristig kaum frisches Geld aus dem Ausland zufließen dürfte.

Vielfach wird ein „ausuferndes Indexing“ kritisiert – zu spezielle Themen, zu kleine Märkte würden abgebildet. Was entgegen Sie?

Grundsätzlich hat jeder Index seine Daseinsberechtigung, sofern er seinen zu Grunde liegenden Markt adäquat abbildet. Und da gibt es noch eine ganze Reihe an Themen, die nach wie vor nicht abgedeckt sind. Kritisch sehe ich nur Indizes, in denen nicht das drin ist, was außen draufsteht. Und genau da muss die Branche aufpassen. Denn dann liefern Indizes nicht mehr den Mehrwert, für den sie bekannt sind.

Welche Voraussetzung muss ein Thema erfüllen, um mit einem Solactive-Index umgesetzt zu werden?

Gar nicht so viele – es sollte eine ausreichende Anzahl an Wertpapieren vorhanden sein, die diesen Markt abbilden. Und diese Werte sollten auch halbwegs vernünftig zu handeln sein, sonst wird kein Emittent darauf Produkte lancieren. Denn wenn die Werte zu klein sind, werden Anleger bei den Anpassungen benachteiligt.

23 ETFs beziehen sich auf Indizes, die von Structured Solutions berechnet werden. Der Markt für ETFs ist stark gewachsen. Die wichtigsten Märkte sind jedoch nun abgedeckt. Wo sehen Sie noch Potenzial?

Es gibt noch eine Reihe an Wachstumsmärkten. Der asiatische ETF-Markt ist noch nicht so entwickelt wie der in den USA und Europa. In Amerika werden gerade mehr und mehr Themen mit ETFs umgesetzt – dieser Trend dürfte mittelfristig auch nach Europa kommen. Und last but not least denke ich, dass die Grenzkosten für einen neuen ETF sinken werden, womit sich auch Randthemen durch ETFs abbilden lassen. Und genau das ist unser Markt.

Jüngstes „Kind“ in der Solactive-Indexfamilie ist der Index für Rare Earth Minen-Unternehmen. Können Sie diesen kurz vorstellen?

Der Rare Earth Index bildet die Wertentwicklung von sechs Unternehmen ab, die Seltene Erden fördern oder zukünftig fördern werden. Gegenwärtig gibt es leider noch nicht mehr Aktien. Dies wird sich aber sicher ändern. Und da Seltene Erden für viele Hochtechnologien benötigt werden, dürfte die Nachfrage nach diesen Metallen weiter steigen. Übrigens: In der Schweiz gibt es bereits das erste Produkt auf diesen Index.

Dieser Artikel wurde der Analysis Kompakt Nr. 07 von Scope entnommen.

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