Start Interview SdK zu ETFs: Einige Tendenzen sollten doch bitte die Ausnahme bleiben

SdK zu ETFs: Einige Tendenzen sollten doch bitte die Ausnahme bleiben

40
Klaus Schneider

Fehler, Flops und Falschberatung – das Schwarzbuch der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) ist eine jährliche Abrechnung mit krassen Fällen und Fehlentwicklungen in der Finanzwelt. In der jüngsten Ausgabe, die Anfang Februar vorgestellt wurde, wurden nun erstmals auch ETFs unter die Lupe genommen. Ein Gespräch mit SdK-Vorstand Klaus Schneider.

Herr Schneider, zum ersten Mal werden ETFs im Schwarzbuch behandelt – warum?

ETFs waren lange ein Instrument für professionelle Anleger, werden aber zunehmend von Privatanlegern ins Portfolio genommen. Dazu gibt es ein immer größeres Angebot. Früher gab es ETFs vorwiegend auf die gängigen Indizes. Alles war überschaubar und die Gebührenbelastung niedrig. Mittlerweile jedoch sehen wir immer mehr ETFs auf zum Teil völlig exotische oder selbstkonstruierte Indizes, wo einer eine Idee hat und daraus einen Index baut, auf den dann ein ETF herausgegeben wird. Gerade hier stellen wir zum Teil deutlich gestiegene Verwaltungsgebühren, aber auch eine abnehmende Transparenz fest.

Wo zeigt sich die mangelnde Transparenz?

Nehmen Sie einen ETF auf den DAX oder DJ Euro Stoxx, dann ist der transparent. Da weiß man, was zu welchem Anteil drin ist. Jetzt gibt es aber Firmen, die nichts anderes tun, als irgendwelche Spezial-Indizes zu konstruieren, die sie dann täglich berechnen und an denen ein ETF ausgerichtet wird – etwa bestimmte Ölförderer oder Biotechnologie- Unternehmen. Bei diesen Indizes weiß man einfach nicht genau, was drin ist, nach welchen Methoden sie berechnet werden oder wie sie sich bewegen.

Erinnert das nicht eher an andere Produkte?

Da kann man auch an Zertifikate denken. Die sind ja mit relativ transparenten Produkten gestartet und haben sich zunehmend mit intransparenten Sachen beschäftigt. Mittlerweile gibt es etliche Zertifikate, wo man nun wirklich nicht weiß, wie die sich zusammensetzen. Das ist beim ETF genauso möglich. Mit unserem Schwarzbuch wollen wir zeitig darauf hinweisen, dass diese Tendenzen, die wir vereinzelt sehen, doch bitte die Ausnahme bleiben sollten.

Wie sieht denn die Kostenentwicklung aus?

Die Gebühren sind gerade bei Spezial-Indizes zum Teil spürbar gestiegen. Verkaufsprovisionen sind nur ein Thema, die Verwaltungsgebühren aber sind über die lange Zeit viel gravierender. Sie sind ja nicht so schnell ersichtlich, aber letztlich die großen Bedroher einer vernünftigen Performance. Ob Sie 2,5 Prozent im Jahr bezahlen oder nur 0,5 Prozent – über einen längeren Zeitraum kommen da nennenswerte Beträge zusammen.

Beeinflusst das Ihre Bewertung von ETFs?

Nun, die Tatsache, dass ETFs im Schwarzbuch erwähnt sind, bedeutet ja nicht, dass wir sie schlecht finden – im Gegenteil. Sie sind ein gutes und sinnvolles Instrument für den Privatanleger. Wir wollen nur, sozusagen prophylaktisch, darauf hinweisen, dass man auf die Entwicklung ein Auge haben muss und dass das bitte nicht so weitergehen soll. Etwa, dass sich Gebühren plötzlich verdoppeln oder die Intransparenz weiter um sich greift.

Wie verhindert man das?

Man muss das nicht verhindern. Nur muss der Anleger wissen: ETF ist nicht immer gleich ETF. Da sollte jeder genau hinschauen, was er kauft. Wenn aber jemand unbedingt einen der genannten Biotechnologie-ETFs möchte, und bereit ist, 1,5 Prozent Provision im Jahr zu zahlen, dann muss er sich eben auch im Klaren darüber sein, dass es ein eher intransparentes Produkt ist, das vielleicht nur für wenige in Frage kommt.

Woran erkenne ich einen zuverlässigen ETF?

Schauen, nach welchem Index er sich richtet. Bei Indizes, die die großen Märkte abbilden, kann man eigentlich nichts falsch machen. Natürlich kann man den Fehler begehen, nicht auf den richtigen Markt zu setzen, etwa auf den deutschen anstatt den chinesischen oder umgekehrt. Aber das ist normal. Letztlich aber sind ETFs ein sehr sicheres Produkt. Für Exotisches sollten weiterhin eher die Zertifikate herhalten.

Das Schwarzbuch können Sie unter http://www.sdk.org bestellen.

TEILEN
Vorheriger ArtikelIndex im Fokus: Nikkei 225
Nächster ArtikelDr. Seibold Marktkommentar – Nachzügler treiben Aktienmärkte
Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.