Leif Dockerill
Passiv gemanagte Indexfonds (ETFs) wurden bisher meist nur von Direktbanken im Direktgeschäft angeboten. Zuletzt sprangen aber immer mehr etablierte Banken auf den ETF-Zug auf. Auch im Segment der Sparkassen gibt es nun Bewegung.

ETFs sind seit Jahren sehr beliebte Anlageinstrumente – und der Trend lässt nicht nach. So wurden laut Deutsche Bank Research in Europa per Ende September rund 480 Mrd. € in ETFs verwaltet. Weltweit liegt das Volumen inzwischen bei 3,3 Billionen US-Dollar. Kein Wunder also, dass sich auch etablierte Banken und Sparkassen dem Thema ETFs im Kundengeschäft annehmen.

Megatrend Passivierung

Im Frühjahr hat die BayernLB den Vormarsch von ETFs sogar als „Megatrend“ bezeichnet. In der Studie „Megatrends – den Blick über den Tellerrand wagen“ prophezeien die Autoren gravierende Auswirkungen für die Finanzindustrie. „Der Passivierungstrend wird in der Investmentbranche für große Umbrüche sorgen. Anbieter von klassischen Investmentprodukten dürften zunehmend unter Druck geraten, da aktives Management nicht mehr wie früher vergütet wird“, so die Autoren der Studie.

Transparente Robo-Advisor

Aber auch klassische Fondsanbieter und Vermögensverwalter stehen unter Druck. Denn die ETF-Produkte eignen sich auch sehr gut für eine auf Algorithmen gestützte, automatisierte Vermögensverwaltung (sog. „Robo-Advisor“). Diese stellen dann eine weitere Herausforderung für klassische Vermögensverwalter und Banken dar.

Strategiewechsel der Sparkassen

Bisher fristeten ETFs bei den Sparkassen eher ein Schattendasein, schließlich war es aufgrund hoher Vertriebsgebühren wesentlich lukrativer, die eigenen aktiv gemanagten Investmentfonds an den Mann zu bringen. Insofern gab es bisher wenig Interesse daran, dies zu ändern. Doch im Moment zeichnet sich eine leichte, wenn auch moderate Trendwende ab. Eine immer strengere Reglementierung, drohende Provisionsverbote und arbeitsaufwendige Dokumentationspflichten verstärken den Trend zu einfachen und transparenten Anlagelösungen. Damit steigt auch der Druck auf die Sparkassen,
ETFs vermehrt in die aktive Beratung aufzunehmen.

KSK Ludwigsburg ist der Vorreiter

In der Sparkassen-Finanzgruppe ist die Kreissparkasse Ludwigsburg Vorreiter bei ETFs. Die Schwaben nutzen bereits seit einigen Jahren passive Produkte in der Vermögensverwaltung, und seit Ende 2015 bieten sie ihren Kunden sogar ETF-Sparpläne an.

Über die Erfahrungen mit passiven Produkten berichtet der Leiter der Vermögensverwaltung der Kreissparkasse Ludwigsburg, Leif Dockerill:

Welche Produkte bieten Sie Ihren Kunden derzeit an und wie sind Ihre Erfahrungen damit?

Aktuell gibt es bei uns zwei unterschiedliche Ansätze: Unsere hauseigene Vermögensverwaltung auf ETF-Basis wird von uns sehr offensiv positioniert. Für vermögende und anspruchsvolle Kunden bieten wir bereits seit mehr als 27 Jahren eine individuelle Vermögensverwaltung an. Unsere Kunden sind von der Erweiterung um ein Management ausschließlich auf ETF-Basis erwartungsgemäß sehr angetan. Auch unser
zweiter Schritt passt gerade sehr gut in die Kapitalmarktlandschaft: Im Vorjahr haben wir alle Depotkunden darüber informiert, dass der Abschluss von ETF-Sparplänen bei uns grundsätzlich möglich ist.

Üblich ist Ihr Engagement aber dennoch nicht. Die meisten Banken fassen das Thema „passive Produkte“ ja eher mit spitzen Fingern an, da sich damit kaum Provisionen verdienen lassen.

Jeder Finanzdienstleister ist hier in seiner Entscheidung frei wie er den Spagat zwischen aktiven und passiven Produkten meistern will. Wer jedoch nur auf aktive Produkte setzt, verliert nach unserer Einschätzung langfristig die wichtigsten Katalysatoren einer erfolgreichen Zusammenarbeit – nämlich seine Beratungskompetenz und das nachhaltige Kundenvertrauen. Wir sehen den größten Sinn darin, die „ETF-Welt“ intelligent in den Beratungsalltag zu integrieren. So kann es in der Perspektive gelingen strategische Marktanteile zu gewinnen, um damit einen kurzfristigen Ertragsverzicht zu kompensieren.

Welche Rolle werden passive Produkte künftig in der Anlageberatung spielen? Wohin geht der Weg?

Das ist eine Frage, die uns im Moment sehr beschäftigt. Wir überlegen uns, wie ein aktives Beratungsangebot in ausgewählten ETF-Fondssparverträgen zur langfristigen Vermögensbildung ausgestaltet werden könnte. Ein ebenfalls großes Potenzial sehen wir
im Segment der Stiftungen. Auch dort macht der ETF-Einsatz durchaus Sinn. Die größten Wachstumsfelder ergeben sich aber vermutlich im Bereich der Fondssparverträge, die wir als eine zentrale Antwort für die Herausforderungen der Niedrigzinsphase sehen.
Unser Angebot wird abgerundet durch neue Vertriebswege. So wird beispielsweise die bei uns eingeführte Videoberatung schon in wenigen Jahren in der Sparkassenwelt zum absoluten Standard zählen.

Hier erfahren Sie mehr über die KSK Ludwigsburg.

Über Leif Dockerill

Seit 2012 verantwortet Leif Dockerill als Leiter der Vermögensverwaltung die unterschiedlichen Vermögensverwaltungsstrategien der Kreissparkasse Ludwigsburg.
Zuvor verwaltete er das Vermögen von Investoren bei einer Privatbank in Stuttgart.
Am Bodensee studierte der gebürtige Hamburger Internationale Betriebswirtschaftslehre. Seit 5 Jahren ist Leif Dockerill Mitglied in der Fach-Jury für die Extra-ETP-Awards.

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Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Franz Rieber Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre und hat einen Master-Abschluss in Finance & Banking. Seit 2016 ist Franz Rieber für die Isarvest GmbH tätig und für das Projektmanagement und die Kundenbetreuung verantwortlich.