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SSgA – wie die weltweite Nummer zwei in Europa wachsen will

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State Street Global Advisors (SSgA) belegt unter den weltweiten ETF-Anbietern den zweiten Platz nach iShares. Nimmt man ETCs hinzu, landet das Unternehmen sogar ganz oben. Das bekannteste Produkt ist wohl der SPDR Gold Trust, der weltweit größte physisch hinterlegte Gold-ETC, der mit rund 56 Milliarden Dollar auch der größte ETC insgesamt ist. In der Produktpalette befindet sich auch ein anderes Schwergewicht: der SPDR S&P 500.

Dieser ETF ist mit rund 90 Milliarden Dollar an Assets under Management der weltweit größte. Er existiert seit 1993 und war damals der erste Indexfonds überhaupt. Im vergangenen Jahr hat SSgA erstmals ETFs an der Deutschen Börse in Frankfurt gelistet. Aktiv im europäischen Markt sind sie allerdings schon länger. Seit 2001 bietet SSgA ETFs in Frankreich an. Diese wurden allerdings erst im vergangenen Jahr unter dem globalen Namen zusammengefasst. Sie sind ein weiteres Vehikel, die SSgA in Ergänzung zu seinen Spezialfonds und Publikumsfonds anbietet. Von den 13 „französischen“ ETFs aus dem Auflagejahr 2001 sind mittlerweile 12 in Deutschland gelistet. Für das Geschäft in Deutschland von SSgA ist Axel Riedel zuständig. In einem Interview mit dem Extra-Magazin erzählt er, warum SSgA sich für ein deutsches Börsenlisting entschieden hat und weshalb die weltweite Volumenstärke der ETFs keine Rolle für das Bestehen am europäischen Markt spielt.

Sie haben im vergangenen Jahr erstmals ETFs an einer deutschen Börse gelistet. Ihre Produkte sind hier aber schon länger handelbar.

2001 wurden die ersten ETFs in Frankreich aufgelegt – das waren die Street Tracks. Es ist wichtig zu unterscheiden, wo die Produkte aufgelegt, wo sie vertrieben werden und wo sie an der Börse gelistet sind. Wir hatten unsere Produkte bisher in Frankreich aufgelegt. Diese waren aber auch schon in Deutschland zum Vertrieb zugelassen. Wir haben im Zusammenhang mit der globalen Initiative und unserem Fokus auf Europa die Produkte im vergangenen Jahr lediglich zusätzlich auf Xetra gelistet.

Was hat sich seit dem Listing in Frankfurt geändert – wie macht sich das für Sie bemerkbar?

Wir stellen einen Volumenanstieg fest. Es ist darüber hinaus für einen Kunden ein deutlich anderes Umfeld, über einen regulierten Markt zu gehen. Wir beobachten aber auch, dass zwei Drittel des Marktes OTC gehandelt werden. Das sind dann keine Orders, die unmittelbar über Xetra, sondern über sogenannte autorisierte Beteiligte laufen.

Was war der Grund dafür, an die Frankfurter Börse zu gehen?

Traditionell stammt State Street aus dem Bereich der institutionellen Kunden. Wir sehen, dass unsere institutionellen Kunden viel über Xetra abwickeln beziehungsweise Xetra als Referenz nutzen, um dann wiederum OTC zu handeln.

Sie schaffen durch ihren deutschen „Börsengang“ also auch ein Stück mehr Transparenz?

Genau, im Sinne von mehr Preistransparenz und einer schnelleren Orderabwicklung, so dass unsere deutschen Kunden nicht mehr über das Ausland gehen müssen.

Sie haben global betrachtet schon einige ETFs mit sehr großem Volumen – nützt Ihnen das in Europa?

Das hat exakt zwei Dimensionen. Das eine ist die Nutzung des Markennamens. Als unsere bestehenden Produkte noch nicht unter dem globalen Namen SPDRs zusammengefasst waren, haben viele unserer Kunden ohnehin das Thema ETFs und SPDRs schon mit uns verbunden. Im ETFGeschäft ist ein Markennamen, der Vertrauen generiert, sehr wichtig. Doch auch etwas anderes ist wichtig zu erwähnen: Wir können die Produkte, die in den USA oder auch in Asien aufgelegt wurden, aus regulatorischen Gründen nicht in Europa anbieten. Wir werden deswegen aus regulatorischen Überlegungen heraus für Europa eigene Produkte anbieten, die OGAW-Richtlinienkonform sind oder – allgemeiner ausgedrückt – UCITS-III-kompatibel sind.

Dann ist Europa mehr oder weniger auch für die weltweite Nummer zwei Neuland?

Wir können Produkt aus den USA hier leider nicht anbieten. Was wir aber anbieten können, ist das Know-how, wie wir Produkte managen. Das bedeutet konkret: Wie arbeiten wir mit Market Makern und anderen Beteiligten zusammen, wie liquide sind unsere Produkte, also wie ist unser gesamtes Setup? Das sind Markterfahrungen, die wir nutzen und bereits auf die bestehenden Produkte in Europa transferiert haben. Auf dieser Plattform, den Erfahrungen im Management sowie der Art der Abwicklung können wir nun aufbauen.

Wo legen Sie Ihre europäischen Produkte auf – es gibt da ja verschiedene Möglichkeiten?

Wir arbeiten bereits mit Paris, Luxemburg und Dublin zusammen. In Zusammenhang mit der Frage, wie wir unsere neuen SPDR-ETFs anbieten wollen, gibt es eine Reihe von Überlegungen. Eine davon ist, welcher Auflagestandort ist für Investoren vorteilhaft? Betrachtet man die bestehenden Standorte, kristallisieren sich Luxemburg oder Dublin heraus. Da wir in Dublin schon stark vertreten sind, haben wir uns entschieden, auch dort aufzulegen. Das hat in bestimmten Fällen für Kunden regulatorische sowie – unter Umständen – auch steuerliche Vorteile. Da spielen zum Beispiel Themen wie eine Taxe d’abonnement, die in Luxemburg, aber nicht in Dublin anfällt, eine Rolle. Insgesamt ist das Package aus Dublin unserer Ansicht nach für deutsche und europäische Kunden sehr attraktiv.

Der deutsche Markt teilt sich derzeit vorrangig unter drei ETF-Anbietern auf – welchen Platz auf der Rangliste streben Sie an?

Bei der Produktauflage ist unser primäres Ziel nicht, so und so viele Produkte aufzulegen und in einem Zeitraum von X Jahren den Platz Y in der Rangliste zu belegen. Das ist auch nicht die Vorgehensweise, wie SSgA agiert. Wir hören aus den Gesprächen heraus, ob Kunden einen bestimmten Ansatz suchen. Wir überlegen uns, was die Kunden wollen, welche Vermögensklassen möglicherweise fehlen und wie allokiert wird. Wir sehen uns also eher als diejenigen, die versuchen, den Kundennutzen zu identifizieren.

Wie sieht Ihre Produktpalette hierzulande in Zukunft aus?

Wir planen ungefähr 20 bis 30 ETFs. Das werden Aktien- und Anleihenprodukte sein. Diese werden wir voraussichtlich bis zum 30. Juni auch an der Deutschen Börse listen. Bei den neuen Produkten handelt es sich um ETFs, die physisch abgebildet werden. Das heißt, wir werden die Aktien und die Renten tatsächlich für die Portfolien kaufen.

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