Targobank ETF im Interview
Tom Engel, Bereichsleiter bei der Targobank, zuständig für das Produktmanagement für Investmentprodukte.

Im Rahmen des ETF-Sparplan-Tests 2017 sprach das EXtra-Magazin mit Tom Engel von der Targobank ( Zum Testbericht). Tom Engel ist seit dem Jahr 2000 Bereichsleiter bei der Targobank ( Zum Testbericht), zuständig für das Produktmanagement für Investmentprodukte.

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ETF-Sparpläne haben im vergangenen Jahr die Marke von 300.000 Stück überschritten. Welche Erfahrungen machen Sie hier in Ihrem Unternehmen?

Die Targobank bietet seit Anfang des Jahres ETF-Sparpläne an. Bereits in den ersten Wochen wurde das Angebot sehr gut von unseren Kunden angenommen. Wir haben daher vor einiger Zeit unser Angebot bereits auf 46 besparbare ETFs ausgeweitet.

Der ETF-Markt hat zum Jahreswechsel die Marke von 10 Mrd. Euro überschritten. Wie verhält sich dieses Wachstum zum gesamten Fondsgeschäft?

Die Targobank war unseres Wissens nach die erste deutsche Filialbank, die ETFs im Rahmen ihres Plus-Depot-Angebots in den regulären Beratungsprozess mit aufgenommen hat. Im Plus-Depot fallen für den Kunden keine Ausgabeaufschläge für Fonds oder Orderprovisionen für ETFs an. Momentan überwiegt bei unseren Anlagekunden zwar noch das Interesse an aktiven Fonds, wir sehen ETFs jedoch auf dem Vormarsch und stellen deutliche Wachstumsraten im ETF-Geschäft fest.

Denken Sie, der ETF-Boom wird vor allem durch den positiven Markttrend der vergangenen Jahre bestimmt? Wie werden sich die Kunden verhalten, wenn sich der Aktienmarkt nicht mehr so positiv entwickelt? Schlägt dann die Stunde der aktiven Manager?

Abhängig von der Marktentwicklung bieten beide Produktarten Vor- und Nachteile. Gute Fondsmanager können in schwierigen Marktsituationen natürlich aktiv einschreiten und für den Kunden Anlagevorteile herausarbeiten. Auch im Fall von negativen Markttendenzen bietet ein aktives Fondsmanagement oft Vorteile. Es hängt also in erster Linie von der Erfahrung des Fondsmanagers und vom dazugehörenden Team ab, ob der aktiv verwaltete Fonds Vorteile gegenüber einem vergleichbaren ETF bringen kann. Wir stellen darüber hinaus fest, dass unsere Kunden besonders die Möglichkeit schätzen, im Rahmen des Targobank Plus-Depots einfach und ohne zusätzliche Kosten auf das jeweils beste Produkt in der entsprechenden Anlagekategorie setzen zu können. Das ist mal ein aktives Produkt und mal ein ETF. Wir sind aber überzeugt davon, dass ETFs Investmentprodukte der Zukunft sind und ihr Marktanteil weiter zunehmen wird.

In den vergangenen Jahren wurde das ETF-Sparplan-Angebot vor allem durch no-fee, also gebührenfreie, Angebote bestimmt. Wird dies so weitergehen, oder planen Sie mittelfristig die Sonderangebote zu reduzieren?

Im Rahmen unseres Plus-Depots bieten wir Kunden die Möglichkeit, neben aktiven Fonds ohne Ausgabeaufschlag auch ETFs ohne Orderprovision zu handeln. Stattdessen fällt ein prozentuales Depotvolumenentgelt an. Wir setzen den Fokus auf eine umfassende Beratung unserer Kunden. Ein gutes Geschäftsmodell fußt nach unserer Überzeugung auf einem fairen Angebot für Anleger und muss nachhaltig Erträge erwirtschaften. Natürlich sind no-fee Angebote gerade für Einsteiger interessant und haben dort auch ihre Berechtigung. Aus unserer Sicht ist allerdings eine fundierte Beratung für unsere Kunden wertvoll und muss natürlich auch vergütet werden. Unsere Kunden haben diesen Vorteil für sich erkannt und erhalten zusätzlich das ETF-Sparplan-Angebot im Plus-Depot ohne weitere Kosten über das Depotvolumenentgelt hinaus.

Welche ETFs sind bei der Targobank im Rahmen von ETF-Sparplänen besonders gefragt?

Da das ETF-Sparplan-Angebot bei uns im Hause noch recht neu ist, können wir noch keinen eindeutigen Trend ausmachen. In der aktuellen Marktsituation werden jedoch Aktien-ETFs stärker nachgefragt.

Welche zusätzlichen Services bietet die Targobank im Bereich der ETF-Sparpläne?

Wir bauen unser Serviceangebot sukzessive aus. Mit der Berücksichtigung von ETFs in unserer persönlichen Anlageberatung nehmen wir eine Vorreiterrolle in der stationären Anlageberatung ein. Alle besparbaren und von uns empfohlenen ETFs unterliegen übrigens einer objektiven und kontinuierlichen Qualitätsprüfung in Zusammenarbeit mit derScope Analysis GmbH, was uns ebenfalls von den meisten Mitbewerbern unterscheidet.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, dem Kunden das Angebot an ETFs bzw. ETF-Sparplänen noch schmackhafter zu machen?

Im Rahmen unseres Plus-Depots bieten wir auch eine kostenfreie ETF-Beratung an. Grundsätzlich geht es bei unserer Beratung darum, zusammen mit dem Kunden individuell herauszufinden, welche Fondslösung für ihn persönlich am besten passt und welcher Fonds die entsprechende Markterwartung abbildet. Ob es sich dabei um einen ETF, einen klassischen Fonds oder eine Mischung aus beidem handelt, ist grundsätzlich offen und hängt von der individuellen Anlegersituation ab. Beide Fondskategorien spielen bei uns eine gleichberechtigte Rolle.

Warum sollte sich ein Anleger bei ETF-Sparplänen für die Targobank entscheiden?

Unser Angebot an ETF-Sparplänen ist noch in der Anzahl begrenzt, wird aber künftig weiter wachsen. Unser großer Wettbewerbsvorteil ist die Tatsache, dass alle von uns angebotenen Fonds regelmäßig von der renommierten Scope Analysis GmbH überprüft werden. So können wir sicherstellen, dass wir unseren Kunden nur qualitativ hochwertige Fonds anbieten. Zudem gibt es bei der Targobank keine Bindung an hauseigene Produkte, wie es bei vielen anderen Häusern üblich ist.

Zuletzt wurden von den ETF-Anbietern verschiedene Portfolio-ETFs, Dachfonds oder ETF-Musterportfolios angeboten. Wie kommen diese Anlagekonzepte bei Ihren Kunden an?

Wir bieten mit unserem Online-Anlageplaner und in der persönlichen Beratung auch ETF-Orientierungsdepots an. Von unseren Online-Selftradern wird dieses Angebot regelmäßig nachgefragt, in der persönlichen Anlageberatung bevorzugen unsere Kunden allerdings ein gemischtes Portfolio, das auf Basis von Qualitätsparametern zusammengestellt ist, unabhängig davon ob es aktive oder passive Produkte sind.

Online-Vermögensverwaltungen verzeichnen derzeit ein stärkeres Wachstum und vor allem Medienecho. Die Direktbanken haben hier bisher kaum Angebote am Markt. Woran liegt das? Können Sie nicht mehr so innovativ sein, seit Einführung des Online-Handels?

In der Tat ist dies ein interessantes Themengebiet. Ich kann hier natürlich nur für die Targobank sprechen. Wir sind mit unserem Online-Anlageplaner bereits 2014 an den Markt gegangen. Hier können Kunden basierend auf ihrem Risikoprofil und der Anlagestrategie auch zwischen aktiv gemanagten Fonds und ETFs auswählen und wir stellen fest, dass sich diese Art von „Robo-Advice“ immer größerer Beliebtheit erfreut. Darüber hinaus beobachten wir die Entwicklung der Online-Vermögensverwaltungen ebenfalls sehr genau und prüfen entsprechende Möglichkeiten. Wir sehen allerdings auch, dass Kunden für bestimmte Anlagesituationen einfach einen – sagen wir – „Sparringspartner“ bevorzugen um bestimmte finanzielle Ziele passgenau in einer individuellen Anlagelösung abzubilden oder auch um bestimmte Entwicklungen ihrer Finanzinstrumente besser zu verstehen und für sich optimal zu nutzen. Hierfür ist der Berater immer noch die erste Wahl.

Wie kann die Branche es schaffen, dass sich mehr Anleger dem Thema Geldanlage am Kapitalmarkt widmen?

Die aktuelle Niedrigzinsphase mit einer zunehmenden Inflationsrate belastet die Sparer schwer. Wer nicht tatenlos beim Abschmelzen seines Vermögens zusehen will, muss über den Tellerrand von Sparbuch, Tagesgeld & Co. hinausblicken. Auch das Thema Altersvorsorge ist ohne Anlagen am Kapitalmarkt kaum noch zu bestreiten.

Der Handel mit Wertpapieren ist für viele Deutsche allerdings immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Und das Produktangebot am Wertpapiermarkt ist in der Tat riesig und für den Laien oft schwer zu überblicken. Deshalb beobachten wir, dass der Wunsch nach Beratung durch professionelle Berater eher zu- als abnimmt.

Vor dem Hintergrund steht bei uns eine individuelle und anlegergerechte Beratung im Vordergrund. Zusammen mit unseren Kunden versuchen wir das Spannungsverhältnis zwischen Sicherheit und Rendite aufzulösen. Im Rahmen unserer Beratung verdeutlichen wir unseren Kunden, dass eine angemessene Rendite ohne eine Investition in den Kapitalmarkt im aktuellen Marktumfeld eigentlich nicht möglich ist. Mit der richtigen Strategie lässt sich das Risiko einer Geldanlage jedoch minimieren. Dabei geht es vor allem um eine breite Streuung des investierten Geldes auf verschiedene Branchen oder Regionen. Unser Plus-Depot bietet hierfür alle Möglichkeiten. Darüber hinaus halte ich einen edukativen Ansatz für zielführend, der den Anleger spielerisch an das Thema Geldanlage heranführt. Hand aufs Herz: die wenigsten Menschen beschäftigen sich wirklich gerne mit diesem Thema. Das muss sich ändern. Auch in unseren Schulen sollte dieses Thema deutlich präsenter sein. Die Targobank ist hier mit dem Bildungsprojekt „Fit für die Wirtschaft“ seit Jahren aktiv und wir stellen fest, dass Schüler wie Lehrer dieses Lehrangebot sehr gerne annehmen.

Können Sie einen typischen ETF-Anleger in Ihrem Unternehmen näher beschreiben?

Ein ETF-affiner Anleger legt in erster Linie Wert auf eine kostengünstige Anlagemöglichkeit mit zielgerichteter Abdeckung eines bestimmten Marktes. Im Rahmen unserer Anlageberatung stellen wir unseren Kunden aber auch die Produkteigenschaften von klassischen Fonds vor. Gemeinsam mit dem Kunden schauen wir dann, welche Lösung für ihn am geeignetsten erscheint. Es kann also durchaus so sein, dass sich ein ETF-Anleger auch für klassische Fondslösungen begeistern lässt – oder umgekehrt.

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Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Franz Rieber Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre und hat einen Master-Abschluss in Finance & Banking. Seit 2016 ist Franz Rieber für die Isarvest GmbH tätig und für das Projektmanagement und die Kundenbetreuung verantwortlich.