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Titelauswahl nach strengen Nachhaltigkeitskriterien

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Dag Rodewald zum UBS-Vertriebsleiter in Deutschland ernannt
Dag Rodewald, Head of ETF Sales Deutschland & Österreich

Vor einigen Tagen emittierte die UBS einen neuen Nachhalltigkeits-ETF auf japanische Unternehmen. Das EXtra–Magazin sprach dazu mit Dag Rodewald, Leiter Vertrieb UBS ETFs Deutschland und Österreich.

Was veranlasste die UBS, den UBS ETF – MSCI Japan Socially Responsible UCITS ETF aufzulegen?

Kurz gesagt: die Nachfrage unserer Kunden. Immer mehr institutionelle Anleger wollen in Unternehmen investieren, deren Geschäftsaktivitäten im Einklang mit gesellschaftlichen Werten stehen und die Chancen und Risiken in Bezug auf Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung erstklassig managen. Wir haben auf das gestiegene Interesse bereits vor geraumer Zeit mit der Auflage einer breiten Palette an sozial verantwortlichen Produkten, kurz SRI-ETFs, reagiert. Längst können Anleger mit UBS ETFs sozial verantwortlich und zugleich breit diversifiziert in unterschiedliche Regionen investieren. Japan als einer der weltweit wichtigsten Wirtschaftsräume ist daher eine logische Ergänzung unseres bisherigen Angebots.

Wie erfolgt die genaue Auswahl der Werte?

Die in den MSCI-SRI-Indizes enthaltenen Titel werden nach einem ausgeklügelten Verfahren ausgewählt, das die beiden grundlegenden Prinzipien des Negativscreening und Positivscreening verbindet. Negativscreening bedeutet dabei, dass Unternehmen ausgeschlossen werden, die im Widerspruch zu bestimmten Werten stehen, also die Gesellschaft oder Umwelt stark negativ beeinflussen. Das betrifft nach der MSCI-Methodik unter anderem Unternehmen aus der Tabakbranche, Waffenproduzenten oder die Nuklearbranche. Über das Positivscreening werden Unternehmen identifiziert, die bei verschiedenen Nachhaltigkeitskriterien in ihrem jeweiligen Sektor besonders gut abschneiden.

Welche Quellen und Kriterien werden beim Best-In-Class-Prinzip in den jeweiligen Sektoren herangezogen?

Dazu greift MSCI auf das hauseigene ESG-Research zurück. Die Abkürzung ESG steht dabei für „Environmental, Social and Governance“, also die Umwelt, die Gesellschaft oder die Unternehmensführung betreffend. Das MSCI-ESG-Research liefert einerseits ein Intangible Value Assessment, also eine Einschätzung zu immateriellen und damit auf den ersten Blick möglicherweise unsichtbaren Risiken und Potenzialen eines Unternehmens in Bezug auf ESG-Kriterien. Zum anderen untersucht der so genannte MSCI ESG Impact Monitor, welche Auswirkungen die Aktivitäten eines Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft haben. Nur wenn das Ergebnis dieser Prüfung hinreichend gut ausfällt, kann eine Aktie in die MSCI-SRI-Indizes aufgenommen werden.

Durch die Best In Class ESG Rating Methodik und Branchen Ausschlüsse ergeben sich deutliche Veränderungen auch hinsichtlich der Sektorenzusammensetzung. Insbesondere Finanzwerte und Basiskonsumgüter sind weit weniger darin enthalten als im Gesamtindex. Andere Bereiche wie Material/ Rohstoffe, die nicht immer als die sauberste Branche gehandelt wird, sind weit stärker darin enthalten. Handeln die eigentlich umweltverträglichen Sektoren Finanzen und Basiskonsumgüter sozial weniger verantwortungsvoll als die Rohstoffbranche?

In der Tat ergeben sich im Vergleich des MSCI Japan SRI Index mit dem „Parent-Index“ MSCI Japan teilweise abweichende Sektorgewichtungen. Das trifft einerseits bei dem Sektor Financials zu, der im MSCI Japan SRI eine fast acht Prozent geringere Gewichtung aufweist im Vergleich zur Gewichtung im MSCI Japan Index. Eine deutlich stärkere Gewichtung im Vergleich zum MSCI Japan ergeben sich für die Sektoren Materials, der sechs Prozent stärker gewichtet ist und Telecommunications Services, der eine vier Prozent stärkere Gewichtung aufweist. Aufgrund der stringenten Anwendung der SRI-Kriterien und der Best-in-Class- ESG-Rating Methodik zeigt sich, das die Unternehmen aus dem Sektor Financials durchschnittlich schlechtere Ratings aufweisen und es somit im Indexkonstruktionsprozess nicht gelingt, genügend „gut geratete“ Financials zu finden, um die Sektorgewichtung auf dem Niveau des Parentindexes zu halten. Das Gegenteil ist der Fall im Bereich der Materials und bei den Telekommunikationsunternehmen. Hier verfügen alle Titel über ein überdurchschnittlich gutes Rating und somit werden diese Sektoren stärker gewichtet im Vergleich zu den Gewichtungen im MSCI Japan Index. Der Ausschluss von Alkohol und Tabak führt zu einer Untergewichtung des Sektors Basiskonsumgüter.

Wie wirkt sich die deutliche Reduzierung der Aktienanzahl im Index bei Volatilität und Rendite aus?

Tatsächlich nur sehr geringfügig. Die SRI-Indizes von MSCI zielen trotz der Titelauswahl nach strengen Nachhaltigkeitskriterien darauf ab, die Sektorgewichtung des jeweiligen Standard-Index möglichst gut nachzuvollziehen. Dies hat für Anleger den Vorteil, dass sie nachhaltig investieren können und dennoch nur ein sehr geringes systematisches Risiko durch Sektorverzerrungen in Kauf nehmen müssen. In der Praxis hat das bisher auch sehr gut funktioniert. Ein Vergleich des MSCI Japan Socially Responsible mit seinem Mutterindex, dem MSCI Japan, zeigt das sehr klar: Zwar enthält Letzterer deutlich mehr Aktien, doch die Entwicklung beider Indizes verlief in den vergangenen fünf Jahren sehr ähnlich. Der MSCI Japan Socially Responsible weist sogar eine leicht bessere Performance auf.

In Ihrer Produktpalette finden sich bereits andere ETFs auf MSCI Socially Responsible Indizes. Wie sind da Ihre Erfahrungen?

Sehr positiv. Die vergangenen Jahre haben deutlich gezeigt, dass sozial verantwortliches Investieren mehr ist als ein vorübergehender Trend oder ein durch überlegene Performances bestimmter nachhaltiger Investments ausgelöster Herdentrieb. Hier steht wirklich und langfristig das Investieren im Einklang mit gesellschaftlichen Werten im Mittelpunkt. Dass Anleger in die SRI-ETFs von UBS inzwischen mehr als 350 Millionen Euro investiert haben, zeigt, wie relevant diese Entwicklung ist. Uns hat dies dazu bewogen, unsere nachhaltige Produktpalette kontinuierlich auszubauen. Es bietet Investoren bereits einen Zugang zu nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen aus einer Vielzahl von entwickelten Märkten und aus Schwellenländern. Dabei sind diversifizierte Investments in den MSCI World SRI und den MSCI Emerging Markets SRI ebenso möglich wie gezielte Investments in einzelne Regionen wie Nordamerika, Europa und den Nahen Osten sowie den pazifischen Raum. Der UBS ETF auf den MSCI Japan SRI Index ist da ja nur die jüngste Ergänzung. Investoren können somit nun die gesamte Welt oder einzelne Regionen mit SRI-ETFs von UBS abbilden.

Wo sehen Sie aus Ihrer Sicht die wichtigsten Vorteile Ihrer SRI-ETFs gegenüber anderen nachhaltigen Investmentlösungen?

Die SRI-ETFs von UBS bieten dem Anleger die Gewissheit, dass die enthaltenen Aktien anhand von strengen Auswahlkriterien ausgewählt werden. Der Anleger kann sich also sicher sein, dass die ausgewählten Unternehmen gemäß den SRI–Kriterien und der Best In Class ESG Rating Methodik umweltverträglich wirtschaften und eine sozial verantwortliche Unternehmensführung besitzen. Das entsprechende Auswahlverfahren ist gut nachvollziehbar und bietet dem Investor damit ein hohes Maß an Transparenz. Eine solche Aktienauswahl für ein nachhaltiges Investment selbst zu treffen, wäre für den Anleger allerdings mit einem hohen Aufwand verbunden. SRI-ETFs bieten ihm eine einfache, kosteneffiziente und flexible Lösung.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.