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Trend zu Honorarberatung erkennbar

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Das EXtra-Magazin hat mit Stephan Simon von der Vermögenskultur AG über die Rolle von unabhängigen Vermögensverwaltern gesprochen. Hierbei geht er auch auf die Besonderheiten und Vorteile gegenüber der klassischen Bankberatung ein.

Die provisionsgetriebene Bankenberatung steht nicht nur seit der Finanzkrise in der Kritik. Lässt sich aktuell ein Trend zur Honorarberatung bei unabhängigen Vermögensverwaltern feststellen?

In der deutschen Finanzdienstleistungsbranche ist bereits ein Trend zur Honorarberatung erkennbar. Der Marktanteil und die Bedeutung bankunabhängiger, inhabergeführter Vermögensverwalter gewinnt in Deutschland, nicht zuletzt aufgrund der Finanz- und Vertrauenskrise, mehr und mehr an Bedeutung. Innerhalb der letzten fünf Jahre erhöhte sich der Marktanteil bundesweit auf 5 Prozent. Die auf unabhängige Vermögensverwalter spezialisierte V-Bank geht davon aus, dass sich der Anteil bis 2015 auf rund 10 Prozent verdoppeln wird. In Ländern wie den USA und der Schweiz liegt der Marktanteil unabhängiger Vermögensverwalter zwischen 20 und 30 Prozent.

Was ist aus Ihrer Sicht der Vorteil einer Beratung durch einen Vermögensverwalter gegenüber der vermeintlich kostenlosen Beratung durch einen Bankberater?

Gute Beratung gibt es nicht umsonst. Die Empfehlung eines Bankberaters mag auf den ersten Blick nichts kosten, jedoch verdient die Bank i.d.R. über den Produktverkauf in Form von Provisionen und Bestandsvergütungen. Der unabhängige Vermögensverwalter ist weder in Banken- oder Versicherungskonzernen, noch in Strukturvertrieben eingebunden und unterliegt somit keinen Vertriebsthemen und –zwängen. Unabhängige Vermögensverwalter haben genau aus diesem Grund den Schritt in die Selbständigkeit gemacht, um ausschließlich die Interessen ihrer Kunden zu vertreten und nicht die übergeordneter Organe.

Der Vorteil liegt darin, dass ein unabhängiger Honorarberater nicht provisionsbezogen berät und somit keine Interessenskonflikte zwischen dem Provisionsinteresse und dem eigentlichen Anlageinteresse des Kunden bestehen. Die Vergütung für die Zeit und die Qualität der Dienstleistung erfolgt ausschließlich in Form eines Honorars und nicht über Provisionszahlungen. Die ist für den Kunden transparent und nachvollziehbar.

Ein weiterer wesentlicher Vorteil besteht in der freien und großen Auswahl geeigneter Finanzprodukte, auf die ein unabhängiger Vermögensverwalter zurückgreifen kann. In der Bank werden oft nur hauseigene oder provisionsstarke Produkte angeboten. Ein unabhängiger Vermögensberater kann weitestgehend alle auf dem Markt befindlichen Angebote in seine Beratung mit einbeziehen, dies können z.B. auch interessante Festzinsanlagen bei anderen Banken sein.

Darüber hinaus verfügen unabhängige Vermögensverwalter i.d.R. über eine langjährige Berufserfahrung und hohe Kompetenz und begleiten Ihre Kunden nachhaltig über Generationen hinweg.

Nicht jeder kann sich einen eigenen Vermögensverwalter leisten. Ab welcher Anlagesumme lohnt sich die Inanspruchnahme eines Vermögensverwalters?

Im Grunde für jeden, der von den Vorzügen einer bankenunabhängigen Beratung überzeugt ist. Für kleinere Anlagesummen bieten sich vermögensverwaltende Investmentfonds unabhängiger Vermögensverwalter an. Ab rund TEU 250 lassen sich auch Direktmandate z.B. über ETFs sinnvoll diversifizieren. Die Kosten sind in der Regel nicht höher als die bei Banken, jedoch transparent.

Worauf sollte man bei der Auswahl eines geeigneten Vermögensverwalters achten?

Der Wunsch des Kunden ist es , die Vorzüge einer kompetenten Beratung und Betreuung in Anspruch nehmen zu können. Der Berater sollte eine überschaubare Anzahl von Mandaten betreuen und somit ausreichend Zeit für jeden Kunden haben. Die Vertretung (Urlaub, Krankheit) muss geregelt sein, bei „Ein-Mann-Unternehmen“ ist dies u.U. nicht der Fall. Alle Mitarbeiter sollten über eine langjährige Erfahrung in der Beratung und Kapitalmarktexpertise verfügen. Eine BaFin-Lizenz und eine Mitgliedschaft im Verband unabhängiger Vermögensverwalter, sowie eine ausreichende Kapitalausstattung des Unternehmens sind Grundvoraussetzungen. Außerdem sollte die Investmentphilosophie des Verwalters mit der des Kunden grundsätzlich übereinstimmen. Weiter ist darauf zu achten, dass der Vermögensverwalter nur im Rahmen einer beschränkten Vollmacht (Transaktionsvollmacht) agiert und die Konten und Depots auf den Namen des Kunden lauten. Eine faire und transparente Vergütung auf Honorarbasis beinhaltet auch, dass alle sonstigen Vergütungen offengelegt werden, bzw. im Idealfall ausgekehrt werden (z.B. Bestandsvergütungen bei Fonds).

Angenommen, ein Mandant möchte 100.000 Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren anlegen. Wie sollte er das Geld derzeit anlegen?

Eine pauschale Antwort hierauf gibt es nicht. Die Empfehlung ist abhängig von den Zielen und Wünschen des Kunden, seinen Erfahrungen und Lebensumständen, seiner Risikobereitschaft und seiner aktuellen Vermögenssituation. Deshalb steht bei uns am Anfang einer guten Beratung immer ein ausführliches Gespräch, um den Kunden intensiv kennenzulernen. Erst in der Folge können wir eine Empfehlung aussprechen.

Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass wir im aktuellen höchst unsicheren Umfeld der Eurokrise breit über verschiedene Wirtschafts- und Währungsräume gestreut investiert sind. Sachwerte wie z.B. attraktiv bewertete Aktien gehören trotz Schwankungen mit einem gewissen Anteil in jedes langfristig orientierte Portfolio. Auch ausgewählte Unternehmensanleihen von Nicht-Peripherieländern, sowie Währungen außerhalb des Euro halten wir für attraktiv. Gold erachten wir im Hinblick auf die politischen Unwägbarkeiten in Europa strategisch für sinnvoll, vorzugsweise in physischer Form. Wir präferieren liquide und transparente Anlagen und strukturieren unsere Kundendepots so, dass wir jederzeit flexibel auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren können. Unser primäres Ziel ist es, das Kundenvermögen real zu erhalten. Dieser auf Sicht der nächsten Jahre höchst anspruchsvollen Aufgabe, stellen wir uns mit vollem Engagement gerne.