Start Interview Verfall beim Goldpreis, was waren die Hintergründe?

Verfall beim Goldpreis, was waren die Hintergründe?

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Nitesh Shah ETF Securities

Der Goldpreis kennt derzeit nur eine Richtung – nach unten. Im Interview mit Nitesh Shah, Rohstoffanalyst bei ETF Securities bespricht das EXtra-Magazin die aktuelle Situation bei Edelmetallen und erörtert warum sich jetzt ein Einstieg bei Gold wieder lohnen könnte.

Wie kam es zu dem plötzlichen Kurssturz des Goldpreises auf unter 1.400 Dollar pro Feinunze?

„Die starken Kursverluste von Gold am vergangenen Freitag und Montag sind aus unserer Sicht ein klassisches Beispiel dafür, wie spekulative Investoren negative fundamentale Nachrichten und das Durchbrechen wichtiger charttechnischer Punkte genutzt und eine sich selbst-bestätigende Abwärtsspirale ausgelöst haben.“

Wie beurteilen Sie das aktuelle Marktumfeld bei Gold?

„Der Trend eines fallenden Goldpreises seit Oktober geht vor allem auf ein höheres erwartetes weltweites Wirtschaftswachstum, insbesondere in den USA, die Erwartungen einer weniger lockeren Geldpolitik und eine gestiegene Nachfrage der Investoren nach zyklischen und risikoreicheren Anlageklassen zurück. Auch ein stärkerer US-Dollar hat zur Schwäche des Goldpreises beigetragen. Unserer Ansicht nach sind dies jedoch vorübergehende taktische und zyklische Faktoren. Gold wird in einem langfristigen Bullenmarkt bleiben, bis die Schuldenprobleme gelöst oder eine glaubwürdige und liquide Alternative zu den aktuellen Papiergeld-Währungen entsteht.“

Die Rally von Gold wird sich Ihrer Ansicht nach also fortsetzen?

„Ja, die langfristigen Fundamentaldaten von Gold bleiben stark. Dies wird sich voraussichtlich bestätigen, wenn zyklische und technische Faktoren den Goldpreis wieder unterstützen.

Was sind die wichtigsten Faktoren, die für Gold sprechen?

„Das Wachstum des Goldangebotes ist weiterhin begrenzt. Die Goldförderung ist im vergangenen Jahrzehnt nur um etwas mehr als neun Prozent gewachsen, während die jüngsten Probleme in Südafrika die Produktivität der Minenunternehmen bedrohen. Zudem haben sich die Zentralbanken der Emerging Markets seit 2010 zu großen Nettokäufern von Gold entwickelt. China macht heute nahezu ein Fünftel der weltweiten jährlichen Nachfrage nach physischem Gold aus, während es vor zehn Jahren noch einen Anteil von weniger als drei Prozent an der weltweiten Nachfrage hatte. In den vergangenen Monaten ist die Nachfrage nach physischem Gold in China weiter gestiegen.“

Wie sehen Sie die kurzfristige Entwicklung von Gold?

„Gold braucht ein positives Signal, um den Bullenmarkt und seinen Kursanstieg wieder fortzusetzen. Wir glauben, dass angesichts der Rekordstände bei spekulativen Short-Positionen an der COMEX ein Aufwärtstrend durch das Decken dieser Positionen wahrscheinlicher ist als eine weitere starke Preiskorrektur.“

Sollten Anleger eher in physische oder in Futures-basierte Produkte investieren?

„Mit einem Investment in physisch hinterlegte Exchange Traded Commodites (ETCs) schließen Investoren Kreditrisiken aus. Denn die Produkte sind vollständig mit physischem Gold hinterlegt. Wer in das Edelmetall investiert, um sein Portfolio gegen Risiken abzusichern, findet daher in den physisch gedeckten ETCs ein passendes Instrument. Produkte auf Future-Basis richten sich dagegen vornehmlich an taktische Investoren. Denn bei diesen Produkten spielen gerade bei einem langen Anlagehorizont auch Rolleffekte eine Rolle, die sich mit den physisch hinterlegten ETCs ebenfalls ausschließen lassen.“

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