Start Interview Vertriebsmodelle mit Provisionen sind langfristig nicht haltbar

Vertriebsmodelle mit Provisionen sind langfristig nicht haltbar

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iShares senkt die Gebühren für ausgewählte Core-ETFs. Im Gespräch mit Michael Grüner, Leiter Vertrieb iShares in Deutschland, Österreich und Osteuropa besprechen wir die Hintergründe.

Herr Grüner, warum senkt iShares gerade jetzt die Gebühren für ausgewählte ETFs. Ist der Konkurrenzdruck derzeit so hoch?

Wir haben diesen Schritt nicht mit Blick auf den Wettbewerb, sondern primär im Hinblick auf die Bedürfnisse unserer Kunden unternommen. Der ETF-Markt reift weiter und damit entsteht eine neue Gruppe von Anlegern, die sich ETFs zuwendet, um mittels dieser den Kern ihrer Portfolios langfristig auszurichten. Diese Investoren achten dabei auf Kosteneffizienz für den Kern ihrer Anlagen. Mit der iShares Core-Serie bieten wir langfristig orientierten Investoren Zugang zu den Marktsegmenten, die sie am stärksten nachfragen, und zwar zu niedrigeren Kosten, aber mit derselben hohen Qualität aller iShares Fonds.

Ab wann ist denn ein ETF bzw. Markt für Sie ein Core-Investment? Welche ETFs werden künftig in diesem Segment zu finden sein?

Die Core-Serie umfasst in Europa insgesamt 14 kostengünstige ETFs auf die beliebtesten Marktsegmente – neun auf Aktien und fünf auf Renten – die es Investoren in Zukunft leichter machen werden, ihre Kernallokation mittels des Einsatzes von ETFs langfristig zu planen.

Warum senken Sie nur bei wenigen ETFs die Gebühren. Einzelne Länder-ETFs kosten weiterhin zwischen 0,5 – 0,75 % pro Jahr. Hier wäre sicher aus Sicht der Anleger noch etwas Potential vorhanden, oder?

Wir richten uns bei der Preisgestaltung der ETFs immer nach den Bedürfnissen unserer Kunden. Die kostengünstigen ETFs der Core-Serie richten sich spezifisch nach den Wünschen langfristig orientierter Investoren. Wir planen derzeit nicht, das Pricing bei weiteren iShares ETFs zu ändern, prüfen die Preisgestaltung unserer Fonds aber natürlich fortlaufend und sind in der Lage, auf die Wünsche von Investoren einzugehen.

Für viele Anleger ist bei der Wahl eines ETFs nicht allein die TER ausschlaggebend. Viele achten auf die Performance gegenüber dem Index und die Liquidität eines ETFs. Wie gut schneiden Ihre ETFs hier ab?

Es gibt keine Qualitätsunterschiede zwischen den ETFs der Core-Serie und allen anderen ETFs von iShares. Alle unsere Fonds werden auf dieselbe Weise und zu denselben hohen Standards verwaltet. Wir arbeiten mit den führenden Index-Anbietern in allen Märkten und greifen auf ausgereifte Portfolio-Management- und Handels-Systeme zurück. Zudem sind wir bekannt für hervorragendes Risikomanagement und Kundensupport im Zusammenhang mit unseren Produkten.

Sie erwarten künftig ein starkes Wachstum bei Privatanlegern und Plattformen. Wie schaffen Sie es dort Abnehmer für Ihre ETFs zu finden, denn Finanzberatung funktioniert ja noch meist über Vertriebsprovisionen, die in ETFs nicht enthalten sind?

Aus meiner Sicht ist ein Vertriebsmodell, dass sich auf Vertriebsprovisionen stützt, langfristig nicht haltbar, im Private Banking oder für unabhängige Vermögensverwalter sicher nicht, aber auch Retail-Vertriebe experimentieren mit transparenteren Gebührenmodellen und verschiedenen ETF-Angeboten für Ihre Kunden, z.B. in Form von ETF- Dachfonds. Anleger wollen Gebührentransparenz, Verbraucherschützer und Regulatoren drängen in vielen europäischen Ländern auf Veränderung. Und selbst dort, wo der Regulator nicht ausdrücklich Vertriebsprovisionen untersagt, sorgt doch der Wettbewerbsdruck verschiedener Vertriebe untereinander dafür, dass neben einer rein vertriebsprovisionsgestätzten Beratung immer mehr auch ein honorarbasiertes Model angeboten wird.

Diese Entwicklung hat zunächst wenig mit der Diskussion aktives Management oder passives Management zu tun. Auch aktive Manager bieten immer mehr provisionsfreie „institutionelle“ Anteilsklassen für Vertriebe an, die sich in diese Richung entwickeln wollen. Der ETF eignet sich natürlich im besonderen, da er schon vor mehr als 10 Jahren als provisionsfreies, günstiges und transparentes instrument an den Markt gebracht wurde und im Hinblick auf Transparenz und Gebühreneffizienz eben deswegen nicht zu schlagen ist.

Lesen Sie dazu auch unsere die EXtra-Magazin Meldung über die Gebührensenkung der Core-ETFs.

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