Jürgen Kurz, Pressesprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, über Index-Schmuser.
Jürgen Kurz, Pressesprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Aktive Fondsmanager versuchen durch ihr Handeln den Vergleichsindex zu schlagen. Das ist zumindest die gängige Meinung und letztlich auch das Motiv beim Kauf eines aktiven Fonds. Manche versuchen nicht einmal das. So unterscheidet sich etwa nach Zahlen von Morningstar der Uni Deutschland gerade mal um zehn Prozent von seiner Benchmark. Aber auch andere namhafte Fondsgesellschaften orientieren sich stark am Index. Etwas verharmlosend tragen solche Fonds den Namen „Index-Schmuser“. Wir haben mit Jürgen Kurz, Pressesprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), über das Phänomen gesprochen.

Herr Kurz, was muss ein Fonds erfüllen, dass Sie ihn als Index-Schmuser bezeichnen?

Eigentlich beschreibt der Name „Index-Schmuser“ schon sehr genau, was man sich unter einem solchen Fonds vorstellen muss. Es sind Fonds, die nur vermeintlich aktiv gemanagt werden, in Wirklichkeit aber lediglich ihren Benchmarkindex nachbilden. Es geht also um die Frage, ob die – vom Anleger teuer bezahlten – Manager wirklich eigene Anlageentscheidungen treffen. Um dies zu beantworten, wird unter anderem gemessen, wie unterschiedlich der jeweilige Fonds und der entsprechende Vergleichsindex zusammengesetzt sind. Sinkt diese sogenannte „Active-Share“-Quote bei europa- oder weltweit agierenden Fonds unter 60 Prozent, liegt der Verdacht nahe, es hier mit einem „Index-Schmuser“ zu tun zu haben. Bei Fonds, die ausschließlich in Deutschland aktiv sind, darf die Quote etwas niedriger ausfallen.

Wieso kopieren aktive Fondsmanager Indizes, die sie ja eigentlich schlagen wollen – zumal sie sich für ihre Dienste auch gut bezahlen lassen?

Das ist tatsächlich eine sehr interessante Frage. Denn klar ist: wer den Index lediglich abbildet, hat keine Chance, eine Überrendite zu erwirtschaften. Und genau das ist es ja, was Anleger von einem Fondsmanager – zumindest mittel- bis langfristig – erwarten.

Was die Beweggründe angeht, kann ich nur Vermutungen anstellen. Zum einen kann ich mir vorstellen, dass die Kostenfrage eine Rolle spielt. Erfolgreiches Stockpicking setzt intensives Research voraus. Nur wer die Kennzahlen der Unternehmen, in die er investieren will, genau kennt, hat eine Chance, ihre Gewinnentwicklung seriös zu prognostizieren. Das Problem: Gutes Resaerch kostet Geld. Ein anderer Beweggrund mag in der Risikovermeidung liegen. Wenn ein Fondsmanager einen Index lediglich nachbaut, wird er ihn zwar nicht schlagen, aber eben auch nicht schlechter abschneiden.

Was raten Sie Fondsinteressieren bei dieser Problematik grundsätzlich?

Der Kauf eines aktiv gemangten Fonds lohnt sich im Vergleich zu den deutlich preiswerteren passiven ETFs nur dann, wenn der von der Fondsbranche so gerne in die Diskussion eingebrachte „risikoadjustierte Mehrertrag“ wirklich erwirtschaftet wird. Und das kann nur ein Manager leisten, der sich bei der Titelauswahl nicht an der Indexzusammensetzung orientiert oder gar selbst einfach passive Produkte kauft. Hier lohnt ein Blick auf die Historie und aktuelle Zusammensetzung des jeweiligen Fonds.

Können Betroffene ihre bezahlten Gebühren zurückfordern?

Das Problem bei der Durchsetzung einer Rückerstattung gezahlter Gebühren ist die Beweisführung. Gefordert sind hier in erster Linie die Finanzaufsichtsbehörden. Aktiv gegen das sogenannte „closet indexing“ (starke Orientierung am Index) vorgegangen sind bisher lediglich die Aufseher in Norwegen und Großbritannien. In beiden Ländern kam es zu Rückzahlungen zu Unrecht erhobener Managementgebühren an die Anleger. Die deutsche Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin sieht in Deutschland aktuell keinen Anlass, gegen Fondsgesellschaften vorzugehen. Laut einer Bafin-Untersuchung gebe es keine Hinweise darauf, dass hierzulande im großen Stil „Index-Schmuser“-Fonds aktiv seien. Die Europäische Finanzaufsicht Esma kam dagegen zu dem Ergebnis, dass von rund 2.600 analysierten Fonds immerhin bis zu 15 Prozent closet indexing betreiben – zulasten ihrer Anleger.

Können Sie uns prominente Indexschmuser nennen?

Da die europäischen Aufsichtsbehörden zwar Studien erstellt haben, aber keine Namen nennen, kann ich damit leider nicht dienen.

Herr Kurz, vielen Dank für das Gespräch.

Lesetipp: Einen ausführlichen Bericht zu diesem Thema können Sie in der Juni-Ausgabe des EXtra Magazins lesen.

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das EXtra Magazin.