Volker Gronau, Senior-Partner und Vermögensverwalter bei der Deutschen Wertpapiertreuhand.
Volker Gronau, Senior-Partner und Vermögensverwalter bei der Deutschen Wertpapiertreuhand.

Auch wenn es schon deutlich schwächere Jahre gab, das sich dem Ende neigende Jahr war nicht das beste für deutsche Anleger. Das lässt den einen oder andern Aktionäre nervös werden. Was sollten Anleger also in solchen Marktphasen machen? Wir haben bei Volker Gronau, Senior-Partner und Vermögensverwalter bei der Deutschen Wertpapiertreuhand nachgefragt.

Herr Gronau, der Dax präsentiert sich in den vergangenen Monaten nicht gerade von seiner besten Seite. Müssen sich Anleger erstmal mit Schmalkost zufriedengeben?

Ein Vergleich der Jahre 2017 mit dem sich langsam zu Ende neigenden Jahr sei erlaubt. Im letzten Jahr wurden wir Anleger verwöhnt durch eine geradlinige und mit geringen Schwankungen verbundene angenehme Aufwärtsbewegung, die im Ergebnis bei über zwölf Prozent lag. In diesem Jahr hat sich der Dax turbulent gezeigt. Sollten die geopolitischen und makroökonomischen Hausaufgaben an den Brandherden dieser Welt halbwegs gelöst werden können, sollte einer Jahresendrallye nichts im Wege stehen. Dann wäre es mit der Schmalkost spätestens zum Jahreswechsel vorbei und die Marktteilnehmer würden für Ihren Mut belohnt werden.

Gehen wir einmal davon aus, dass die Börsen auch in nächster Zeit nach unten gehen. Wie sollten sich (vorsichtige) ETF-Anleger jetzt verhalten?

Zyklische Werte, die mit der konjunkturellen Entwicklung Hand in Hand laufen, wie die Automobilwerte, Bau- oder Chemie-Aktien sollten eher gemieden werden. Dafür wären defensivere Titel wie die Telekommunikation oder das Gesundheitswesen besser geeignet.

Wichtig ist aber auf jeden Fall investiert zu bleiben, da Reaktionen sehr heftig ausfallen und sich Bewegungen heute nach unten sehr viel schneller vollziehen als noch vor zehn oder sogar zwanzig Jahren. Anpassungen an sich veränderte Gewinnerwartungen bestraft der Markt heute innerhalb von Stunden und das war es dann auch. Früher hingegen dauerten diese Anpassungsprozesse Wochen, wenn nicht sogar Monate.

Daher kann der Rat nur lauten, auf jeden Fall investiert zu bleiben und die heftig ausfallenden negativen Verlustzeiten durchzustehen, da die Gegenbewegungen ebenso schnell vonstattengehen. In der Endabrechnung ist der Langfristinvestor der Gewinner.

Und allgemeiner: Wie sollten Anleger von Anfang an vorgehen?

Ein individuelles Verhältnis, das auf jeden einzelnen Anlegertyp entsprechend seiner Risikotragfähigkeit abgestimmt ist, sollte sich der Anleger vor Augen halten und kritisch dieses hinterfragen. Hierbei kann ein Vermögensverwalter oder auch eine entsprechend konzipierte Internetplattform gute Dienste erweisen. Was bei dem einen Anlegertyp 80 Prozent Aktienanteil kein Problem in der Risikostruktur darstellt, kann bei einem anderen Anleger zu Albträumen führen.

Eine Veränderung der Allokation zugunsten von Anleihen würde das Risiko erst einmal reduzieren. Bei einer Aufwärtsbewegung von Aktien wäre man aber nur gedämpft dabei. Sollte man also eine einmal gewählte Strategie stur durchziehen?

Ein klares Ja! Wechseln bringt dem Anleger nur das trügerische Gefühl agiert zu haben. Trends kommen und gehen. Erträge erwirtschaftet derjenige, der sich langfristig zu einer bestimmten Verteilung (z. B. 70 Prozent in Aktien) entschieden hat. Jetzt kommt es nur noch darauf an mit ruhiger Hand hier und da Anpassungen vorzunehmen, die monatlich oder noch größere Zeiträume beinhalten. Kurzfristiges hin- und herspringen wird jedenfalls nicht zum gewünschten Erfolg führen können, auch wenn die Transaktionsgebühren niedrig sind.

Wie lautet abschließend Ihr Tipp, wie Anleger auch in Krisenzeiten ruhig schlafen können?

Trotz aller Widrigkeiten ruhig bleiben und nicht zu oft die Nachrichten verfolgen, von welchen wir tagtäglich überflutet werden. Die häufig reißerischen Informationen, die in aller Regel eher negativ angehaucht sind, da sie hohe Auflagen und großes Leserinteresse involvieren, konterkarieren das Bild und Verhalten eines langfristig investierten Kapitalanlegers. Treue bei der Geldanlage wird belohnt werden.

Lesetipp: Mehr zum Thema erfahren Sie in der EXtra-Magazin Ausgabe Dezember/Januar.

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das EXtra Magazin.