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Vom wachsenden Markt profitieren

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Thomas Timmermann von der Commerzbank

Mit ComStage hat ein neuer Anbieter den deutschen ETF-Markt betreten. Das EXtra-Magazin in Gespräch mit Thomas Timmermann über die Ziele und Strategie seines Hauses.

ComStage kommt spät an den ETF-Markt. Was erhoffen Sie sich?

Wir schauen uns diesen Markt bereits seit mehreren Jahren an und finden, dass er jetzt groß genug geworden ist, um für uns interessant zu sein. Darüber hinaus sind wir bereits Market-Maker für 300 ETFs anderer Anbieter und 1500 Publikumsfonds, neben unseren eigenen 80.000 Derivaten natürlich. Dass wir nun auch mit einer ETF-Marke an den Markt gehen werden, war daher nur ein logischer Schritt. Die gesamte technische Handelsplattform besteht ja bereits. Mittelfristig wollen wir einer der drei größten ETFAnbieter in Kontinentaleuropa sein. Da gehört die Commerzbank als eines der führenden Kreditinstitute einfach hin.

Wo will ComStage wachsen?

Der ETF Markt in Deutschland zeichnet sich durch sehr hohe Wachstumsraten aus. Aktuell werden in Deutschland rund 74 Mrd. Euro in ETFs verwaltet. Bis 2012 sollen es 229 Mrd. Euro werden, so eine Studie der Steinbeis-Hochschule. Es gibt also genug Platz für weitere Anbieter. Daher wollen wir auch nicht in erster Linie bestehendes Vermögen von den Konkurrenten abwerben, sondern vom insgesamt wachsenden Markt profitieren.

Wer zählt zu Ihrer Zielgruppe beziehungsweise welche Bedeutung haben derzeit Privatanleger für Sie?

Zu unserer Zielgruppe gehören sowohl institutionelle Investoren als auch Privatanleger. Beide Kundengruppen werden – natürlich auf unterschiedliche Weise – angesprochen. Noch in diesem Jahr liegt der Schwerpunkt in der Kommunikation jedoch auf den Privatanleger, ist es doch für ihn besonders interessant noch vor Jahresende ETFs zu kaufen.

Wie wollen Sie Ihre Produkte vertreiben? Schließlich sind ETFs in Deutschland noch nicht so populär.

ETFs sind transparente und kostengünstige Anlagevehikel und damit für Privatanleger mehr als geeignet. Aber ich stimme zu: Noch sind ETFs in Deutschland nicht sehr populär. Insbesondere in diesem Jahr sind sie jedoch gerade für den Privatanleger auch aus steuerlicher Sicht höchst attraktiv. Kursgewinne bleiben, wenn sie den ETF noch in diesem Jahr kaufen und mehr als 12 Monate halten, steuerfrei. Beim Privatanleger besteht hier noch hoher Aufklärungsbedarf. Wir versuchen mit unserer vor allem auf den Privatanleger abzielenden Werbung diese noch neue Anlageklasse in der Breite der Bevölkerung bekannt zu machen. Dazu konnten wir zum Beispiel Michael Ballack als Werbepartner gewinnen.

Wie bilden Sie Indizes nach? Mit Hilfe von Swaps oder direkt?

Alle unserer 27 ETFs sind Swap-ETFs. Wir halten uns aber auch die Möglichkeit offen, Full Replication ETFs zu emittieren. Dies hängt in erster Linie von den Wünschen unserer Kunden ab.

In welcher Rolle sehen Sie ETFs in einem Anlegerportfolio?

ETFs sind transparente, effiziente und kostengünstige Anlagevehikel. Durch die Abbildung eines Index tragen sie bereits von Haus aus dem Diversifikationsgedanken Rechnung. Somit eignen sich ETFs hervorragend zur langfristigen Geldanlage. Welche Rolle sie letztlich im Depot des einzelnen Anlegers einnehmen sollten, muss der Anleger selbst entscheiden. Es ist aber selbstverständlich möglich, etwa im Sinne einer Core Satellite Strategie, das Depot zu 100 Prozent mit ETFs abzubilden, wobei der Kern aus ETFs auf internationale Standardindizes besteht. Die „Satelliten“ wiederum können sich aus Branchen-, Emerging-Markets- oder Rohstoff-ETFs zusammen setzen.

Sie verkaufen auch Zertifikate. Machen Sie sich nun intern Konkurrenz?

Keineswegs. Wir bieten unseren Kunden einfach beides an. Was er kauft ist uns im Zweifel egal, solange es eben ein Zertifikat der Commerzbank oder ein ComStage ETF ist. Sieht man von Index-Zertifikaten ab, die auch nur einen Teil des Zertifikate-Universums ausmachen, sind Zertifikate und ETFs auch nicht wirklich vergleichbar. Zertifikate verfügen über Risikopuffer, Hebel oder auch 100 Prozent Kapitalschutz, um nur ein paar mögliche Features zu nennen, während unsere ETFs bisher lediglich Delta-1-Produkte sind, die von steigenden Märkten profitieren. Wir möchten unseren Anlegern einfach nur eine möglichst umfangreiche Palette an Anlageinstrumenten anbieten und dazu gehören ab sofort auch ETFs.

Thomas Timmermann

Geschäftsführer der Commerz Derivatives Funds Solutions S.A. Die Commerzbank- Tochter ist für die Auflage der ComStage ETFs verantwortlich. Darüberhinaus leitet Timmermann auch das Zertifikategeschäft der Commerzbank in Frankfurt.

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