Start Interview „Wechselkursbewegungen erhöhen Bewusstsein für die Anlagechancen und -risiken“

„Wechselkursbewegungen erhöhen Bewusstsein für die Anlagechancen und -risiken“

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Bernhard Wenger Vertriebsleiter Europa, ETF Securities

Infolge der Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank im Gesamtwert von 1,14 Billionen Euro sinkt der Kurs des Euro stetig. Das EXtra-Magazin spricht mit Bernhard Wenger, Head of European Distribution bei ETF Securities, wie Anleger ihr in Euro denominiertes Portfolio absichern können.

Der Euro fällt und fällt. Zeitweise rutschte er unter die Marke von 1,05 US-Dollar. Mancher Analyst befürchtet gar einen Kurssturz auf 0,85 Cent. Wie können Anleger ihr in Euro denominiertes Depot am besten absichern?

Anleger aus dem Euroraum, deren Depot in US-Dollar denominierte Positionen enthält, haben von der Aufwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro in den letzten Monaten profitiert. Generell erhöhen die Wechselkursbewegungen aber das Bewusstsein für die Anlagechancen und -risiken, die durch Währungen entstehen.

Die entscheidende Frage, die sich Anleger stellen sollten, ist ob sie sich einem Währungsrisiko wissentlich aussetzen oder dieses explizit ausschließen wollen. Wenn Anleger beabsichtigen, das Risiko von Wechselkursschwankungen zu minimieren, bietet sich entweder ein währungsbesichertes Produkt oder ein Währungs-ETC an.

Was ist der Unterschied zwischen diesen Produkten?

Währungsbesicherte Produkte weisen einen integrierten Absicherungsmechanismus auf. Sie bilden in der Regel Indizes ab, die eine währungsneutrale Wertentwicklung berechnen. Viele ETPs sind inzwischen in einer solchen währungsbesicherten Variante erhältlich. Der Vorteil: Anleger müssen wegen der integrierten Absicherung keine zusätzlichen Mittel für das Hedging einsetzen.

ETCs auf einzelne Währungspaare bieten dagegen die Möglichkeit, Positionen in bestimmten Währungen gegenüber einer anderen Währung aufzubauen. So können Anleger bereits bestehende Fremdwährungspositionen durch einen ETC auf die entgegengesetzte Währungsposition ganz einfach absichern. Die Instrumente eignen sich aber nicht nur zur Absicherung. Insbesondere mit gehebelten Produkten lassen sich Währungsschwankungen effektiv für Zusatzrenditen nutzen. Denn bei ihnen müssen Investoren nur einen Bruchteil der Anlagesumme einsetzen. ETF Securities bietet beispielsweise Währungs-ETCs mit einem drei- oder fünffachen Hebel an.

Was gibt es bei solchen währungsgesicherten Produkten zu beachten?

Wenn ein Anleger in Erwägung zieht, in ein währungsbesichertes Produkt zu investieren, ist es vor allem wichtig, darauf zu achten, wie diese Währungsabsicherung genau konstruiert ist. Denn hier gibt es unterschiedliche Formen. Liegt dem ETF oder ETC beispielsweise ein Index zugrunde, der nur monatlich zwischen der Währung der Benchmark und der eigenen Währung absichert, kann es sein, dass die Wertentwicklung des Produkts deutlich verzerrt wird. Eine tägliche Absicherung kann die Auswirkungen von Wechselkursbewegungen hingegen deutlicher genauer eingrenzen. Anleger sollten also auf die Bezeichnung „daily hedged“ achten.

Welche Einfluss hat die bevorstehende US-Zinswende und wie kann man sich darauf als Anleger vorbereiten?

Aus Sicht der meisten Marktbeobachter ist es vor allem eine Frage der Zeit, wann die Fed ihre Zinsen erhöht. Die Äußerungen von Fed-Präsidentin Janet Yellen nach dem Treffen des Federal Open Market Committee in der letzten Woche sind mehrheitlich dahingehend interpretiert worden, dass die US-Notenbank eine Zinserhöhung im Juni vorbereitet. Da Anlagen in den USA durch höhere Zinsen attraktiver werden, könnte die Abkehr der Fed von der Nullzinspolitik den US-Dollar weiter stärken. Allerdings gibt es auch Faktoren die einer weiteren Aufwertung des US-Dollar entgegenwirken: Erstens, reflektiert der aktuelle Dollarkurs eine Zinserhöhung in den USA bereits zu einem gewissen Maß. Zweitens war die Rally des US-Dollar in letzter Zeit so stark, dass es kurzfristig durchaus zu einer Korrektur kommen könnte. Und drittens ist die Fed daran interessiert, den US-Dollar nicht zu stark aufwerten zu lassen, um die Inflation zu begrenzen und die eigene Wirtschaft nicht zu schwächen.

Welche Währungen sollten Anleger zusätzlich im Blick haben?

Zunächst sollten Anleger vor allem die Währungen im Blick haben, die sich bereits in ihrem Portfolio widerfinden, und entscheiden, ob sie das Währungsrisiko belassen oder ausschließen möchten. Darüber hinaus sind Währungen aber auch eine eigene Anlageklasse und bieten Renditepotenzial. Mit ETCs auf Währungspaare oder -körbe lassen sich bestimmte Wechselkurserwartungen gezielt umsetzen. Da Währungen nicht mit den bedeutenden Anlageklassen korrelieren, eignen sie sich außerdem als zusätzliche Diversifizierungskomponente für ein Portfolio.

Allgemein scheinen währungsgesicherte Produkte ein Trend zu sein. Werden Währungsabsicherungen aus Ihrer Sicht immer wichtiger für den Anleger?

Ja, wir sehen auf jeden Fall ein wachsendes Interesse von Investoren an währungsbesicherten Produkten. Dazu muss man aber sagen, dass viele Anleger in letzter Zeit etwa bei Investments in Rohstoffe, die in der Regel in US-Dollar gehandelt werden, auch bewusst zu nicht besicherten Produkten gegriffen haben. So konnten sie von der Aufwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro profitieren. Da die Volatilität auf den Devisenmärkten zuletzt gestiegen ist, werden währungsbesicherte ETPs aber grundsätzlich immer wichtiger für Anleger.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.