Start Interview „Wir wollen neue Kundengruppen erreichen“

„Wir wollen neue Kundengruppen erreichen“

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db X-trackers reduziert die Gesamtkostenquote (TER) für einige physisch replizierende ETFs auf 0,09 Prozent. Im Gespräch mit Simon Klein, Leiter ETF-Vertrieb bei Deutsche Asset & Wealth Management (DeAWM) für Europa und Asien erläutern wir die Hintergründe.

Simon Klein, Leiter ETF-Vertrieb
bei Deutsche Asset & Wealth
Management (DeAWM)
für Europa und Asien

Deutsche Asset & Wealth Management hat für ETFs auf den DAX oder den FTSE-100 die Gesamtkostenquote teilweise drastisch reduziert. Was waren die Gründe für diese Maßnahme?

Kurz gesagt, wir wollen neue Kundengruppen erreichen. Gerade unter institutionellen Investoren spielen die laufenden Kosten eine sehr große Rolle. Dort sind ETFs noch nicht so weit verbreitet, wie es sein könnte. Für sie sind unsere physischen db X-trackers ETFs mit einer Gebühr von nur 0,09 Prozent im Jahr eine sehr attraktive Alternative. Gerade wer sehr langfristig mit ETFs anlegt, möchte möglichst wenig Gebühren zahlen. Privatanleger profitieren natürlich genauso von der Gebührensenkung bei den db X-trackers ETFs

Auf den Euro Stoxx 50 und den MSCI USA haben Sie bereits weitere Preissenkungen angekündigt. Werden weitere folgen?

Die erste Runde umfasst ETFs auf DAX, FTSE 100, EuroStoxx50 und MSCI USA, damit können Sie nahezu den kompletten Aktienmarkt der entwickelten Volkswirtschaften mit sehr kostengünstigen ETFs abbilden. Damit haben wir schon ein sehr umfassendes Angebot. Wir haben außerdem für den japanischen Aktienmarkt die Gebühr auf den Nikkei 225 ETF von 0,50 auf 0,25 Prozent gesenkt, damit zählt der ETF auch zu den günstigsten im Markt.

Nach den hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre erzielten ETFs in 2013 erstmals niedrigere Zuwächse als aktiv verwaltete Fonds. Wird der Kampf um den Anleger nun verstärkt über die Gebühren geführt?

Nein, der niedrigere Zuwachs im ETF-Markt 2013 hat eindeutige Gründe, Investoren haben Gelder aufgrund von einzelnen Anlageentscheidungen abgezogen. Sei es der stark gesunkene Goldpreis, die neuen Unsicherheiten in einigen Schwellenländern, die durch die niedrigen Zinsen unattraktiven Geldmarkt-ETFs. In diesen Segmenten hätten niedrigere Gebühren nicht unbedingt zu höheren Zuflüssen geführt. Es geht bei der Gebührensenkung darum, neue Kundengruppen anzusprechen und sie von den Vorteilen einer langfristigen Geldanlage mit ETFs als Basis-Investments zu überzeugen.

Angesichts eines immer größeren Produktangebotes wird es für die ETF-Anbieter immer schwieriger, sich über neue Produkte zu profilieren. Sehen Sie 2014 trotzdem Spielraum für noch wenig unbeachtete Anlagethemen, -strategien oder -trends?

Es sind durchaus noch Innovationen möglich, die zu deutlichen Zuflüssen führen. db X-trackers hatte 2013 einen ETF aufgelegt, der in höher verzinsliche Anleihen aus Euroländern investiert. Der Euro Sovereign Yield-Plus-ETF das war das erfolgreichste neu aufgelegte Produkt in Europa nach Nettozuflüssen. Das zeigt, dass es möglich ist, mit neuen Produkten erfolgreich zu sein. 2014 haben wir bereits einen physischen ETF aufgelegt, der breit in mittelständische Unternehmen investiert, also in das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, auch das war eine Innovation. Dasselbe gilt für unseren physischen CSI300 A-Aktien ETF, den wir im Januar an die Börse gebracht haben. Damit können deutsche Anleger erstmals direkt in chinesische A-Aktien, den zweitgrößten Aktienmarkt der Welt investieren. Außerdem planen wir ETFs, die gegen Kursverluste bei einem möglichen Zinsanstieg abgesichert sind. An diesem Thema sehen wir großes Interesse auf Seiten der Investoren.

Vielen Dank für das Gespräch.

Lesen Sie dazu auch die Meldung zu der aktuellen Gebührensenkung von db X-trackers.

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