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Wir erwarten keinen Abbruch des Aufschwungs bei ETFs

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Thorsten Michalik db x-trackers

Die Deutsche Bank konnte sich innerhalb von nur drei Jahren zu einem der führenden ETF-Anbieter in Europa entwickeln. EXtra im Gespräch mit Thorsten Michalik, Head of db x-trackers.

EXtra-Magazin: Sie machen ständig mit neuen Produkten und Initiativen auf sich aufmerksam. Ist das der Grund für Ihren Erfolg?

Von Anfang an hat db x-trackers das Ziel verfolgt, mit seinen ETFs möglichst viele Anlageklassen für den Aufbau eines Portfolios anzubieten. Da es zum Start von db x-trackers für viele Asset-Klassen noch keine ETFs gab, waren wir dort jeweils die Ersten. Beispiele dafür sind der Geldmarkt-ETF, die Währungs- und Rohstoff-ETFs oder auch der Hedgefonds-ETF. Deshalb wurden unsere ETFs so gut von den Anlegern angenommen. Nicht weil sie einfach nur neu waren, sondern weil sie perfekt in eine Asset-Allokation passen und dort ganz konkret das Rendite-Risikoprofil verbessern.

Ihre DJ EuroStoxx 50 ETFs bieten Sie ab sofort ohne laufende Gebühren an. Was versprechen Sie sich und Ihren Anlegern davon und woran verdienen Sie nun?

Der Nutzen für die Anleger ist ganz klar, dass sie mindestens die Indexperformance des DJ EuroStoxx 50 ETF erhalten, da auf jeden Fall keine Verwaltungsvergütung abgezogen wird. db x-trackers hat es in der Vergangenheit geschafft, durch Zusatzerträge die bisherige Verwaltungsvergütung wieder aufzuholen. Jedes Jahr hat der entsprechende ETF den DJ Euro Stoxx 50-Index sogar um 0,5 Prozent geschlagen. Nun ist diese bisher freiwillige Leistung für den Anleger festgeschrieben. Wir verdienen aber auch trotzdem an dem ETF. Denn wir sind zuversichtlich, auch künftig Zusatzerträge zu erwirtschaften, etwa durch Wertpapierleihe.

Werden sich ETFs weiter durchsetzen können oder kehren die Investoren wieder zu bekannten Anlagen zurück?

Wir erwarten keinen Abbruch des Aufschwungs bei ETFs. Sie müssen sehen, dass erst zwei Prozent des Fondsvolumens in Europa in ETFs liegen. Vor allem große institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen nutzen ETFs erst zu einem geringen Anteil. Gerade dort werden sich die Vorteile von ETFs wie Transparenz und günstige Kosten noch stärker durchsetzen. Auch der Trend hin zu unabhängiger Vermögensverwaltung unterstützt den Einsatz von ETFs. Da der Einsatz von Indexfonds nicht an eine bestimmte Marktphase gebunden ist, also Aufschwung oder Baisse, bin ich zuversichtlich, dass ETFs sich noch weiter durchsetzen werden.

Worin sehen Sie die spezielle Stärke der Deutschen Bank?

Es gehört seit mehr als 20 Jahren für uns zum täglichen Geschäft, Indizes für Kunden in verschiedenen Anlageprodukten abzubilden. Daher war es gar kein so großer Schritt, auch ETFs in die Produktpalette aufzunehmen. Diese Erfahrung zahlt sich nun aus, indem wir neue Asset-Klassen durch Indexfonds abbilden. Eine weitere Stärke der Deutschen Bank ist ganz klar der reibungslose Handel mit ETFs. Die Deutsche Bank ist nicht nur der wichtigste Market-Maker für den Handel von db x-trackers ETFs über die Börse. Sie hat auch einen entscheidenden Anteil daran, dass db x-trackers im Vergleich zu allen ETF-Anbietern in Deutschland die engsten Spreads aufweisen.

Ihr Haus setzt auf die Indexabbildung via Swaps. Nun haben Sie das Emittentenrisiko ausgeschaltet. Wie geht das?

Nach den gesetzlichen Vorgaben muss jeder ETF zu mindestens 90 Prozent besichert sein, damit beträgt das Gegenparteien-Risiko im Umkehrschluss maximal zehn Prozent. Wir haben die Besicherung deutlich ausgeweitet, auf mindestens 108 Prozent des Nettoinventarwertes. Das heißt, in dem ETF liegen Wertpapiere zu einem insgesamt deutlich höheren Wert, als für die Darstellung der Indexperformance nötig wäre. Somit besteht praktisch kein Gegenparteien-Risiko mehr. Wir sind einigermaßen stolz darauf, dass wir damit die Vorteile der traditionellen ETFs – kein Gegenparteienrisiko – und die Vorteile der Swap-ETFs – exakte Indexabbildung – in einem Produkt vereinigt haben.

Welche neuen Produkte werden wir bis Jahresende von Ihnen zu sehen bekommen?

Wir sind schon weit gekommen. Ein weiteres Ziel ist nun, die Variabilität innerhalb der Anlageklassen zu erweitern. Zum Beispiel kommen dieses Jahr noch 25 Aktienfonds, die short oder gehebelt sind, oder beides zugleich. Damit reagieren wir auf die Nachfrage von institutionellen Anlegern nach diesen Instrumenten.

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Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.