Start Interview „Wir gehen davon aus, dass sich die Liquidität in China verbessert“

„Wir gehen davon aus, dass sich die Liquidität in China verbessert“

36
Bernhard Wenger

ETF Securities legte vor wenigen Tagen seinen Halbjahresbericht zum Rohstoff-Markt vor. Das EXtra-Magazin fragte nach und interviewte Bernhard Wenger von ETF Securities zu den künftigen Investment-Aussichten von Gold, Platin, Zink und Rohöl.

1. Ein Großteil der Abflüsse bei Rohstoffen entfällt auf Gold. Mancher Börsenguru sieht bei einem möglichen Ende der lockeren Geldpolitik der Fed und damit einer weiteren Stärkung des US-Dollar einen Goldpreisverfall ins Bodenlose und rät zum Verkauf. Antizykliker dagegen nutzen günstigere Goldpreise für einen Wiedereinstieg. Wie sieht ETF Securities das Kurspotential bei Gold für die kommenden 6 Monate und was raten Sie Anlegern?

Kurzfristig bleibt Gold voraussichtlich weiter volatil. Wenn sich der Trend der abnehmenden Abflüsse aus Gold-ETPs zwischen April und Juni allerdings fortsetzt, könnte es in nicht allzu ferner Zukunft zu einem Wendepunkt auf dem Goldmarkt kommen. Denn die langfristigen Aussichten für das Edelmetall sind dank der weiter anziehenden physischen Nachfrage nach Gold positiv. So zeigt etwa das Beispiel Portugal, dass die Schuldenkrise in Europa noch nicht ausgestanden ist. Risikoaverse Investoren setzen daher weiterhin auf Gold als Absicherung ihres Portfolios gegen Inflation und die sehr hohe Verschuldung vieler Industriestaaten. Zudem notiert Gold derzeit erheblich unter den Grenzkosten für die Förderung. Inklusive der Kapitalkosten und der Kosten für die Exploration muss eine Mine derzeit rund 1.500 US-Dollar für die Förderung einer Unze Gold aufwenden. Langfristig wird sich die Förderung zum gegenwärtigen Preisniveau daher nicht aufrechterhalten lassen. Ein knapperes Angebot wird den Goldpreis dann stützen.

2. Platin ist der einzige Rohstoff, der bei ETPs zulegen konnte. Platin ist aber ähnlich wie Silber oder Palladium nicht nur Edelmetall sondern auch Industriemetall. Ist dies angesichts schwächerer Wirtschaftsdaten in China sinnvoll, jetzt Platin-ETFs zu kaufen?

Richtig ist: der Kurs von Platin wird stärker von der industriellen Nachfrage und der konjunkturellen Entwicklung in China beeinflusst. Der Preisrückgang zuletzt ging daher vor allem auf den Anstieg der kurzfristigen Zinsen in China zurück. Allerdings gehen wir davon aus, dass sich die Liquidität in China verbessert und die Sorgen vor einem Verlangsamen des Wirtschaftswachstums im Verlauf des Jahres auflösen – damit werden auch diese Hindernisse für die Kursentwicklung bei Platin und Palladium verschwinden. So besteht nach wie vor die Gefahr, dass die Arbeitskämpfe im wichtigen Förderland Südafrika eskalieren, wenn es zu keiner Einigung kommt. Denn mittlerweile hat sich auch die radikalere Arbeitnehmerorganisation AMCU eingeschaltet, mit der eine Einigung deutlich schwieriger erscheint. Darüber hinaus notiert Platin seit längerem deutlich unter den durchschnittlichen Produktionskosten von 1.800 US-Dollar pro Unze. Dies wird mittelfristig dazu führen, dass die Minenbetreiber das Angebot zurückfahren, da sie nicht mehr profitabel operieren können. Spätestens dann dürfte der Preis wieder anziehen.

3. Die Spannungen im Nahen Osten steigen wieder, sei es jetzt in Ägypten oder auch seit längerer Zeit in Syrien. Ist es da nicht sinnvoller, in Öl zu investieren? Oder wird das Defizit durch Ölschiefer-Vorkommen und neue Frackingmethoden in den USA mehr als ausgeglichen?

Die Spannungen im Nahen Osten wirken sich in erster Linie auf den europäischen Ölmarkt mit der Nordseesorte Brent als Benchmark aus. Insbesondere die Entwicklungen in Ägypten könnten die reibungslose Durchfahrt der Öltanker durch den Suez-Kanal – einer der wichtigsten Transportwege – gefährden. Daher sollten Investoren, die längerfristige Unruhen im Nahen Osten erwarten, in ETPs auf Brent-Öl investieren. Die Fracking-Technologie wird derzeit vor allem in den USA genutzt. Daher wirkt sich der Einsatz von Fracking-Methoden vor allem auf den Preis der US-Rohölsorte WTI aus. Einerseits erhöht sich zwar durch die Erschließung von Schieferöl das gesamte Ölangebot; andererseits ist die Förderung von Schieferöl teurer als bei konventionellem Öl und benötigt für eine profitable Produktion einen höheren Preis. Zuletzt sind die Ölbestände in den USA zurückgegangen. Dies gab auch dem Preis für WTI-Öl Auftrieb.

4. Auch ETPs auf Zink sind beliebt. Was macht diese Industriemetall aus ETF Securities-Sicht interessant?

Zink ist ein stark zyklisches Industriemetall. Es zeigt immer dann eine starke Wertentwicklung, wenn die Konjunktur anzieht. Daher hat Zink, ähnlich wie Kupfer und Palladium, insbesondere zu Beginn dieses Jahres von der aufblühenden Wirtschaft in den USA und China profitiert. Ein weiterer Trend, den wir in letzter Zeit beobachten, dürfte für Anleger interessant sein: Zink ist das einzige Industriemetall, das in den vergangenen Monaten kontinuierlich sinkende Lagerbestände aufzuweisen hatte. Dies verrät ein Blick auf den Rohstoff-Monitor von ETF Securities. Ein Grund dafür ist, dass aktuell mehr Zinkminen schließen als neue Vorkommen erschlossen werden. Auch für die kommenden Monate sind Schließungen angekündigt. Dies könnte das Angebot weiter verknappen. Wir bieten weltweit den einzigen physisch hinterlegten ETC auf Zink an. Investoren können aber ebenso auf Futures-Basis – auch gehebelt und währungsbesichert – investieren. Der ETFS Physical Zinc hat nach dem entsprechenden Kupfer-Produkt das zweitgrößte verwaltete Vermögen aller unserer physisch hinterlegten ETCs auf Industriemetalle.

TEILEN
Vorheriger ArtikelETF-Sparplantest 2013
Nächster ArtikelScope: ETFs schlagen aktive Fonds
Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.