Start Interview Wir prüfen derzeit den Einsatz weiterer Replikationsmethoden

Wir prüfen derzeit den Einsatz weiterer Replikationsmethoden

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Auch die UBS kann mit ihren transparenten Indexfonds punkten. Mit aktuell 3,8 Mrd. Euro zählen die Schweizer zu den Top-10-ETF-Anbietern in Europa. EXtra im Gespräch mit Dr. Christian Gast.

Herr Dr. Gast, wie wir hören, läuft das Geschäft derzeit bei Ihnen sehr gut. Woran liegt das?

Unser ETF-Sortiment wurde in den letzten zwölf Monaten grundlegend überprüft und ausgebaut: Zu den Neulancierungen zählen unter anderem weitere MSCI-Indizes wie ein MSCI Canada-ETF oder Pacific ex Japan, der erste Schweizer Immobilienfonds-ETF, ein physischer Gold-ETF und ein ETF auf den SMIM-Index. Mit den neuen Produkten wurde vor allem die Abdeckung über verschiedene Asset-Klassen hinweg weiter vervollständigt. Damit bieten wir unseren Anlegern erweiterte Investitionsmöglichkeiten unter verschiedenen Marktbedingungen. Diese Diversifikation ist eine der tragenden Säulen für unser erfolgreiches Geschäft: In den ersten 4 Monaten 2010 haben wir mehr als 1 Mrd. Euro Neugeld angezogen.

Haben Sie weitere neue Produkte in Planung?

Unser Angebot wird ständig überprüft. Mit unserer heutigen Produktpalette werden noch nicht alle wesentlichen Asset- Klassen hinreichend abgedeckt. Nach unserer Einschätzung gibt es insbesondere noch Potenzial in den Bereichen Anleihen und Rohstoffe. Um in allen Asset-Klassen konkurrenzfähige ETFs anbieten zu können, wird momentan der Einsatz weiterer Replikationsmethoden überprüft.

Durch ETCs oder ETNs sehen Kritiker die Qualität der ETFs gefährdet. Was sagen Sie dazu?

ETFs sind regulierte Anlagefonds, die mit ihrem Sondervermögen einen effizienten Schutz gegen Emittentenausfälle gewährleisten. ETCs wie auch ETNs sind von ihrer Natur her in der Regel Schuldverschreibungen, die – je nachdem, ob besichert oder nicht – das volle Emittentenrisiko aufweisen, andererseits aber oft günstiger sind. Investoren treffen Anlageentscheidungen nach Rendite- und Risikoaspekten. Zu Letzteren zählt auch das Emittentenrisiko. Risikoaverse Investoren werden sich eher für ETFs mit ihrem umfassenden Anlegerschutz entscheiden. Hingegen sind Anleger, die die größere Flexibilität von ETCs/ETNs in Bezug auf das zu replizierende Underlying schätzen und das entsprechende Ausfallrisiko sowie eine geringere Transparenz zu akzeptieren bereit sind, mit dieser Struktur gut beraten. ETCs/ETNs und ETFs sind somit komplementäre Produkte. Die Gefahr besteht hauptsächlich darin, dass die Produkte aufgrund ihrer ähnlichen Bezeichnung von unerfahrenen Investoren verwechselt werden.

Einige Ihrer ETFs gibt es als institutionelle Tranche billiger. Warum bieten Sie nicht allen Anlegern die gleichen Konditionen?

Für den Großteil unserer ETFs ist neben der Anteilsklasse A eine zusätzliche „I-Klasse“ erhältlich, die sich an den Bedürfnissen institutioneller und vermögender Privatkunden ausrichtet. Im Kern zeichnet sich eine solche Aktienklasse durch eine äußerst attraktive Management-Fee aus. Gleichzeitig erfordert das Investment in einen ETF-Anteil eine vergleichsweise hohe Anlage. Diese Unterscheidung lässt sich aus unserer Perspektive aufgrund der unterschiedlichen Kundenstruktur rechtfertigen: Institutionelle und sehr vermögende Privatinvestoren entscheiden im ETF-Markt weitgehend autonom über ihre Anlagen und nehmen vergleichsweise wenig Beratungsdienstleistungen in Anspruch. Im Vordergrund stehen primär Kostenaspekte, d. h. im ETF-Bereich das Bedürfnis nach einer Anlage, die mit hocheffizienten Instrumenten wie Futures hinsichtlich der Kosten konkurrieren kann. Demgegenüber steht im Privatkundenbereich die Beratungsqualität des Kundenberaters im Vordergrund, wofür eine Vertriebsentschädigung eine angemessene Kompensation darstellt.

Thema Strategie-ETFs: Was halten Sie von Leveraged- oder Short-ETFs?

Die Beliebtheit von ETFs lässt sich auf die typischen Produktmerkmale Einfachheit, Transparenz, Liquidität und Anlegerschutz zurückführen. Im Speziellen sind die Eigenschaften „Einfachheit“ und „Transparenz“ bei Leveraged und Short-ETFs weniger ausgeprägt. Daher sind wir verhalten, wenn es um diese Art von ETFs geht.

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Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.
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