David Abner, neuer Europachef von WisdomTree

WisdomTree knackte vor einigen Wochen in Europa die AUM-Grenze von 1 Mrd. USD – fast zeitgleich zum 10-jährigen Jubiläum als ETF-Anbieter. Das EXtra-Magazin sprach mit David Abner, dem neuen Europachef von WisdomTree.

Vor rund zehn Jahren legte WisdomTree eine ganze Produktpalette von 20 Smart-Beta-ETFs an der New York Stock Exchange auf. Wie sieht ihre Bilanz 10 Jahre danach aus?

Am 16. Juni haben wir den 10. Jahrestag dieser Erstauflage gefeiert. Investments in passiv gemanagte Produkte haben sich für Anleger in den letzten 30 Jahren ausgezahlt – zumal etliche Studien belegt haben, dass die große Mehrheit der aktiv gemanagten Fonds es nicht geschafft hat, eine Outperformance gegenüber Indizes zu erzielen, deren Gewichtung sich an der Marktkapitalisierung orientiert. Die Real-Time Track Records unserer Indizes untermauern, dass es reichlich Raum für Verbesserungen gibt, was eine höhere risikoadjustierte Rendite angeht.

Die 1-Milliarden-Grenze hinsichtlich der investierten Fondsvolumen wurde in Europa vor kurzer Zeit geknackt. Wie zufrieden sind Sie mit dem Einstieg in den europäischen Markt?

Natürlich freut es uns sehr, dass unsere Produkte in einem so kurzen Zeitraum eine derartige Akzeptanz erfahren. Unsere Kunden sind mit unserem Investmentansatz vertraut geworden. Dementsprechend empfänglich sind sie für die Strategien und die Renditechancen, die sich damit bieten.

Was sind die nächsten Ziele für den deutschen und europäischen Markt?

Unsere Fonds werden zunehmend interessant für Kunden, die auf Rendite in einem negativen Zinsumfeld aus sind. Deshalb wollen wir allgemein die Assets under Management (AuM) vergrößern und neue Produkte auf den Markt bringen, die den unterschiedlichen Kundenbedürfnissen in Europa entsprechen. In Deutschland wollen wir unsere Kundenbeziehungen und die unsere Marktabdeckung ausbauen.

Sie gelten als Pioniere der Smart-Beta-ETFs. Werden Sie sich weiterhin vor allem auf Smart-Beta-Produkte spezialisieren und wie schätzen das Potenzial solcher Strategieprodukte ein?

Wir denken, Smart Beta ist eines der größten Produktfelder im ETF-Bereich. Der Erfolg hat das gezeigt und die Kunden verstehen den Mehrwert für ihr Portfolio. Indem wir selbst uns von reinen Beta-Anbietern unterscheiden, können wir die entsprechenden innovativen Produkte anbieten. Aus regulatorischen und wettbewerbsbedingten Gründen können wir Ihnen an dieser Stelle aber nicht unsere künftigen Pläne für die Produktentwicklung erläutern.

Bei welchen Produkten sehen Sie derzeit die größte Nachfrage und was macht diese Produkte in der aktuellen Marktlage so interessant?

Das makroökonomische Umfeld mit seinen beispiellos niedrigen Zinssätzen und negativen Anleiherenditen treibt die Nachfrage für differenzierte Investmentstrategien. Insbesondere sehen wir, dass Kunden nach Lösungen Ausschau halten, die als Alternativen zu risikobehafteten Hochzinsanleihen Rendite abwerfen. Darüber hinaus haben wir Strategien zu Exporten mit einem hohen Exposure zu Unternehmen, die einen hohen Auslandsanteil bei ihren Umsätzen mitbringen. Was umgekehrt bedeutet, dass wir bei Banken untergewichtet sind.

Welche Marktnischen sehen Sie derzeit für WisdomTree darüber hinaus?

Ein gutes Beispiel für Assetklassen, für die wir innovative Lösungen anbieten, ist unser gerade platziertes Fondsprodukt für Rohstoffe, das auf der Basis einer verbesserten rollierenden Methode (WCOA) in seiner Zusammensetzung breit diversifiziert ist. Wir haben hier ein Produkt geschaffen, das beständig höhere Erträge generiert als reine Rohstoff-Benchmark Indizes – und das Ganze mit einer niedrigeren Volatilität.

Die Boost-Übernahme hat WisdomTree nun durch den Kauf des Minderheitsanteils an seiner europäischen Einheit beschleunigt. Weshalb die Beschleunigung und wie geht es weiter mit der Marke Boost, verschwindet diese bald vom Markt?

WisdomTree hat im April 2014 durch die Akquisition von Boost ETP sein ETP-Geschäft in Europa etabliert. Diese Übernahme machten wir über die Mehrheitsbeteiligung in Boost mit der Verpflichtung, die restlichen 25% Anteile innerhalb von vier Jahren zu übernehmen. Zu dieser Zeit begannen wir, UCITS ETFs von Wisdom Tree und vollständig besicherte Notierungen unter der Marke Boost unter der Produktplattform von WisdomTree zu platzieren. Diese Plattform ist erfreulicherweise von einer Basis von 50 Millionen zu aktuell 940 Millionen USD an AuM angewachsen mit ETFs von WisdomTree und ETPs von Boost, die in Großbritannien, Deutschland, Irland, Italien und der Schweiz gelistet sind. Im Mai haben wir jetzt den beschleunigten Buyout angekündigt. Zugleich wurde ich, David Abner, mit der Leitung des Europageschäfts betraut.

Boost hat sich vor allem auf gehebelte ETNs und ETCs spezialisiert. Wie werden diese Produkte angenommen und was ist dabei aktuell besonders gefragt?

Im aktuellen Marktumfeld kommen diese Produkte besonders gut an, weil die höhere Schwankungsbreite zu einem signifikanten Renditesprung führt. Während unser monatlicher Umsatz im ersten Quartal 2016 bei etwa 1,4 Milliarden USD lag, sprang dieser Wert im Juni um 41% auf 2 Milliarden USD. Eines der dominanten Felder war Öl. Dort stiegen die Handelsvolumina um 40% auf über eine Milliarde USD. Zugleich legte der Handel mit anderen Rohstoffen um 43% zu. Aktien wiederum stiegen im Juni einen Anstieg um 36% gegenüber dem Durchschnitt im ersten Quartal. Dabei scheinen die Investoren im Mai ihre Positionierung im Sinne von Risikomanagement begonnen zu haben.

Was können Anleger künftig von den Boost-Produkten erwarten? Wie wollen Sie die Marke und den Bekanntheitsgrad unter deutschen Anlegern vergrößern?

Im aktuellen Marktumfeld, das von großen Unsicherheiten geprägt ist, werden Kunden diese Produkte weiter verwenden, um ihre Portfolios abzusichern. Wir erwarten sogar, dass sich dieser Trend weiter verstärkt. Um Handel und Zugang dafür zu erleichtern, haben wir weiter neue Produkte auf Xetra gelistet. Darüber hinaus wollen wir eng mit Market Makers und Brokern zusammenarbeiten, um enge Spreads wie auch Liquidität zu sichern und zugleich den Fokus auf Information und das Verständnis der Produkte zu legen.

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.