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Jetzt Gold kaufen?

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Wochenkommentar Dr. Huefner

Der Goldpreis hat sich in den letzten Tagen etwas er­mäßigt. Er ist wieder unter USD 1.200 je Feinunze ge­fallen. Es gibt viele Gründe, weshalb der Goldpreis weiter steigen kann. Inflationsängste sind nur einer. In der Nachkriegszeit war Gold nur in zwei Dekaden ein gutes Investment. Schauen Sie sich auch die Zeiten an, in de­nen der Goldpreis gefallen ist. Kommt jetzt der Zeitpunkt, in Gold zu investieren?

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die Antwort Nein. Der Goldpreis ist immer noch hoch. Eine grundsätzliche Ent­scheidung für eine Anlageklasse sollte man nicht von kurzfristigen Marktstimmungen abhängig machen. Der zuletzt sinkende Goldpreis hängt damit zusammen, dass in den USA und in China Ängste vor einer erneuten kon­junkturellen Abschwächung aufgekommen sind. Zudem haben die Spannungen bei europäischen Staatsanleihen etwas nachgelassen. Vielleicht haben auch Zentralban­ken Gold verkauft. Das sind aber Bewegungen, die nur Trader wirklich nutzen können. Wer längerfristig in Gold investiert, sollte dies aus grundsätzlicheren Erwägungen tun.

Grundsätzliche Überlegungen für ein Gold-Investment

Bei Goldkäufen muss man zwischen zwei unterschied­lichen Überlegungen unterscheiden. Die eine ist das Angst- oder Vorsichtsmotiv. Wer eine stärkere Inflation befürchtet oder gar eine Währungsreform aufgrund der so stark gestiegenen Staatsschulden, sollte Gold kau­fen, um auf der sicheren Seite zu sein. Vielleicht gibt es ja wieder eine Zeit, in der man für Geld nichts mehr kau­fen kann, in der aber Gold akzeptiert wird. Gold also, da­mit man nachts ruhig schlafen kann. In diesem Fall sollte man das Metall unabhängig vom aktuellen Preis kaufen. Man sollte physisches Gold nehmen, möglichst kleinge­stückelt, aber keine Goldminenaktien oder Zertifikate. Man sollte auch nicht sein ganzes Portfolio verwenden (maximal 5 – 10 %), denn Gold bringt keine Zinsen. Das ist der Regenschirm für den Fall, dass es regnet. Aber Vorsicht: Nach dem zweiten Weltkrieg konnte man für amerikanische Zigaretten mehr und leichter Lebens­mittel kaufen als für Gold.

Goldkauf aus Spekulationsgründen

Ganz anders bei der zweiten Überlegung, also beim Kauf von Gold aus Spekulationsgründen. Hier kommt es auf den Preis an. Gold war in den letzten 60 Jahren eine gute Geldanlage. Sein Preis ist von USD 34 je Unze auf USD 1.200 gestiegen, also um das 34fache. Freilich ist hier etwas Wasser in den Wein zu gießen. Zum einen gab es für Gold keine Zinsen. Die Preissteigerung war also der einzige Ertrag. Zum anderen hat sich der Dollar abge­wertet.

Wer 1950 für DM 100 Gold kaufte, hat heute einen Ge­genwert von EUR 685. Das ist kein exzeptioneller Zu­wachs (3,3 % p. a.). Mit Aktien oder Festverzinslichen konnte man in der Zeit mehr verdienen. Richtig gut wa­ren für Goldinvestoren nur die 70er Jahre, als das „Bret­ton-Woods-System“ zusammenbrach und der Goldpreis freigegeben wurde. Ordentlich war auch die erste De­kade dieses Jahrzehnts, als der Preis von USD 284 je Feinunze auf USD 1.200 hochschnellte. In allen anderen Dekaden haben Anleger in Gold per Saldo Geld ver­loren.

Was spricht für steigende Goldpreise?

Das Standard-Ar­gument ist, dass mit steigendem Wohlstand in der Welt, vor allem in den Schwellenländern Asiens, die Schmuck­nachfrage zunimmt. Sie wuchs nach Schätzung des World Gold Council im ersten Quartal 2010 um 43 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Länder mit dem größten Beitrag zu diesem Wachstum waren China und Indien. Das beeinflusst die Preise erheblich, denn die Schmuck­nachfrage macht etwa die Hälfte der gesamten Gold­nachfrage aus.

Ein zweiter Grund: Die Zentralbanken der Schwellen­länder haben erhebliche Währungsreserven (China EUR 2.500 Mrd.). Sie besitzen aber anders als die USA oder Europa nur wenig Gold. Wenn China nach dem Vorbild des Wes­tens nur 5 % seiner Währungsreserven in Gold um­schichten würde, wäre das ein Betrag von über USD 100 Mrd. Das ent­spricht der gesamten Goldnachfrage im Jahr 2009.

Ein drittes Argument: Wenn die Anleger weltweit aus Vorsichtsgründen nur 1 % ihrer Portefeuilles in Gold um­schichten würden, gäbe das dem Markt einen ungeheu­ren Auftrieb. Die Marktkapitalisierung von Aktien und Renten beträgt weltweit USD 130.000 Mrd. Ein Prozent davon sind USD 1.300 Mrd.

Viertes Argument: Wenn die Inflation wiederkommt, dann steigen auch die Rohstoffpreise. Dann geht auch der Goldpreis nach oben. Gold ist ein Schutz gegen Geldentwertung.

Gute Gründe für eine Gold-Investment

Es gibt also gute Gründe für einen Anstieg des Gold­preises über USD 1.200 hinaus. Freilich muss man auch die andere Seite bedenken. Goldpreise können, was in der Euphorie oft übersehen wird, auch fallen. Bei dem letzten Hoch 1980 verringerten sie sich binnen 1,5 Jah­ren auf die Hälfte. Auch dafür gibt es mehrere Gründe.

Einer sind steigende Zinsen. Das war zum Beispiel 1980 in den USA der Fall. Die Folge war, dass sich die Oppor­tunitätskosten der Goldhaltung erhöhten. Auch jetzt wer­den sich die Zinsen wieder erhöhen. Ein anderer Grund könnte sein, dass sich die Weltkonjunktur abschwächt. Dann sinkt vor allem die Schmucknachfrage. In der Rezession 2008/2009 ist der Goldpreis in wenigen Monaten um über 20 % gefallen. Ganz generell ist Gold kein Schutz gegen Deflation. Wenn die Preise sinken, dann sollte man kein Gold kaufen, sondern Anleihen (auch wenn sie niedrig verzinslich sind) oder auch Bar­geld halten.

Ein Argument, das ich früher schon erwähnt hatte: Wenn es eine Wiederauferstehung der Goldwährung gäbe, dann würde der Staat aller Voraussicht nach den Gold­preis fixieren. Es ist sehr unsicher, ob das beim jetzigen Niveau oder darüber geschähe. Wahrscheinlich wäre es darunter. Regierungen haben keine große Neigung, Spekulanten etwas Gutes zu tun.

Für den Anleger

Goldeuphorie liegt angesichts des rasanten Preisan­stiegs des gelben Metalls und angesichts der allgemei­nen Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Fi­nanzsystems nahe. Gold hat immer einen besonderen Appeal. Als Investor, der sein Geld gut und sicher anle­gen will, sollte man aber bedenken, dass es auch gute Gründe für fallende Preise gibt. Aus meiner Sicht ist die Chance nachhaltig steigender Goldpreise nur im Fall einer anhaltenden und sich verschärfenden Krise höher als das Risiko sinkender Notierungen. Wer in dieser Situation Gold kauft, muss sich schon gut auskennen.

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Dr. Hüfner ist Chefvolkwirt von Assenagon Asset Management.

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