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Altersvorsorge statt Porsche

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Hallo Leute! In den Hitlisten der Sprüche des verstorbenen Helmut Schmidt könnt Ihr folgendes Bonmot finden: „Ich teile die Menschheit in drei Kategorien ein: Wir normalen Menschen, die irgendwann in ihrer Jugend Äpfel geklaut haben; die zweite hat eine kleine kriminelle Ader, und die dritte besteht aus Investmentbankern.“ Auch ohne den Zusammenhang zu kennen – die dritte Kategorie hat in den zurückliegenden Jahren wirklich alle Sympathien verspielt (auch im engsten Sinn des Worts). Und die Senioren unter uns bedauern ganz besonders den Unterschied zwischen (Privat-)Bankiers der alten Schule und modernen Bankern von heute. Hohe, sehr hohe Einkommen, vor allem aber die zum Teil irren Bonusregelungen für heiße Broker und Händler wurden bis in die Anfangsjahre der Finanzkrisen-Kette gezahlt. Diese Exzesse, speziell in London und New York, gehören allmählich der Vergangenheit an. Inzwischen wird von den Geldhäusern gespart, gekürzt, gedeckelt – und rausgeschmissen.

Die aktuelle Befragung einer britischen Fachzeitschrift hat mich gereizt, nochmals zurückzublättern. Denn es ist ja erst ein paar Jahre her, als Londoner Jung-Händler im Erfolgsfall weitaus mehr Kohle scheffeln konnten als ihre Vorstände. Bonus kannte man nur im Plural und groß geschrieben. Ich weiß noch von Wettbewerben in der City, bei denen es nicht nur um Kurzstrecken-Rennen im Dunkeln mit den frisch angeschafften Edel-Sport-Karossen aus Italien oder Deutschland ging, sondern auch auch um Inhouse-Wettbewerbe wie „Wer hat den schönsten Porsche?“ Die Orgien mit allerfeinster Brause waren legendär, Edel-Juweliere kamen mit dem Geldzählen kaum nach. Dekadenz, ein Niedergang im Hochgefühl.

Aber! Was jetzt aus der Befragung von 300 Londoner Investmentbankern herausgekommen ist, lässt aufhorchen. Finanz-Fuzzies, die jahrelang den Rachen nicht voll genug kriegen konnten, wieder als Vorbilder für Otto Normalverbraucher – kann das sein? Es kann. Und das hängt auch damit zusammen, dass die Jungs ja nicht blöd sind. Die wissen ganz genau, wie man sinnvoll mit Gehalt und Bonus umgehen sollte, wenn man mit (viel) weniger als vorher auskommen muss. Also nix mehr mit neuem Sportwagen alle sechs Monate. Auch die Segelyachten werden kleiner. Und es muss nicht jeden Tag der teuerste Schampus sein.

Nein, die Investmentbanker setzen jetzt „Sparen für die Altersvorsorge“ ganz oben an die Spitze ihres Geldausgebens (52 Prozent). Auf den Plätzen folgen mit einigem Abstand Immobilien, Urlaub, Schulden tilgen und Schul-/Studiengebühren für die Kinder. Hey, eine solche Prioritätenliste macht doch Sinn, oder? Ich denke da automatisch an die aktuellen Veröffentlichungen zur dramatisch wachsenden Altersarmut bei uns, habe die teils akademisch gebildeten Plastikflaschensammler auf unseren Bahnsteigen vor Augen, wenn sie die Abfallbehälter durchstöbern. Deshalb: Erst den Lebensstandard im Alter sichern, bevor der nächste Porsche bestellt wird – am besten durch einen langfristigen Aktien- oder Aktienfonds-Sparplan!

Post an den Börsenfuchs: boersenfuchs@onvista.de

Quelle: http://www.onvista.de/news/altersvorsorge-statt-porsche-17926067

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