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Börse 4.0

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Digitalisierung an der Börse
In Anlehnung an modische Schlagworte wie Industrie 4.0 und Wirtschaft 4.0 kann man auch von „Börse 4.0“ sprechen, wenn es um die totale Digitalisierung und Vernetzung geht

Hallo Leute! Am liebsten würde ich meine alten Kommentare rausholen und nochmal bringen, in denen ich die „bekloppten Börsen“ im Zeitalter von Algorithmen und Hochfrequenzhandel beschrieben hatte. Allein der Kursverlauf unseres Dax seit dem vorbörslichen Handel von gestern (Fortsetzung heute) ist so etwas wie eine kranke Fieberkurve – von Unterkühlung bis Überhitzung. Diese unberechenbaren Ausschläge nach beiden Seiten in kürzester Zeit sind einfach verrückt. Da sorgen Software-Signale für internationalen Herdentrieb der Großanleger, und obwohl Experten und „Experten“ wie eh und je einfache Begründungen liefern (mal China, mal Rohöl, mal Konjunkturdaten usw.), blickt keiner wirklich durch – behaupte ich jedenfalls. In Anlehnung an modische Schlagworte wie Industrie 4.0 und Wirtschaft 4.0 kann man auch von „Börse 4.0“ sprechen, wenn es um die totale Digitalisierung und Vernetzung geht.

Nur: Was sagst Du als Fuchs dann einem verstörten Anrufer, der zugibt, die Börsenwelt nicht mehr zu verstehen? Spontan kann ich dem erst mal nur zustimmen, meine Freunde. Aber davon kann er sich auch nix kaufen. Soll er jetzt kaufen? Schon jetzt wird doch klar, was ich ebenfalls immer wieder betone: Wenn man die Ausgangslage des Anlegers nicht kennt, kann man schon mal gar nicht eine sinnvolle Empfehlung aussprechen – vielleicht wenigstens den Trost, dass die Kurse nicht ins Bodenlose fallen und Aktien langfristig (langfristig!) das beste Investment bleiben.

Keine Ahnung, ob jetzt tatsächlich schon neuer Aufwärtstrend gestartet worden ist. Händler berufen sich auf alles Mögliche und die gerne zitierten „Vorgaben“ aus Ami-Land und Asien. Vorbörslich frohlockten heute die Agenturen, dass der Dax auf 10.000 Punkte zumarschiere. Kann sein. Aber die Umsätze sind zunächst noch unbefriedigend geblieben. Da heben Skeptiker den warnenden Zeigefinger.

Angeheizt wird die Stimmung inzwischen von der Spekulation über weitere geldpolitische Lockerungen der Europäischen Zentralbank am übernächsten Donnerstag. „Es riecht nach frischem Geld“, berichtete vorhin ein routinierter Börsenbeobachter. Der hat ‘ne gute Nase. Ich weise die aktiv-mutigen Bullen unter Euch schon seit Wochen darauf hin, dass man auf Fed und EZB setzen könnte. Am Dienstagabend wurde ein Brief von Mario Draghi an europäische Abgeordnete bekannt, in dem er auf zusätzliche Risiken verweist und ankündigt, die EZB werde gegebenenfalls mit ihrem Instrumentarium auf deflationäre Gefahren reagieren. Das bedeutet, trotz gegenteiliger Aussagen unserer Banken und Sparkassen wächst die Gefahr von Negativ-Zinsen für die Bundebürger – eine Chance für die Aktienanlage.

Übrigens: Bei japanischen Staatsanleihen ist Minus jetzt die neue Null. Tokio hat zehnjährige Bonds verkauft, die deutlich überzeichnet waren − obwohl sie negativ verzinsen. Selbst Japan-Anleihen mit 40 Jahren Laufzeit bringen weniger als 1 Prozent, die Kurse haben seit Jahresanfang schon um rund 15 Prozent zugelegt. Ein Grund: Viele Versicherer müssen die Papiere erwerben, während die Anleihekäufe der Notenbank die Verfügbarkeit verringern. Bei uns ist die Welt nicht viel anders.

Post an den Börsenfuchs: boersenfuchs@onvista ( Zum Testbericht).de

Quelle: http://www.onvista.de/news/boerse-4-0-26581391

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