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Das China-Syndrom

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Hallo, Leute! Wieder mal zeigt sich an den Börsen, was Globalisierung bedeutet. Da denkst du als Fondsmanager oder Aktienhändler, man könnte das China-Thema erst einmal wieder in die Schublade legen – und Bums reagieren die Staatskapitalisten in Peking nicht nur wie angekündigt, sondern werten – völlig überraschend, aber ganz schön clever! – ihre Währung ab. Sofort gibt’s auf der anderen Seite des Globus Kurs-Turbulenzen. Leidtragende vor allem Aktien und Öl, nicht zuletzt unsere Dax-Werte. Es gibt also doch ein China-Syndrom! So spannend die aktuelle Lage ist, so interessant ist übrigens auch die Herkunft dieses Begriffs.

Das China-Syndrom (Originaltitel „The China Syndrome“) ist nämlich ein Katastrophenfilm der Amis aus dem Jahr 1979 mit Jane Fonda, Jack Lemmon und Michael Douglas. Ein atemberaubender Streifen (mich hat vor allem Jack Lemmon begeistert), der sich kritisch mit der wirtschaftlichen Nutzung der Kernenergie auseinandersetzt. Es geht um einen fiktiven Störfall in einem amerikanischen Kernkraftwerk, der seine Ursache sowohl in technischem als auch in menschlichem Versagen hat. Der Film erreichte in Ami-Land ein erhebliches Medienecho, nicht zuletzt wegen seiner zeitlichen Nähe zum Reaktorunfall im KKW Three Mile Island, den er quasi „vorwegnahm“. Der Begriff China-Syndrom wird in den USA für einen Unfall mit Kernschmelze verwendet. Häufig wird die Herkunft des Begriffes damit erklärt, dass China von Ami-Land aus betrachtet nach populärer Meinung ungefähr auf der entgegengesetzten Seite der Erde liegt (was für ein Blödsinn!). Man meinte, dass sich der geschmolzene Reaktorkern durch den Erdkern fressen und in China wieder rauskommen kann (auch das ist Quatsch!). Aufgrund der Gravitations- und Druckverhältnisse bzw. Lage und Temperatur des Erdkerns ist dies unmöglich. Wer Gelegenheit dazu hat, unbedingt angucken!

China-Syndrom hat aber mittlerweile eine ganz andere Bedeutung gekriegt: Wenn das Reich der Mitte krank wird, gibt es sofort globale Ansteckungsgefahren. Und das ist kein Unsinn mehr. Eilig beginnen Experten bei uns im Westen zu analysieren, ob man den Wirtschaftslenkern in Peking noch vertrauen kann: Haben die noch alles im Griff? Die spontanen Meinungsäußerungen bei uns reichen von „Das riecht nach Verzweiflung“ bis hin zur Ansicht, die Abwertung sei nicht nur als Konjunkturspritze zu interpretieren, sondern als weiteren Schritt des Yuan auf dem Weg zu einer Weltreservewährung. Nach der heutigen zweiten Abwertung gab’s dann auch Beifall vom IWF: Der Internationale Währungsfonds sieht die neue Methode der chinesischen Zentralbank zur Bestimmung des täglichen Yuan-Referenzkurses positiv („Marktkräfte gewinnen Einfluss). Wie auch immer, in China läuft‘s wirtschaftlich nicht rund (zum Beispiel nicht auf dem Automobilsektor). Aber die Machthaber reden nicht nur, sondern machen alles Mögliche, um ihre Wirtschaft auf Kurs zu halten. Ob’s gelingt?

Ich traue den Chinesen nach wie vor mehr zu als viele andere Füchse. Damit will ich Euch, meine Freunde, jetzt nicht massive Käufe chinesischer Aktien in Schanghai oder Hongkong empfehlen. Aber wenn Dax & Co. so heftig reagieren wie gestern und heute Vormittag, weil unsere Industrie ja stark in China engagiert ist, sollte man sich schon mal die Frage stellen, ob das nicht Kaufkurse sind. Also, da kann man seine Warteposition wegen der bevorstehenden Zinswende der Amis schon mal aufgeben. Konkret: Dax-Rückschläge auf nahe 11.000 Punkte sind für den bullischen Fuchs eine echte Verlockung!

boersenfuchs@onvista.de

Quelle: http://www.onvista.de/news/das-china-syndrom-10780481

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