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Das nächste Kapitel der Draghi-Komödie

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Hallo Leute! Unser Super-Mario muss bullisch sein. Ich bin sicher, dass er ziemlich genau wusste, was er mit seinen Worten „anrichten“ würde – der Dax springt wie von Sinnen erst um 2,5 Prozent, nachbörslich dann sogar um mehr als 3 Prozent auf über 10.500 Punkte. Und der Euro verliert gegenüber dem Dollar satte 2 Prozent. Heute nimmt der Dax schon vorbörslich die Marke von 10.600. Sorry, das geht mir zu schnell. Finanzjournalisten begleiten den Akt mit Formulierungen wie „schiere Erleichterung“ und „wie befreit“. Ich glaub, ich spinne. Wüsste man es nicht besser, man könnte meinen, die EZB hätte einen Kurswechsel angekündigt. Und den auch noch voll überraschend für die Finanzmärkte. Nee, nix ist passiert, außer einer Forsetzungsgeschichte. Draghi hat nur die Hoffnung vieler Börsianer bestätigt, dass er weiter zu allen Schandtaten bereit sei, wenn seine Geldpolitik nicht wirkt. Es ist ja auch zum Verzweifeln, dass sich die Inflation nicht hochpumpen lässt, sondern sich hinter den Ölpreisen versteckt.

Zugegeben, das Wortspiel mit Draghi-Komödie trifft es nicht genau. Aber: Als tragikomisch bezeichnet heute im gängigen Sprachgebrauch ein Geschehen (hier: Notenbankpolitik), das in seiner ganzen Entwicklung einen tragischen, d. h. unglücklichen Ausgang erwarten ließ (Dauer-Null-Zinsen, Finanzrepression), aber überraschend ein gutes, d. h. glückliches Ende nimmt (für Aktienanleger), das zugleich in seiner Art und Weise komisch wirkt. Auf mich wirkt das komisch.

Die in der Fachwelt höchst umstrittene Liquiditätspolitik unserer Währungshüter wird zum Flop, jedenfalls beinahe. Wir wollen wieder mehr Wirtschaftswachstum und unsere gute, alte Inflation zurückhaben (damit’s mit dem staatlichen Schuldenabbau klappt). Wenn dann der große Zampano verkündet, gegebenenfalls die Geldschleusen noch weiter zu öffnen, wie kann es derartigen Jubel auslösen? Ja, ja, Liquidität war in den letzten Jahren die Hauptantriebskraft der Börsen. Aber sie allein kann es doch nicht dauerhaft sein. Sie muss auf die reale Wirtschaft durchschlagen und nicht nur die Banken retten. Pessimisten werden behaupten, unsere westlichen Wirtschaften sind ganz schön aus dem Leim, nix ist mehr normal. Es ist gar nicht so leicht, dies abzustreiten. Ich befürchte, wir sind von der Rückkehr zur Normalität voll weit entfernt. Aber vielleicht kommt alles mit Verspätung auf die Reihe, wenn die Ölpreise in den nächsten Wochen drastisch steigen sollten – und mit ihnen die Inflation. Manche Vordenker denken das. Und die Börsen? Die brauchen immer öfter immer bessere Nachrichten. Aus Ami-Land (Berichtssaison) und von unseren produzierenden Unternehmen. Volkswagen war ein Negativ-Beispiel, Daimler dagegen vorbildlich.

Was momentan passiert, ist Herdentrieb – die mächtigen Großanleger kommen mit älteren Aktienbeständen wieder in die Gewinnzone und wollen ja nicht die Jahresendrally verpassen. Der Aktienmarkt entwickelt dadurch wieder mal starke Eigendynamik. Probleme in China und den Schwellenländern? US-Konjunktur könnte bald lahmen? Steigt bei uns die Deflationsgefahr? Ach, was kümmert die Börsianer ihr Geschwätz von gestern. Übrigens: Gerade haben die Wetter-Fuzzies bestätigt, dass jetzt ein Hochdruckgebiet über Deutschland die Tage der herbstlichen Tristesse ablöst – eine goldene Oktoberwoche steht bevor.

Post an den Börsenfuchs: boersenfuchs@onvista ( Zum Testbericht).de

Quelle: http://www.onvista.de/news/das-naechste-kapitel-der-draghi-komoedie-16407415

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