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Der Crash als Irrtum

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Hallo, Leute! Es gibt nix Neues. Oder doch? Aktien, Euro, Rohöl – man versucht sich einzupendeln. Und die Analysten klopfen sich auf die Schultern: „Hohe Volatilität der Kurse – das haben wir schon vor Monaten angekündigt.“ Stimmt. Und was kann man damit anfangen? Die Profis erklären in solchen Phasen den Privaten, dass gerade jetzt ein „aktives Portfoliomanagement“ unbedingt erforderlich sei, um mit den Schwankungen fertig zu werden und Wertsteigerungen zu erzielen. Ich bin schon gespannt auf die Jahresergebnisse 2015 der Investmentfonds – wer wird besser abschließen als der Markt (und damit besser als passive ETFs)?

Wir gewöhnen uns ja rasch selbst ans Ungewöhnliche. Die Aktienkurse schwanken nach wie vor wie besoffen – nur inzwischen auf einem gut erholten Niveau. Und neue Konjunkturindikatoren, denen die Strategen schon vergangene Woche mit einiger Zuversicht entgegengesehen hatten, sind eher noch besser ausgefallen. Vor allem die aus Ami-Land: So feiert die US-Wirtschaft ein glänzendes Comeback nach dem Wintertief. Und wieder einmal zeigt sich, dass die vorläufigen Statistiken oft nix taugen. Denn nach neuen Zahlen ist das BIP im zweiten Quartal nicht um 2,3, sondern um satte 3,7 Prozent gewachsen! Danach sprießen noch mehr gelassene bis zuversichtliche Prognosen für die globale Ökonomie wie Pilze aus dem Boden. Gleichzeitig halten die chinesischen Staatskapitalisten Wort und unternehmen alles Mögliche, um einen wirtschaftlichen Absturz zu verhindern.

War der Börsen-Crash also ein Irrtum? Wer waren eigentlich die Verkäufer? Ich habe keine getroffen. Im Gegenteil, Ihr meine Freunde, seid ja eher bullisch geblieben. Den wöchentlichen Sentiment-Report, der jeden Mittwochnachmittag von der Frankfurter Börse veröffentlicht wird, habe ich jedenfalls mit einem ungläubigen „Häh?“ gelesen. Kurze Erklärung vorab: Es wird ein „Börse Frankfurt Sentiment-Index“ ermittelt, der sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus) bewegt, der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Basis der Sentiment-Indikatoren sind die Einschätzungen von institutionellen und aktiven privaten Investoren. Diese werden einmal wöchentlich von der Börse Frankfurt gefragt, ob der Dax in den folgenden vier Wochen steigt, fällt oder sich seitwärts bewegen wird.

Zuletzt kam heraus, „dass es den mittelfristig orientierten institutionellen Anlegern in einem teils engen Markt und trotz wahrscheinlicher Abgaben aus dem Ausland nicht an Kaufbereitschaft gefehlt hat“. Denn der Sentiment-Index hat sich deutlich befestigt und ist auf einen optimistischen Wert von +16 (Vorwoche -6) gestiegen. Dabei sind nicht nur vormals bärische Engagements teilweise mit ordentlichen Gewinnen glattgestellt worden. Vielmehr haben diese Akteure während der vergangenen Tage die Nerven behalten und beherzt zugegriffen – ins fallende Messer, wie man so schön zu sagen pflegt. Noch deutlicher fällt das Stimmungsergebnis bei den Privatanlegern aus, bei denen sich ein Optimismus breitgemacht hat, wie er seit Ende 2014 nicht mehr zu beobachten war. Die mit der wöchentlichen Erhebung beauftragten Stimmungsanalysten folgern daraus, dass sich viele Anleger schon vor zwei Wochen auf schlimmes Ungemach an den Aktienmärkten rechtzeitig eingestellt haben. Zumindest dürften sie in deutschen Aktien untergewichtet gewesen sein und haben diese Untergewichtung nicht nur relativ profitabel abgebaut, sondern die Schwäche des Aktienmarktes zum Aufbau bullischer Positionen genutzt, irgendwo zwischen 10.800 und 9.400 Zählern.

Freitag, 10:48 Uhr (Angaben mit Uhrzeit wegen der Volatilität): Dax bei 10.228 (war vorbörslich schon über 10.500) Punkten, Rohöl erholt auf 42 (zweitweise über 43) Dollar. Es sind halt bekloppte Märkte.

Quelle: http://www.onvista.de/news/der-crash-als-irrtum-12011689

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