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Der ziemlich unterschiedliche Anleger

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Hallo, Leute! Börsentag in Frankfurt am Main. Man muss nicht Aussteller oder Referent sein, um auf derartigen Anlegerveranstaltungen ins Gespräch zu kommen – da sind alle, auch die Besucher, ziemlich kommunikativ. Am vergangenen Samstag wollte ich mal herausfinden, ob die Privatanleger tatsächlich so unterschiedlich ticken, wie ich immer behaupte. Denn dann macht eine simple Empfehlung wie „XY-Aktie jetzt kaufen!“ wenig Sinn. Also quatsche ich Hinz und Kunz an, am Catering-Tresen, vor den Ständen der Aussteller oder nach den Vorträgen. Ergebnis: Obwohl praktisch alle Börsentagbesucher Aktien bevorzugen und schon einiges erlebt haben (mit der T-Aktie, dem Neuen Markt usw.) – ihr Know-how, ihre Ausgangslage und Zielsetzung sind wirklich total verschieden. Deshalb sollten sich möglichst viele Anbieter an einem solchen Tag präsentieren, damit wirklich für jeden was dabei ist. Der Börsentag in Frankfurt war ok, aber es hat doch viel gefehlt. Nicht nur der alte Fuchs hat bei seiner Pirsch einiges vermisst.

Was mich am meisten überrascht hat: Wo immer – mehr oder weniger besorgt – das Thema Crash-Gefahren diskutiert wurde, gaben einige Aktien-Fans zu, dass sie sich bisher nur oberflächlich (wenn überhaupt) mit Verlustbegrenzung und Stop-Loss-Orders befasst haben. Fragte eine Frau: „Wo kann ich mich denn da informieren?“ Antwort: „Na, im Internet, zum Beispiel bei der Stuttgarter Börse!“ „Ach so, danke!“ Andererseits war auch das professionelle Verhalten vieler Privatanleger erstaunlich – da hat sich ‘ne Menge Leute wirklich umfangreiches Wissen, auch im Detail, angeeignet. Und selbst Aussteller, die sich mehr Trubel gewünscht hätten, meinten im Tagesverlauf, man habe „besonders gute Gespräche“ geführt.

Ich hatte auch eins, beim Schokoladeneis, das eine bekannte Fondsgesellschaft zusammen mit einer wirklich gut gemachten und informativen Mini-Info-Broschüre (im Format etwas größer als eine Visitenkarte) verteilte. Ein sympathischer Ingenieur (Anfang 50) mit zusätzlich kaufmännischer Ausbildung, der sich neben mir kühlte, schüttete mir ungeniert sein Anlegerherz aus, ohne zu wissen, wer ich bin. Das machen normalerweise die Frustrierten, die dauernd auf Bankberatung und Fondsperformance schimpfen. In diesem Fall war der Mann mit sich und seinen Geldanlagen voll zufrieden, will deshalb auch nix ändern. Zu Beginn des Aktienbooms Anfang der 90er Jahre kam er auf den Trichter, rechtzeitig etwas für seinen Ruhestand zu tun. Er fing an, sich für Börse zu interessieren und entschied sich dann für Aktien- und Mischfonds – jeden Monat per Dauerauftrag ein bestimmter Betrag auf das entsprechende Konto. Das mit dem Zinseszinseffekt und dem Durchschnittskosteneffekt hatte er schnell raus. Später optimierte er sein Fondsportfolio und hat es inzwischen auf drei Töpfe konzentriert: zwei internationale Aktienfonds und ein internationaler Mischfonds. „Ich vermehre dadurch mein Vermögen seit Jahren um etwa 7 Prozent pro Jahr, zeitweise ist es auch mehr. Und so muss ich mir keinen Kopp um die Altersrente machen.“

Ach ja, meine Freunde, könnten das doch mehr Deutsche von sich behaupten! Dem Ingenieur ist auch völlig wurscht, was EZB und Fed machen (oder nicht). Bei der Gelegenheit, in der erwähnten Mini-Info-Broschüre wird u.a. an folgendes erinnert: Es würde 127 Jahre (!) dauern, bis sich das Anlagevermögen bei aktueller Verzinsung verdoppelt (Basis 0,55% für zehnjährige Staatsanleihen). Übrigens: Wie unterschiedlich das Börsen-Know-how auch bei fortgeschrittenen Privatanlegern ist, zeigte ganz am Ende des Börsentags, als „Börsen-Dino“ Hermann Kutzer grinsend sagte, er wisse ganz genau, wo der Dax am Jahresende stehen wird: bei 12.449,48. Applaus und lautes Gelächter. Aber ein paar Zuhörer haben’s geglaubt …

Quelle: http://www.onvista.de/news/der-ziemlich-unterschiedliche-anleger-13885759

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