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Freut Euch mal wieder!

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Hallo, Leute! Negative Nachrichten werden von unserem Gehirn viel intensiver empfunden als gute. Deshalb gilt für schlagzeilengeile Medien auch seit jeher das Motto „Bad news are good news“. Auf Börse und Kapitalanlage übertragen heißt dies: Einerseits ist man zwar auf Plus gepolt, will Wachstum, Steigerung, Geldvermehrung. Andererseits ist immer wieder so etwas „Krisensucht“, das Lechzen nach Pessimismus zu beobachten. Wer laut vor Weltuntergang und Börsencrash warnt, findet mehr Zuhörer als Optimisten mit ihrem Alles-wird-gut-Gesülze (zu welcher Gruppe ich gehöre, ist bekannt). Viele Menschen suhlen sich förmlich im Schlamm schlimmer, gefährlicher und schädlicher Entwicklungen – der Jubel über Hocherfreuliches ist dagegen meist verhalten. Nee, lieber meckern, kritisieren und jammern: War doch klar. Man hat es ja seit langem gewusst, das mit Griechenland. Konnte doch nicht gutgehen. Blöde Politiker!

Mich erinnern solche Phasen an den frühen Eckart von Hirschhausen, wenn er in seinem Bühnenprogramm ein Kunststoffhirn auspackte, um dessen Funktion auf seine ganz besondere Weise zu erklären. Ein absoluter Brüller war die Szene, in der er die Miesmacherei auf die Schippe nahm. Denn die kann man damit begründen, dass Deutsche ein zusätzliches Hirnteil haben. Hirschhausen zeigt auf den Frontallappen (Lobus frontalis), der für die Planung zuständig ist, sodann auf den Seitenlappen im Kleinhirn, der vernetzt. Und dann kommt’s: „Aber wir haben unten am Hirn noch den Jammerlappen, der ist ständig aktiv. Der quatscht, wenn wir ihn lassen, dauernd dazwischen.“

Ich komme deshalb wieder mal auf dieses Thema, weil mir das Gejammer über China ziemlich auf den Keks geht. Ich hatte an dieser Stelle schon berichtet, dass ich von allen Seiten seitenweise mit verärgerten Kommentaren eingedeckt werde – einschließlich der politischen und volkswirtschaftlichen Verbesserungsvorschläge. Das Hellas-Syndrom hat im Reich der Mitte durch die westlichen Allesbesserwisser eine neue Dimension erreicht. Was ich damit konkret meine?

Die Medien, ob elektronisch oder auf Papier, überschlagen sich in der Schilderung der Kursstürze in China. Ich frage mich, war das wirklich schon ein „Crash“, den ja alle beklagen? Schnell rechnet man aus, welche Werte (ausgedrückt in Milliarden) durch die Kursverluste vernichtet worden sind. Vergleiche zwischen Schanghai und dem Neuen Markt werden gezogen. Das kommt gut, das wird gelesen. Kann sich jemand von Euch erinnern, meine Freunde, dass vorher ausgerechnet wurde, welch enorme Vermögenszuwächse durch die Hausse der Aktien entstanden sind?

Überhaupt: Über Wertsteigerungen freut man sich öffentlich am besten nicht, besonders dann nicht, wenn sie groß sind. Nein, besser man ärgert sich dann lauthals über den Hass-Trend „Die Reichen werden immer reicher“. Wem das zu dogmatisch ist, sollte zumindest an der pandemisch verbreiteten Blasen-Diskussion teilnehmen. Da wird nämlich seit Jahren schon behauptet und gewarnt, es hätten sich höchstgefährliche Preisblasen entwickelt, insbesondere bei Aktien, Anleihen, Rohstoffen und nicht zuletzt auf den Immobilienmärkten. Kein Wunder, wenn in einem solch sauren Nährboden keine Anlegerkultur aufblühen kann. Tagtäglich werden Marktberichte, Analysen und Prognosen mit Worten wie „unsicher“ (sind Börsen immer) und „Risiken“ (sind stets mit den Chancen verbunden) gespickt. Mut wird ständig durch Vorbehalte ersetzt. Kein Wunder, dass die Bundesbürger Cash auf dem Sparbuch bevorzugen, statt zu lernen, wie man sich vor einem Crash schützt.

Übrigens: Ich freue mich immer, wenn sich der Dax freut und sich so rasch bekrabbelt wie gestern. Und ich freue mich jetzt schon auf die Zeit (vielleicht gar nicht so weit weg), wenn die Chinesen wieder die Kurve kriegen (Wirtschaft und Aktienmarkt). Ich werde Euch darauf aufmerksam machen, meine Freunde, weil es die Medien dann vielleicht übersehen. Denkt an die chinesische Volksweisheit: „Besser ist es, ein Licht anzuzünden, als auf die Dunkelheit zu schimpfen.“

boersenfuchs@onvista.de

Quelle: http://www.onvista.de/news/freut-euch-mal-wieder!-9690499

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