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Gold glänzt immer – nur nicht im Depot

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goldbarren

Hallo Leute! „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles.“ Ausnahmsweise hier mal ein schon seit Generationen arg strapaziertes Goethe-Zitat (Faust I, Margarete freut sich über den von Mephisto in ihr Zimmer geschmuggelten Goldschmuck). Denn es wird Zeit, Position fürs Edelmetall zu beziehen. Nur, welche?

Genau das ist der Casus knacksus. Gold wird längst wieder mit Immobilien oder Aktien verglichen – das heißt seine „Performance“, also die Wertentwicklung ausgedrückt im Preis. Und wir wissen alle, dass Gold seinen Preis-Glanz längst eingebüßt hat, dass es keine Zinsen oder Dividenden abwirft und offenbar als Krisenmetall nicht mehr wie früher funktioniert. Im Gegenteil, die FAZ am Sonntag titelte im Juli intelligent „Das Gold kriegt die Krise“. Jo. Und wenn man sich die Charts von diesem Jahr oder auch den Zehnjahresverlauf anguckt, können einem schon die Tränen kommen.

Gold also nur noch matt schimmernd, fängt’s sogar an zu rosten? Nee, das geht echt nicht und auch nicht im übertragenen Sinn. Aber viele Anleger sind enttäuscht. Und die Medien hauen dazu auf die Pauke. Im Sommer gipfelten die Krisenmeldungen in der Überschrift „Das Schlimmste für Gold kommt noch“. Die Stimmung war so grottenschlecht – noch mieser als zu Zeiten der Lehman-Pleite -, dass die Sentiment-Analysten (eine Art Verhaltensforscher) von Rohstoffkäufen auch antizyklisch generell abrieten. Im Oktober sah es dann wieder besser aus. Gold erschien den Anlegern wieder interessant. Die dazu passende Medien-Kommentierung: „Investorenverhalten spricht für Gold-Comeback“.

Inzwischen haben auch die Marketing-Fuzzies der Goldproduzenten öffentlich aufgeatmet: Goldnachfrage stieg im 3. Quartal – Verbraucher auf der ganzen Welt nutzten die günstige Gelegenheit. Die Gesamtnachfrage nach Gold belief sich im 3. Quartal 2015 auf 1.121 Tonnen, ein Anstieg von 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die weltweite Investitionsnachfrage zog kräftig an. In Amiland und bei uns war man wieder richtig scharf auf Barren und Münzen. Auch die Chinesen waren in diesem Quartal wieder goldhungrig. Krisen? Ja, die haben dazu entscheidend beigetragen. Aber es gab keine Krisenpreise.

Aktuell ist das erstaunlicherweise kein Thema mehr. Den Gurus, die vor ein paar Jahren noch Goldpreise in ungeahnten Höhen von 3.000, 5.000 Dollar und mehr als Zielmarken großspurig verkündeten, hat’s sowieso längst die Sprache verschlagen. Und der bisherige Gipfel von 1.900 aus dem Jahr 2011 ist unerreichbar weit weg. Jetzt steht die Frage im Raum, wie sich die bevorstehende Zinswende der Fed auswirken wird – steigende Zinsen und steigender Dollar = Druck auf Rohstoffpreise einschließlich der Edelmetalle. Die Strategen großer internationaler Banken sind noch vorsichtig. Man geht aber davon aus, dass Gold bald dreistellig wird, die Marke 1.000 Dollar je Feinunze dürfte also nach unten durchbrochen werden. Ein Drama, aber nur für Krisen-Preis-Spekulanten.

Also lieber Hände weg vom Gold? Nee, meine Freunde, ich jedenfalls bleibe ein Freund des edlen Metalls. Dafür gibt es viele Gründe. Aber (wichtig!) es ist für mich keine Alternative zu Anlageklassen wie Aktien oder Immobilien. Denn Gold = Geld, ist handfeste Sicherheit, ist ein wahrer Wert, ist Vorsorge für Zeiten, wenn Papiergeld wertlos wird. Und wer es als Versicherung einordnet, muss akzeptieren, dass Versicherung Geld kostet. Betrachtet Gold nicht als Investment und bestimmt einen Teil Eures Kapitals fürs Vorsorgesparen! Und dabei sollte man seine Lieben einbeziehen. Ich kenne hochkarätige Banker, die seit Jahr und Tag ihrer Familie (einschl. der Enkel) zu allen besonderen Gelegenheiten Goldbarren und -münzen schenken – Geburtstage, Konfirmation, Hochzeit etc. Da kommt im Laufe der Zeit ganz schön was zusammen, selbst wenn es immer nur bescheidene Beträge sind.

Wer damit noch nicht begonnen hat, kriegt jetzt die beste Gelegenheit: Weihnachten steht vor der Tür. Und die Preise? Kümmert Euch nicht drum, wenn Ihr einen langfristigen Sparplan mit festem monatlichen Betrag anlegt (für mich die beste Gold-Strategie). Denn dann wirkt der Durchschnittskosten-Effekt (hohe Preise = weniger Gold fürs Geld, sinkende Preise = mehr Gold fürs Geld).

Post an den Börsenfuchs: boersenfuchs@onvista.de

Quelle: http://www.onvista.de/news/gold-glaenzt-immer-nur-nicht-im-depot-18647015

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