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Gold rostet

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Hallo, Leute! Hier geht was Unwirkliches ab. Nee, ich meine nicht Griechenland oder China, sondern das Gold-Drama. Dass die Preise für Edelmetall so tief in den Keller gehen würden, hatten viele Strategen nicht auf dem Zettel. Aber mir kommt’s inzwischen so vor, als würde Gold wie rostendes Blech weggeschmissen.

Journalisten, die jahrelang die historischen und langfristigen Vorteile dieser zinslosen Anlageklasse gepriesen haben („Gold schlägt Geld“), beeilen sich jetzt mit Negativ-Stories und sammeln eifrig Verkaufsempfehlungen der Profis. Das Motto: Inflation? Kriegen wir nicht mehr rein. Also brauchen wir auch keinen Inflationsschutz. Inflationär sind höchstens die Krisen auf dem Erdenklos – aber der Preistrend zeigt, dass Gold als Krisenmetall, als der viel zitierte „sichere Hafen“ ausgedient hat. Seid Ihr Euch da wirklich sicher, Ihr Miesmacher?

„Sal. Oppenheim wirft Gold aus Kundendepots“, knallt die Headline über einer großen Handelsblatt-Story. Die Vermögensverwalter sehen in Gold eine „volatile und riskante Anlageform ohne inneren Wert“. Andere routinierte Geldmanager zucken zumindest mit den Achseln, weil sie glauben, der Goldpreis befinde sich in einem Abschwung, der so schnell nicht vorbei geht. Nix gelten offenbar mehr die immer wieder durchgekauten Argumente China und Indien als Käufer sowie weiterer Aufbau der Goldbestände durch Notenbanken. Und was macht die These Goldpreis nähert sich Produktionskosten und kann nicht viel weiter sinken? Große internationale Banken und Fondsmanager posaunen in die Gegend, man müsse jetzt mit Preisen unter 1.000 Dollar rechnen, 800 Dollar für die Feinunze ist eine mehrfach genannte Marke. Wie auch immer, die meisten Experten sehen jedenfalls keinen Treiber, der den Goldpreis in absehbarer Zeit wieder deutlich nach oben schieben könnte. Nur wenige Insider halten dagegen und mutmaßen: Die Märkte sind überverkauft, vielleicht kommt jetzt doch die Wende.

Nach den Höchstkursen von 1.900 Dollar im Jahr 2011 haben Mega-Spekulanten die Luft rausgelassen – und es auch bekanntgegeben. Wie bei anderen Rohstoffen gaben internationale Banken und große Kapitalsammler beim Ausstieg zu (insbesondere Amis), zuvor mit Commodities an den Terminmärkten gespielt zu haben. Man brauchte halt mal ‘ne neue Anlageklasse. Seither tauchen immer wieder Vermutungen auf, der Goldpreis werde nach unten manipuliert. Vielleicht stimmt’s ja. Was ich beobachte: Im Gegensatz zur früheren Beteuerung der Edelmetall-Bullen wurde Gold eben nicht nur unter dem Aspekt der „Versicherung“ und als „wahrer Wert“ gekauft. Das Renditemotiv – obwohl Metall keine Zinsen zahlt oder Dividende ausschüttet – hat für viele Investoren ganz eindeutig doch eine Rolle gespielt. Und jetzt? Mit den anhaltend fallenden Preisen, einem weiter steigenden Dollar und sich abzeichnenden Zinserhöhungen in Ami-Land haben institutionelle Investoren nun die Schnauze voll, wie wir Füchse sagen. Statt Inflation eher Deflationstendenzen und dann die seltsame Gewöhnung der Menschen an schlimme Krisen und Katastrophen.

Meine heutige Überschrift ist aber eine Provokation – Gold rostet natürlich nicht! Ich stehe zum Gold. Und man sollte nie vergessen, dass Versicherungen Geld kosten. Deshalb bleibe ich dabei, dass der Anleger die Rendite woanders suchen sollte, am besten am Aktienmarkt und mit Immobilien oder anderer Sachanlagen. Aber es wird auch wieder goldene Zeiten geben. Die Inflation wird sich irgendwann wieder zurückmelden. Auf jeden Fall kann es nicht schaden, wenn sich jeder Privatanleger im Laufe der Zeit einen ordentlichen Bestand an edlen Münzen und Barren hinlegt, um sogar für die schlimmsten denkbaren Katastrophen vorzusorgen – Währungsreform und Krieg kannst du ja nicht mehr ausschließen. Ich empfehle keine Goldminenaktien sondern physisches Gold, also kleine Münzen (weniger als 1 Unze) und Barren, meine Freunde. Und ich schätze langfristige Goldsparpläne mit festen monatlichen Einzahlungen (sinkt der Goldpreis, gibt’s mehr Metall). Der Fuchs rät Euch, ja nix bei einer Bank zu lagern! Lieber in einem Hochsicherheitsbunker deponieren oder privat verstecken (einbuddeln).

Sagte dieser Tage einer der bekannten deutschen Goldhändler in einem Interview: „Ohne eine Versicherung wie Gold durch solche Zeiten zu gehen, ist unverantwortlich.“ Jo. Gold fasziniert die Menschen seit dem Altertum. Schön ist es auch noch.

boersenfuchs@onvista.de

Quelle: http://www.onvista.de/news/gold-rostet-10233993

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