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Mal so, mal so

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Hallo Leute! Wir beklagen ja schon seit langem, dass es bei uns zu wenig Aktien-Fans gibt. Immerhin sind auch ein paar Gegenbewegungen zum Rückzug der Bundesbürger von der Börse zu erkennen. Gut so. Doch hab ich so meine Zweifel, dass sie wirklich ausreichen, um irgendwann doch so etwas wie eine Anlegerkultur zu schaffen. Sorry, liebe Fondsmanager, dass Ihr inzwischen massive Mittelzuflüsse verbuchen könnt, hat nix mit einer ansteckenden Aktieneuphorie zu tun. Dafür sind die Mischfonds viel zu populär. Jedenfalls haben zu viele Deutsche immer noch nicht kapiert, dass die Beteiligung am Produktivkapital unserer Wirtschaft langfristig gesehen am meisten Sinn macht. Anleihen braucht im Zeitalter der Finanzrepression kein Mensch.

Also, auf der Plusseite beobachte ich die wachsende Zahl von Selbstentscheidern, die oft auch erstaunliche Flexibilität entwickeln und auch an Neuem und an strategischen Varianten interessiert sind. Positiv auch, dass zumindest einige Kreditinstitute und Investmentgesellschaften wieder ein paar Euros in die Hand nehmen, um öffentlich für langfristiges Anlegen statt fürs Kontensparen zu werben. Da gibt es Sparkassen mit einem großen Ohr in der Zeitungsanzeige – Aussage: Der Kundenberater hört genau zu, was der Kunde will und braucht. Allerdings, was nützt das schöne Bildchen, wenn immer mehr Filialen dicht gemacht werden und sich immer mehr Banken/Sparkassen aus der aktiven Wertpapierberatung zurückziehen (lieber Fonds mit Ausgabeaufschlag vertickern)? Kompliment dennoch für den Anzeigentext von Deka Investments: „Jetzt umdenken. Nicht nur in der Theorie. Anlegen statt stilllegen.“ Die letzten drei Worte sind ein echt cooler Spruch!

Aktuell gibt es sowieso Bewegungen mit Gegenbewegungen. Die Marktteilnehmer argumentieren halt mal so, mal so. Beispiel China, eines der Hingucker-Themen. Heute ganz früh unserer Zeit kam die mit Hochspannung erwartete Bekanntgabe der neuen Wachstumsdaten. Die sind schlechter als die in Vergangenheit, aber nur ein bisschen. Die Wirtschaftsleistung gemessen am „BIP“ (Bruttoinlandsprodukt) hat im dritten Quartal um 6,9 Prozent zugelegt, der niedrigste Wert seit der globalen Rezession Anfang 2009. Allerdings fielen die Daten etwas besser aus als erwartet. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich mit 6,8 Prozent gerechnet. Das wurde an den Börsen in Fernost positiv aufgenommen. Die Indizes in Shanghai und Shenzen verzeichneten deutliche Gewinne, Tokio dagegen leicht abwärts. Der Dax bekam erst einmal wieder Rückenwind.

Was soll man davon halten? 6,8 oder 6,9 oder 7,0 Prozent – davon geht doch die (chinesische) Welt nicht unter. Außerdem zweifeln angebliche Experten, dass die Statistiken echt und nicht gefälscht sind. Der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank, den ich sehr schätze, sieht das wieder anders. Er schrieb mir vorhin: „Die Sorge um Chinas Konjunktur fußt auch auf Zweifeln an der Berechnung der Wirtschaftskraft des Landes. Aber vielleicht sind die offiziellen BIP-Zahlen sogar zu niedrig – weil der wichtige Immobiliensektor unterschätzt wird und Dienstleister schon mehr als die Hälfte der Wirtschaft ausmachen. Klar ist, wie stark die Weltwirtschaft an China hängt. Im dritten Quartal stieg das BIP um 6,9 Prozent, wie Peking heute Morgen bekannt gab. China liegt im Plan, das Wachstum ist ordentlich. Das lässt auf eine Stabilisierung auch in anderen Ländern hoffen.“ Hallo, das klingt nun wirklich ganz anders.

China hin, China her. Dazu noch die sibyllinische Yellen. Und in dieser Woche wird sich unser Super-Mario auch wieder zu Wort. Viele Infos, aber keine Klarheit. Denkt langfristig, meine Freunde, und folgt am besten den Trendfolgern! Die sind der Meinung, dass wir tolle Aktienjahre vor uns haben. Ich finde deren Spruch voll gut: „Wird der Dax neue historische Gipfel erklimmen? Das ist doch keine Frage des Ob, sondern nur eine Frage des Wann.“ Genau.

Quelle: http://www.onvista.de/news/mal-so-mal-so-16087901