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Mutige kaufen – trotz China, Öl und Fed

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Hallo Leute! Schon wieder enttäuscht, weil der Dax erneut in die Knie gegangen ist? Kann ich verstehen, hatte das so auch nicht erwartet. Mein Unverständnis bezieht sich aber mehr auf die Begründungen für schwächere Aktienkurse, die gerade am Dienstag über die Medien rund um den Globus gereicht wurden: China-Konjunktur und Ölpreise. Dass Exportweltmeister China die ziemlich lahme Entwicklung der Weltwirtschaft stärker zu spüren bekommt, ist kein Grund zur Panik. Und was ich überhaupt nicht kapieren will, ist die Angst vor billiger Energie. Nee, wir sollten uns doch freuen über Rohöl-Notierungen von mittlerweile unter 40 Dollar je Fass (das ist wohl noch nicht der Tiefpunkt!). Wenn dann ein paar Ami-Konzerne auf der Ölspur geschäftlich ausrutschen – ähnlich wie internationale Bergbaufirmen als Folge anhaltend schwacher Metallpreise -, dann kann dies doch kein Argument für Rückschläge von Dax & Co. sein.

Ich will wirklich nicht behaupten, es besser zu wissen als alle anderen Stimmen von Tokio bis New York. Aber vielleicht sind die Börsianer nicht ganz ehrlich sich selbst gegenüber. Tatsache ist doch, dass die großen Kapitalsammler teilweise sehr gut mit Aktien eingedeckt sind und jetzt erst einmal vorsichtiger disponieren. Tatsache ist auch, dass man heute kürzerfristig agiert als früher – schnell rein, schnell raus. Und was ist der Knackpunkt? Höchstwahrscheinlich schwebt die Ungewissheit über die für nächste Woche erwartete Zinserhöhung in USA wie eine dunkle Wolke über den Aktienmärkten. Ich sag ja schon seit Wochen, dass niemand wissen kann, was nach dem entsprechenden Beschluss der Fed auf den Märkten passiert. Auch wenn viele Strategen behaupten, die US-Zinswende sei eingepreist (kann sein, muss aber nicht), dann ist dies ist doch ein größerer Unsicherheitsfaktor als China und erst recht als Öl!

Vorhin kam die Meldung: 43 Prozent der Privatanleger in Deutschland vertreten die Ansicht, dass es in der ersten Jahreshälfte 2016 erheblich schwieriger wird, die eigenen Renditeerwartungen zu erfüllen. Knapp ein Drittel der Teilnehmer glaubt, dass sich die Erzielung der erhofften Rendite etwas schwieriger gestaltet. Somit denken mehr als 75 Prozent, dass sich die Umsetzung eigener Renditevorstellungen komplizierter und mühsamer gestalten wird. Kernaussagen der Trend-Umfrage des Deutschen Derivate Verbands im Dezember. Na gut, mag ja sein. Aber wir kennen ja nicht die Höhe der Renditeerwartungen. Deshalb „predige“ ich auch Performance-Demut – erwartet nicht zu viel, dann gibt’s keine Enttäuschungen!

Soeben krieg ich noch ‘ne ganz andere Umfrage rein, die ich Euch nicht vorenthalten will. Zentrale Botschaft ist, dass führende unabhängige Vermögensverwalter in Deutschland für das kommende Jahr einen weiteren Kursanstieg der wichtigsten Aktienindizes erwarten, außerdem gleichbleibende Leitzinsen im Euro-Raum und ein wachsendes Risiko für die Weltwirtschaft durch die Entwicklungen in China und in den Schwellenländern. Für Privatanleger leiten die Investmentprofis daraus die Empfehlung ab, das Hauptgewicht in ihren Depots auf Aktien aus Industrienationen zu legen. Ihr wisst ja, meine Freunde, dass ich – noch konkreter – den Schwerpunkt auf deutsche Aktien legen würde. Die Leitzinsen in Europa werden vielleicht sogar noch ein bisschen sinken. Und nochmal: Keine Angst vor China (hoffentlich kriegen die in Peking bald wieder Luft)! Dazu eine kleine Rechenaufgabe, die zeigen soll, dass man nicht dauernd nur mit Prozentsätzen operieren sollte. China hat viele Jahre mit durchschnittlich 10% Wirtschaftswachstum geboomt. Jetzt sind es „nur noch“ 7% minus X. Vor zehn Jahren, in der Startphase des unglaublichen Aufschwungs, lag das BIP bei gut 2 Billionen Dollar, inzwischen sind es über 10 Billionen. Vergleicht einfach mal den absoluten Betrag 10% von 2 Billionen mit 7% von 10 Billionen. So viel zum Thema Wachstum.

Übrigens bleibt meine aktuelle Haltung zum Dax unverändert: Mutige kaufen, Vorsichtige warten den Ami-Zinsentscheid nächste Woche ab.

Post an den Börsenfuchs: boersenfuchs@onvista.de

Quelle: OnVista (www.onvista.de)

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