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Nehmen wir einmal an, dass… (1)

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Hallo, Leute! So furchtbar viel hat sich ja nicht geändert in den letzten Tagen. Ist ja auch Urlaubszeit. Aber die Bilder aus aller Welt machen uns in bedrückender Weise deutlich, dass es noch Wichtigeres gibt als Kapitalanlage – Terrorismus, Flüchtlingskatastrophe. Und wie ist das China-Syndrom einzuordnen? Klar, man kann gut darüber streiten. Schließlich ist ja so ziemlich jeder von uns, der sich bisher schon als Kenner der Griechenland-Problematik outete, inzwischen auch ein China-Experte geworden.

Heute einmal der Versuch, über die Tagesaktualität hinaus weit nach vorn zu blicken (was aus Börsensicht mehrere Monate bedeutet, nicht mehr). Und jeder von Euch kann für sich jeder Annahme zustimmen oder nicht, um damit zu checken, ob er seine Strategie ändern sollte – oder nicht. Machen wir das, was in wenigen Zeilen eigentlich gar nicht möglich ist: Was kommt bis Anfang 2016 auf einen Privatanleger zu, der bereits gut investiert ist (wo auch immer) und jetzt 50.000 bis 100.000 Euro Liquidität rumliegen hat, die er lieber in Sachwerte stecken möchte. Ziel ist eine ordentliche Rendite, mehr als nur Kapitalerhalt.

Nehmen wir an, die Konjunktur bleibt holprig (ich schreibe nicht im Konjunktiv, liest sich besser), das Wachstum mäßig, aber es stabilisiert sich insgesamt, weltweit. Dann können wir von zwar unterschiedlichen, überwiegend aber steigenden Unternehmensgewinnen ausgehen. Eine weitere Annahme ist, dass die Amis ihre konjunkturelle Führungsposition behalten, der Dollar gegenüber dem Euro noch fester wird und die Zinswende durch die US-Notenbank tatsächlich Mitte September kommt. Die wird den Märkten so plausibel verklickert, dass es keine nachhaltige Kursreaktion gibt – jedenfalls nicht bei den Aktien. Weiterhin bei uns keine Inflation, keine Deflation. Und so bleibt es bei der Annahme, dass Draghis EZB noch lange nicht den Amis folgen wird. Gehen wir auch davon aus, dass Griechenland noch lange ein Problemfall bleibt, die Märkte sich aber daran gewöhnen und nicht mehr besonders aufregen. Ja, und China? Zu groß, zu wichtig, um auf die leichte Schulter genommen zu werden. Ich als Optimist stelle einfach die Annahme in den Raum, dass die chinesischen Probleme nicht zur Dauerbremse für die deutsche und die Weltwirtschaft werden. Einen Punkt lasse ich außen vor: Krisen und Kriege, die absolut unberechenbaren Einflüsse der Weltpolitik.

So etwa kann man sich – grob geschnitzt – die nähere Zukunft vorstellen – man kann sie aber auch ganz anders sehen (s. Teil 2 übermorgen!). Unter diesen Annahmen betrachte ich Aktien bis auf weiteres als attraktivste Anlage (MDax nicht vernachlässigen!). Anleihen kann man bis auf bestimmte Marktsegmente (Mittelstandsanleihen, Wandelanleihen) vergessen. Immobilien sind für mich trotz zum Teil schon enormer Preissteigerungen weiterhin ein Muss. Gold bringt keine Rendite, eignet sich aber unverändert für die Altersvorsorge und dementsprechend für gaaanz langfristige Sparpläne. Entscheidet selbst, wie Ihr das seht.

Viele ausländische Großanleger sehen das zumindest in wichtigen Teilen ganz ähnlich. Geblieben ist deshalb auch das internationale Interesse an deutschen Aktien. Das bestätigt mir u.a. ein prominenter britischer Fondsmanager, dessen jüngste Analyse mich gestern erreicht hat: „Marktschwäche sorgt für Kaufgelegenheit bei deutschen Aktien. Als Reaktion auf die Abwertung des Yuan durch die chinesische Währungsbehörde sackte der deutsche Aktienmarkt um 6% ab und entfernt sich damit weiter von den im April erreichten Höchstständen. Diese Reaktion war unserer Ansicht nach übertrieben und wir sehen die jüngste Marktschwäche als Kaufgelegenheit. Wir identifizieren nach wie vor interessante Anlagechancen und erkennen für das dritte Quartal Potenzial für stärkere Ertragszuwächse und Korrekturen nach oben.“ Das gefällt mir.

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Quelle: http://www.onvista.de/news/nehmen-wir-einmal-an-dass-1-11329933

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