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Sparen, Sparen, Sparen?

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Hallo Leute! Unmittelbar vor dem Weltspartag am 30. Oktober muss ich nochmal rummosern – Ihr wisst ja, dass ich gegen zu viel und vor allem gegen falsches Sparen bin. Aber dann kriegst du diverse Jubel-Arien von Banken und Sparkassen auf den Tisch, wo die Spar-Fahne wie eh und je geschwenkt wird. So als gäbe es keine Finanzrepression. Beispiel: Da lese ich bei der Postbank die Formulierung, die Deutschen „feiern“ zum 90. Mal den Weltspartag. Häh, feiern? Und dann fuchst mich die Statistik, dass gerade in meinem Heimatrevier „noch sehr fleißig“ (brav!) gespart wird – die „Sparfüchse aus Hessen“ (für den Börsenfuchs ein blödes Bild) konnten ihren Titel als Sparsieger erneut verteidigen. Peinlich. Am Rande ein Hinweis an die Presseleute der Postbank: Bitte nicht synonymisch von „Ebbelwoi-Land“ sprechen, das ist albern, macht kein Mensch.

Mit der Wortwahl geht es immer so weiter. Da heißt es u.a., die Deutschen „sparen eifrig“ (ach, wie lieb!) – trotz der niedrigen Zinsen. Eine Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank zeigt, dass die Bundesbürger ihr Geld sehr wohl noch „in den Sparstrumpf stecken“ (hoffentlich nicht in den von der verstorbenen Oma).

Ein Lob dagegen für den Mega-Vermögensverwalter Allianz Global Investors. Der erinnert jetzt daran, dass am 30. Oktober vor 65 Jahren mit dem Fondak der erste deutsche Aktienfonds aufgelegt wurde. Hätte man einem Neugeborenen 1950 einen Fondsanteil über umgerechnet 100 Euro in die Wiege gelegt, hätte der jetzt als angehender Ruheständler ein zusätzliches Rentenpolster von 65.000 Euro. In Zeiten, in denen traditionelle Sparformen sogar mit Verlusten verbunden sein können, dient der „Fonds für deutsche Aktien“ – kurz Fondak – damit nicht nur der kommenden Anlegergeneration als erfolgreiches Beispiel mit längster Historie. Dieser Ur-Fonds ist nicht gerade ein Brüller, sondern eben ein oller, schwerer Topf, der viele Hochs und Tiefs der Börse mitgemacht hat. Aber mit ihm und ähnlichen Oldies lässt sich nun einmal viele Menschen verblüffend aufzeigen, was ein langfristiger Aktienfonds-Sparplan bringt (nur ein Rechenbeispiel): Seit der Gründung jeden Monat 50 Euro in den Topf macht bis jetzt eine Sparleistung von knapp 39.000 Euro – aus denen sind über die Jahre aber rund 2 Millionen Euro geworden! Das versteht der Börsenfuchs unter sinnvollem Sparen, nämlich regelmäßig in Aktien (bzw. Aktienfonds) zu investieren.

Ach ja, noch ‘ne Empfehlung an Banken und Sparkassen. Gerne wird ja darauf verwiesen, dass es um den erzieherischen Aspekt geht. Dazu ein O-Ton: Besonders umworben werden am Weltspartag die kleinen Sparer (wie süß!). Sie sollen früh genug lernen, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen. Dazu gehört auch, einen Teil des Taschengeldes auf einem Sparbuch zurückzulegen (statt alles zu versaufen). Für ihren Spareifer erhalten die Nachwuchssparer traditionell ein Geschenk (Ist das nicht anständig von den Kreditinstituten)? Ich selbst hab‘ noch ein paar geschenkte Sparbücher mit 5 DM drauf, von Weltspartagen aus den 50-er Jahren. Nee, richtet Euren Kindern und Enkeln lieber einen Aktiensparplan ein!

Post den Börsenfuchs: boersenfuchs@onvista.de

Quelle: http://www.onvista.de/news/sparen-sparen-sparen-16801823

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