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Voll normaaal?

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Hallo, Leute! Seit Montag werde ich an den 90er Jahre Film-Klamauk „Voll normaaal“ (mit Tom Gerhardt) erinnert – die Optimisten unter den Börsianern nehmen das Wort „Normalisierung“ wieder in den Mund. Na ja, ich bin ja bekanntlich ein alter Bulle, aber was heißt heutzutage schon normal? Es sei denn, man erklärt das Ungewöhnliche, Verrückte, Gefährliche zur Normalität. Für mich beruhigend ist jedenfalls die Bestätigung, dass sich die Aktienkurse nicht unterkriegen lassen. Trotz des täglichen Gezockes der Profis und der Panik-Verbreitung durch die Medien beweisen Dax und Dow, dass es nach wie vor keine attraktiveren Alternativen an den Finanzmärkten gibt, nicht geben kann.

Zur Gelassenheit der Aktien-Fans sollten auch Nachrichten Beitragen, die aus Börsensicht vielleicht „normal“, aber keine Brüller sind. So scheint die lockere Geldpolitik der Notenbanken zu wirken. Viele europäische Geschäftsbanken haben inzwischen die Kreditbedingungen für Unternehmen und Privathaushalte gelockert. Die EZB rechnet jetzt mit mehr Kreditnachfrage und spricht von einem substanziellen Anstieg bei Unternehmen − die Voraussetzung für mehr Investitionen.

Die vorläufigen Zahlen sind bestätigt worden: Die „Inflation“ ist im Juni abgeebbt. Waren und Dienstleistungen kosteten bei uns durchschnittlich nur noch 0,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Davor war die Jahresteuerung vier Monate hintereinander leicht gestiegen, im Mai auf 0,7 Prozent. In Großbritannien ist die Inflationsrate sogar auf das niedrigste Niveau seit einem halben Jahrhundert gesunken – auf null. Jetzt gehen die meisten britischen Ökonomen davon aus, dass ihr Leitzins erst in rund einem Jahr angehoben wird.

Und was macht Ami-Land? Heute oder morgen werden wir vielleicht Genaueres von Fed-Chefin Yellen erfahren. Vielleicht redet sie aber auch wieder nur drumherum und die Märkte rätseln weiter. Lange Gesichter, aber nur kurz gab es bei den Jungs in der Wall Street, weil die US-Einzelhändler überraschend im Juni weniger Umsatz gemacht haben. Ist die allgemeine Konjunkturzuversicht fürs zweite Quartal doch übertrieben? Kommt die lange diskutierte Zinswende in Amerika deshalb noch nicht im September? Man darf solche Monatsstatistiken auch nicht überschätzen, denn sie sind doch nur einer kurzer Ausschnitt und kein Trend, werden außerdem häufig später deutlich korrigiert. Nur kümmert sich dann kaum noch einer darum. Aber auch regierungsseitig wurde der frühere Prognoseoptimismus in Sachen Wachstum soeben etwas zurückgenommen. Ich behaupte: Nicht schlecht für den Aktienmarkt.

Ich werde jetzt öfter gefragt, ob man die die gesunkenen Goldpreise für neue Edelmetallkäufe nutzen sollte. Nicht zu „normalen“ Anlagezwecken, ist meine Meinung, aber natürlich weiterhin für langfristige Sparpläne. Apropos: Googelt mal „Goldsparpläne“, meine Freunde, dann habt Ihr was zu tun – es gibt jede Menge Anbieter, längst aber auch schon Vergleichsportale und Tests! Und wer doch was mit Zinsen sucht, den möchte ich auf Mittelstandsanleihen aufmerksam machen, die zu Unrecht wegen einiger Pleiten bei den Medien in Verruf gekommen sind. Hier gilt ganz besonders, Spreu vom Weizen zu trennen. Das gelingt bisher eindrucksvoll dem Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds, der fürs ersten Halbjahr 2015 eine Wertentwicklung unter Berücksichtigung der Ausschüttung von 5,20% (Zinskupon der gut 30 enthaltenen Anleihen durchschnittlich 6,61%) meldet.

boersenfuchs@onvista.de

Quelle: http://www.onvista.de/news/voll-normaaal-8607851

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