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Von wegen Woche der Wahrheit!

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Hallo, Leute! Irgendwo in den Fachmedien habe ich gelesen, wir stünden jetzt vor einer Woche der Wahrheit. Erstens stimmt es nicht, so wie es gemeint ist. Und zweitens: Was ist an den Finanzmärkten schon die Wahrheit (außer den Kursen)? Nee, die vergangenen Tagen haben uns außer bekloppten Schwankungen keine wirklichen Erkenntnisfortschritte gebracht. Und die 37. KW beschert uns zwar die Rückkehr der zuletzt feiertagsbedingt pausierenden Chinesen, aber noch nicht die Antwort auf die alle interessierende Frage, wann die Amis nun endlich mit der Zinserhöhung beginnen – das könnte zur Monatsmitte passieren, also nächste Woche. Stellt Euch also vorsichtshalber darauf ein, dass das kurzfristige Gezocke erst einmal so weiter geht.

Richtig sympathisch, weil hoffnungsfroh klingen da die offiziellen Stellungsnahmen unserer Politiker. Speziell auf die Europäer guckt ja die ganze Welt, denn wir haben das Griechenland-Thema nicht im Griff, gehen konjunkturell noch nicht im Gleichschritt und werden jetzt auch noch durch ein bedrückendes Flüchtlingsproblem extrem gefordert – für mich ist das wie eine Völkerwanderung. (Hoffentlich ist die Politik nicht schon wieder überfordert). Aber auch die noch größere Gemeinschaft der führenden Industrie- und Schwellenländer kommt mit ihrer Wachstumsstrategie nicht wie erhofft voran und will deshalb auf weitere Reformen. Allein auf eine Niedrigzinspolitik der Notenbanken zu setzen, könne nicht für dauerhaftes Wachstum sorgen, hieß es in der Abschlusserklärung zum G20-Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs in Ankara. Ich lach mir nen Ast! Da ist von „weiteren“ Reformen die Rede (welche hatten wir denn schon?) und EZB/Fed allein packens nicht. Hallo, Ihr Politik-Promis, weil Ihr es nicht bringt, für die Wirtschaft stimulierende Rahmenbedingungen zu schaffen, mussten doch die Währungshüter mit ihrer globalen Geldüberschwemmung einspringen – und kriegen seither von vielen Ökonomen immer wieder eins auf den Deckel.

Nee, nee, ich kann gut verstehen, wenn sich Christine Lagarde, die Chefin vom Internationalen Währungsfonds (IWF) unzufrieden mit den Fortschritten beim Wachstum zeigt. Sie forderte eine „konzertierte” Anstrengung, um mit einem Mix aus konjunkturstützender Geld-, wachstumsfreundlichen Finanzpolitik und Strukturreformen schneller voranzukommen.

Es gehört sozusagen zum guten Ton und passt auch zum Kommuniqué solcher Wirtschafts-Gipfeltreffen, wenn Gelassenheit ausgestreut wird. Dafür habe ich, kein Wunder, als stets optimistischer Börsenfuchs wirklich volles Verständnis: Anlass zu „übermäßiger Nervosität“ sieht unser Schäuble aber weder wegen der jüngsten globalen Wachstumsabschwächung noch wegen der Unsicherheiten um China nicht. Nur: Was heißt hier „übermäßig“? Doch knurrte er wieder mal wegen der ultra-lockeren Geldpolitik. Denn deshalb würden in vielen Regionen Preis-Blasen und damit Instabilität drohen. Ach ja, wieder mal die Blasen. Worte, Worte, Worte.

Ihr habt ja mitgekriegt, meine Freunde, dass sich Amis und andere wieder zum Zeitpunkt der Zinswende geäußert haben. Eine eindeutige Tendenz ist nach wir vor nicht zu erkennen. Wir haben mindestens noch anderthalb Wochen Zeit mehr oder weniger interessante Stellungnahmen zu sammeln – bis zum vielleicht entscheidenden Meeting der Fed am 17. September. Muss man bis dahin was tun? Nee, muss man nicht. Jedenfalls empfehle ich das Zugucken dem Typ „vorsichtiger Anleger“. Und wie dann die Aktienmärkte reagieren werden – auf Zinserhöhung oder Noch-Nicht-Zinserhöhung – sagt uns ein Blick in die Glaskugel.

Post an den Börsenfuchs: boersenfuchs@onvista.de

Quelle: http://www.onvista.de/news/von-wegen-woche-der-wahrheit!-12788027

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