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Wir wanken und schwanken

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Hallo, Leute! Stellt Euch mal folgende Überschriften vor: Überraschend starke Erholung von Griechenlands Wirtschaft, Europa jetzt einheitlich auf Wachstumspfad, Maßnahmenpaket beflügelt Wirtschaft und Börse in China, US-Notenbank erhöht Leitzinsen minimal, VW-Abgasskandal nur ein Messfehler der Amerikaner. Wo würde dann der Dax hinmarschieren? Tja, von einer solchen Nachrichtenlage sind wir leider meilenweit entfernt. Apropos Volkswagen: Mit deutscher Gründlichkeit wird jetzt versucht, nach dem wütenden Aufschrei leisere Töne an zuschlagen und alles ein Stück weit tiefer zu hängen. Journalisten und andere „Experten“ treten auf die Bremse, nach dem Motto: Für den Konzern mag das Ganze schlimme Folgen haben, wahrscheinlich wird man auch über Dieselmotoren neu nachdenken – dadurch wird aber unser Ansehen in der Welt nicht beschädigt, ist das „Made in Germany” doch nicht am Ende, steht die hiesige Wirtschaft nicht vor einem totalen Absturz. Ausnahmsweise gehöre ich hier nicht zu den lauten Optimisten. Außerdem reicht mir schon der Spontan-Schaden.

Jedenfalls hat der Fall VW dazu beigetragen, dass die Jungs im Aktienhandel noch nervöser geworden sind. Auch von den Analysten hat keiner den totalen Durchblick. Die täglichen Meldungen aus der Wirtschaft auf der Achse China-Amerika bleiben gemischt – ich hab mal die Headlines von gestern bei Reuters abgeschrieben: US-Industrie mit Auftragsschwund im August, Japans Regierung verspricht hohe Wachstumsraten, Deutscher Einzelhandel erwartet Rekordjahr 2015, Wirtschaft im Aufwind – Doch schon Sorgen wegen VW-Krise, Liikanen (EZB) sieht Risiken wegen langsamerer Weltkonjunktur, Ifo-Geschäftsklima hellt sich überraschend auf, GfK – Konjunktursorgen und Flüchtlingskrise dämpfen Konsumlaune, Stimmung in Frankreichs Industrie gut wie lange nicht mehr.

Prominente Vordenker, die ich wirklich schätze, schreiben mir heute: „Jetzt schlägt sie, die Stunde der Ökonomen. Je mehr Unsicherheit bzgl. der weiteren Entwicklung des Konjunkturpfades, sei es in den Industriestaaten, sei es in den Schwellenländern, herrscht, desto stärker treten die Konjunkturindikatoren wieder in den Vordergrund.“ Jo, aber diese Ampel blinkt immer noch in allen drei Farben. Also darf wegen der Unsicherheit weiter geschwankt werden (das nennt man hohe Volatilität).

Wer damit umgehen kann, insbesondere wenn man zum täglichen Trader umgeschult hat, wird vielleicht seinen Spaß haben. Viel Mut gehört dazu. Oder man beginnt genau mit dem Gegenteil: ein langfristiger Aktiensparplan (meinetwegen mit Aktienfonds) für Kinder oder Enkel. Dem „normalen“ Börsen-Mitmacher empfehle ich dagegen zum wiederholten Mal zuzugucken und lieber in den FC Bayern München zu investieren. Das ist sicherer.

PS.: Soeben lese ich zur jüngsten Rede von Janet Yellen: „Die Fed-Chefin spricht, und schon hellt sich die Lage auf: Nach den Worten von Yellen ändern Börsianer ihre Einschätzung zu den Konjunkturperspektiven grundlegend. Im deutschen Leitindex geht es kräftig nach oben.“ Bekloppte Börsen.

boersenfuchs@onvista.de

Quelle: http://www.onvista.de/news/wir-wanken-und-schwanken-14202981

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