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Wissen ist wichtiger als staatlicher Schutz

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Anleger hören bei Finanzvortrag zu.
Invest in Stuttgart. Anleger informieren sich in Vorträgen über Finanzthemen.

Hallo Leute! Seit langem wird ja (auch von mir) über das Finanzverhalten der meisten Bundesbürger gemeckert, weil alle Untersuchungen erschreckend deutlich zeigen, dass zu viel und falsch gespart wird. Und das, obwohl es keine Zinsen mehr gibt. Heute aber mal ein Lob. Denn in einer Hinsicht sind wir auf dem richtigen Weg – beim Geld ausgeben. Hurra, die Deutschen haben ihren Konsum 2015 so stark erhöht wie seit 15 Jahren (!) nicht mehr. Sie gaben bereinigt um steigende Preise 1,9 Prozent mehr aus. Das sieht nach wenig aus, ist tatsächlich aber viel. Aber es ist noch steigerungsfähig, denn im EU-Schnitt haben die privaten Verbrauchsausgaben sogar um 2,1 Prozent zugenommen (die „Brexit-Nachbarn“ haben sogar 2,9 Prozent mehr verbraten).

Vergleicht doch mal, meine Freunde, ob Ihr typisch seid: Es wird vor allem mehr gegessen, gesoffen und gereist (für Beherbergung und Gastronomie 6,0 Prozent mehr ausgegeben). Dass aufdringliche Werbung und Preiskämpfe für die Anbieter kein rausgeschmissenes Geld sind (mir geht ja seit langem die Möbelbranche auf den Senkel), zeigt mir das das Plus der deutschen Haushalte von 3,4 Prozent für Möbel und Elektrogeräte (plus 3,4 Prozent) aus. Und auch für das laufende Jahr erwarten Ökonomen viele Impulse vom privaten Konsum für das Wachstum der gesamten Wirtschaft. Gut so, weitermachen!

Bei der zweiten Alternative funktioniert’s leider noch nicht richtig – beim richtigen Investieren (statt falsch zu sparen). Klar, Null-Zins-Mario erschwert deutschen Verbrauchern die private Altersvorsorge. Und noch ein Grundsatz der aktuellen Geldpolitik verunsichert zur Zeit viele, die Geld auf die hohe Kante legen wollen (oder schon haben): Die EZB will eine höhere Inflationsrate im Euro-Raum. Da fragt sich mancher Sparer, ob sein Geld später tatsächlich noch für eine Wohnung reichen wird oder vielleicht nur noch für eine Garage. Von unseren Verbraucherschützern wurde dazu gestern anlässlich des „Weltverbrauchertags“ ganz schön gejammert. Nee, nicht dauernd nach dem Gesetzgeber rufen, sondern sich aktiv um Aufklärung über Chancen und und Risiken der Geldanlage bemühen! Jeder fortgeschrittene Anleger weiß: Wissen ist der beste Schutz vor schlechter Beratung und verhindert viele Enttäuschungen – ohne (Markt-)Risiken geht allerdings nix.

Wer so denkt, kommt sicher auf die langfristige Aktienanlage, gerade auch für die eigene Altersvorsorge. Und er verliert die „German Angst“, die Angst der Deutschen vor der Inflation. Momentan probt die Börse ja die Stabilisierung. Übrigens: Nach dem Februarhoch ist das Angstbarometer der Amis, der Volatilitätsindex VIX, von 28 auf 17 Punkte gesunken. Ähnlich erging es unserem Pendant VDax. Trotzdem bleiben die meisten Investoren misstrauisch: Noch nie wurden an der Wall Street so viele Absicherungen gegen stärker schwankende Kurse abgeschlossen wie gerade jetzt. Hey, macht das auch so (bei langen Sparplänen nicht nötig)! Und bitte nicht vergessen, dass sich mein Plädoyer für Unternehmensbeteiligungen nicht nur auf die Anlageklasse Aktie direkt bezieht, sondern auch entsprechende alternative Instrumente einschließt – von aktiven / passiven Fonds über Derivate und Zertifikate bis hin zu Wandel- und Unternehmensanleihen.

Post an den Börsenfuchs: boersenfuchs@onvista ( Zum Testbericht).de

Quelle: http://www.onvista.de/news/wissen-ist-wichtiger-als-staatlicher-schutz-27718417

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