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Zahlensalat

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Hallo, Leute! Früher hörte man unter Bekannten bei der Begrüßung schon mal die Frage „Na, wie stehen die Aktien?“ anstelle von „Wie geht’s?“ – es ging dabei nie um die persönliche Börsenbilanz. Früher. Diese Phrase ist inzwischen ausgestorben. Vielleicht auch besser so, denn man müsste sie immer mit einer genauen Zeitangabe verbinden, z.B. „Na, wie standen die Aktien heute am 9 Uhr?“ Ich will damit natürlich auf die anhaltenden hohen Schwankungen eingehen, auf das aktuelle Lieblingswort der Analysten: Volatilität. Aber überhaupt gibt es in diesen Tagen viel Zahlensalat.

Beispiel Aktienmarkt. Gestern erst neues Jahrestief und lange Gesichter, später hat sich der Dax etwas bekrabbelt. Und im Kommentar einer Finanzjournalistin wird dramatisch vorgerechnet, dass deutsche Unternehmen seit dem Aprilhoch ungeheuer viel Geld verloren haben, denn die Überschrift lautet: „400 Milliarden sind verbrannt.“ Heute früh lese ich dann online: „Vorbei ist die miese Stimmung an der Frankfurter Börse. Zumindest vorerst. Vor allem bei den zuletzt arg gebeutelten Autowerten greifen die Anleger wieder zu. Für Optimismus sorgen gute Vorgaben aus Asien. Und allgemein ist nun mal wieder Zeit für eine Erholung.“ Hurra! Ich schreibe diese Zeilen übrigens um 10:31 Uhr. Nur als Hinweis, denn man weiß ja nicht, was der Tag noch so bringt.

Wer sich nicht regelmäßig mit Wirtschaft befasst, greift sich sowieso an die Birne, wenn es ums Kapieren der Zahlen geht – nicht nur um die Börsenkurse. Das Wort „Billionen“ geht einem seit Ausbruch der Welt-Schuldenkrise schon leicht über die Lippen, wobei ein normaler Mensch mit so vielen Nullen gar nicht umgehen kann. Machen wir’s ‘ne Nummer kleiner: Sah es zunächst so aus, als wäre die Investmentbranche von den Privatanlegern wiederentdeckt worden, so liegt seit gestern die Schätzung auf dem Tisch, im August seien europaweit rekordverdächtige 22 Milliarden Euro an aktiv gemanagten Aktienfonds zurückgegeben worden. Viele von Euch, das ist ja schon seit geraumer Zeit meine Sorge, haben einfach die Schnauze voll von Dax & Co., zumindest von schlecht verwalteten Fonds.

Auf der anderer Seite klingt es grotesk, wenn sich die Fachwelt wegen fehlender Inflation ängstigt. Denn jetzt ist es schon wieder passiert – die Preise in Deutschland steigen erstmals seit Monaten nicht mehr. Vor allem wegen des deutlich billigeren Öls stagnierten sie im September: Inflationsrate 0,0 Prozent (gegenüber Vorjahresmonat, vorläufige Zahlen des Statistische Bundesamts). Wo ist das Problem? Wenn die Teuerung im Euroraum nicht auf Touren kommt, muss die EZB fürchten, dass Investoren nun ihre Inflationserwartungen senken. Das Gegenteil will sie aber mit ihrem Anleihekaufprogramm erreichen. Gut möglich, dass die Notenbank es daher Anfang 2016 ausweitet. Den Euro würde das schwächen. Null-Zinsen auf Dauer wäre total ungesund für unsere Wirtschaft insgesamt, aber eine Stütze die Aktienkurse. Aber das gilt nicht für alle. Guckt Euch nur mal die Entwicklung beim Rohstoffkonzern Glencore an!

Na ja, viele von Euch, meine Freunde, sind ihre inzwischen verlustreichen Aktien los geworden – dank Stop-loss. Und freuen wir uns wenigstens über Robert Lewandowski, der sorgt für gute Zahlen!

Post an den Börsenfuchs: boersenfuchs@onvista ( Zum Testbericht).de

Quelle: http://www.onvista.de/news/zahlensalat-14598709

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