Start News Überrenditen erzielen mit ETFs

Überrenditen erzielen mit ETFs

41
renditeetf

Lange Zeit nutzten Investoren Exchange Traded Funds vorwiegend, um in ihrem Portfolio Marktrenditen – also das Beta – abzubilden. Mit dem Ziel, Beta Plus zu generieren, sind ETFs heute allerdings auch in der Lage, Überrenditen zu erzielen.

saschaspeckter
Sascha Specketer

In der Dezember-Ausgabe befasste sich das EXtra-Magazin mit der wachsenden Zahl von aktiven ETFs in den USA und Europa. Ein detaillierter Blick auf die Eigenschaften aktiver ETFs und Beta-Plus-ETFs macht deutlich: Das Abweichen vom klassischen, passiven Ansatz ist für den Investor mit vielen Vorteilen verbunden – er sollte sich aber gleichzeitig auch mit den Besonderheiten und möglichen Nachteilen dieser Produkte vertraut machen.

Beta oder Beta plus

ETF-Anleger haben heute die Wahl zwischen Produkten, die Marktrenditen (Beta) oder eine Überrendite (Beta Plus) anstreben. Obwohl die Zahl aktiv gemanagter ETFs in Europa derzeit noch überschaubar ist, wächst die Zahl passiver Produkte, die versuchen, die Performance etablierter Basiswerte zu übertreffen. Häufig ist in diesem Zusammenhang von „Smart Beta“ oder „Beta Plus“ die Rede. Die Besonderheit: Diese ETFs beziehen sich auf einen Index, dessen Ziel es ist, eine Outperformance gegenüber marktbreiten Börsenbarometern zu erzielen. Zum Beispiel hat Man GLG einen Index entwickelt, der versucht, eine Outperformance gegenüber dem bereiten europäischen Aktienmarkt zu erreichen. Konkret filtert der Index Aktienempfehlungen führender Broker und setzt diese um. Auf diese Weise versucht der Index, eine Outperformance gegenüber dem breiten europäischen Aktienmarkt zu erreichen. Die Suche nach einer Outperformance im ETF-Universum muss also nicht zwingend zum Kauf eines aktiven Produkts führen. Vielmehr bieten auch passive „Beta Plus“-Produkte Anlegern interessante Anlagestrategien.

Auf die Expertise kommt es an

Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen aktiven und passiven ETFs ist die dafür benötigte Expertise und Erfahrung. Viele ETF-Anbieter sind auf die Indexreplikation spezialisiert und verfügen über keinerlei Expertise auf dem Gebiet aktiver Investments. Kooperationen zwischen ETF-Anbietern und Indexmanagern können sich daher als vorteilhaft erweisen und auf beiden Seiten Mehrwert schaffen. Denn auch aktive Manager dürften kaum die operative Erfahrung mitbringen, um einen ETF zu verwalten respektive einen liquiden Sekundärmarkt zu organisieren. Anleger sollten deshalb gerade bei aktiven Produkten darauf achten, dass der ETF-Anbieter eine Lösung anbietet, die durch Erfahrung und Expertise in allen drei Bereichen überzeugen kann.

Die Voraussetzungen müssen stimmen

Es ist allgemein bekannt, dass es vielen aktiven Managern nicht gelingt, ihre Benchmark zu übertreffen. Daher ist es nicht überraschend, dass sowohl aktive Investments als auch „Beta Plus“-Indizes ebenfalls nur unter bestimmten Voraussetzungen oder in bestimmten Marktsegmenten erfolgreich sein können. Insbesondere in stark korrelierten oder sehr transparenten Märkten schneiden passive Investments gegenüber aktiven Strategien sehr gut ab.

Anhand eines Beispiels lässt sich anschaulich zeigen, wie ein mehrwertorientierter Ansatz funktionieren kann: Um eine Überrendite gegenüber einem europäischen Aktienindex zu schaffen, geben führende Broker ihre professionellen Kauf- und Verkaufsempfehlungen an den Betreiber des Beta-plus-Index. Da viele Anleger keinen Zugang zu derartigen Investmentideen haben, birgt ein solcher Ansatz Potenzial für eine Überrendite gegenüber dem breiten europäischen Aktienmarkt.

Ein weiteres Feld, auf dem aktives Management sich bezahlt machen kann, ist der Rentenmarkt. Einerseits können illiquide Bestandteile häufig die Replikation von Fixed-Income-Benchmarks erschweren. Andererseits spielen auch Kreditrisiken für Anleger eine immer größere Rolle. Die Fähigkeit eines Managers, einzelne Wertpapiere gründlich zu prüfen, anstatt der Benchmark blind zu folgen, ist daher sehr wertvoll. Aber vor allem die Tatsache, dass ein guter Manager gerade während einer Niedrigzinsphase Renditechancen ausfindig machen kann, mit denen die Erträge verbessert werden können, ist am Rentenmarkt wesentlich. Nicht umsonst überwiegt daher der Marktanteil von Fixed-Income- ETFs im aktiven ETF-Segment in den USA.

Die Vor- und Nachteile

ETFs stehen für Liquidität, Transparenz und operative Effizienz. Natürlich erwarten Investoren diese Vorteile auch von aktiven sowie „Beta Plus“-Vehikeln. Liquidität während des gesamten Handelstages ist dabei ein wesentliches Merkmal, an dem aktive Produkte jedoch nicht zwingend scheitern müssen. Die Liquidität eines einzelnen Fonds hängt von der Liquidität des zugrunde liegenden Marktes sowie der Handelsaktivität der Market Maker ab, die am Se- kundärmarkt Liquidität bereitstellen. Unter Umständen kann ein aktiv verwalteter europäischer Aktien-ETF deutlich liquider sein und engere Geld-/Briefspannen besitzen als ein passiver in weniger liquiden Märkten positionierter Fonds.

Die Transparenz stellt für aktive ETFs eine größere Herausforderung dar. Obwohl Investoren hinsichtlich der Gebühren und Kosten die volle Durchsichtigkeit erwarten dürfen, kann dies bei den Fondsbestandteilen schwierig sein. Aus gutem Grund: Die Offenlegung der Zusammensetzung in Echtzeit würde es ermöglichen, die zugrunde liegende Strategie nachzubilden, ohne dafür Managementgebühren zu zahlen. Noch problematischer ist, dass eine Veröffentlichung der Positionen für die Strategie unvorteilhafte Handelsaktivitäten auslösen könnte. Typischerweise verfügen aktive Strategien über begrenzte Kapazitäten und gehen mitunter konträre Positionen ein. Mit einer vollständigen Offenlegung in Echtzeit könnte das Outperformance- Potenzial verloren gehen, sobald zu viele Händler dieselben Handelstaktiken aufgreifen würden. Mit all diesen Fragen müssen sich aktive Manager auseinandersetzen, die in Erwägung ziehen, einen ETF oder eine überzeugende Strategie zu lancieren. Natürlich kann es sein, dass für aktive ETFs höhere Gebühren anfallen als für ein passives Produkt aus einem vergleichbaren Marktsegment. Die entscheidende Frage ist allerdings, ob die zusätzlichen Kosten gerechtfertigt sind. Ist der Manager erfolgreich und kann durch eine dauerhafte Überrendite tatsächlich Mehrwert generieren? Nur wenn es dem Fonds gelingt, unter Berücksichtigung sämtlicher Kosten besser abzuschneiden als die Benchmark, lassen sich auch höhere Gebühren absorbieren.

Fazit:

Abschließend ist es wichtig, daran zu erinnern, dass ETFs Investmentvehikel und keine Anlageklasse für sich sind. Es gibt keine Garantie dafür, dass aktive oder passive „Beta Plus“-Produkte eine größere Outperformance erzielen als traditionelle Investmentfonds. Die Transparenz und Flexibilität von ETFs ermöglicht es Investoren jedoch, die Wertentwicklung fortlaufend zu beobachten und ihre Positionen effizienter anzupassen.

TEILEN
Vorheriger ArtikelMexiko ist auf Erfolgskurs
Nächster ArtikelETF-Pressespiegel – KW 17 / 2013
Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.