ETFs Wissen zum Einsatz von ETFs Was sind ATCs (Additional Trading Costs) beim ETF-Handel?

Was sind ATCs (Additional Trading Costs) beim ETF-Handel?

ATC-Kosten – Additional Trading Costs
ATCs fallen beim ETF-Handel zum Nettoinventarwert an.

Beim Kauf von ETFs über Fondsplattformen fallen neben den Ordergebühren der Banken zusätzliche Gebühren, die sogenannten Additional Trading Costs (ATCs), an. Je nach ETF fallen diese unterschiedlich aus. Was bedeutet ATC, wie hoch sind diese Gebühren und was muss ich beim Kauf beachten?

ETFs sind bekanntlich preiswerte Finanzinstrumente. Neben den günstigen laufenden Verwaltungskosten entstehen beim Erwerb von ETFs zusätzliche Handelskosten. Dies sind zum einen die Ordergebühren der jeweiligen Depotbank, zum anderen ist es die Geld-Brief-Spanne (Spread) eines ETFs an der Börse oder die Additional Trading Costs (ATCs) beim Kauf zum NAV.

Im folgenden Beitrag erläutern wir was es mit der ATC-Gebühr auf sich hat und was Anleger dabei beachten müssen.

Was sind Additional Trading Costs (ATCs)?

ETFs werden nicht nur an der Börse gehandelt, sondern auch außerbörslich zum Beispiel bei Fondsplattformen oder Direktbanken. Anders als beim Börsenhandel, wo ETFs innerhalb der Börsenzeiten fortwährend zum aktuellen Preis gehandelt werden und hierbei die entsprechende Handelsspanne (Spread) zu beachten ist, sind bei den Fondsplattformen ETFs nur einmal täglich zum jeweiligen Nettoinventarwert (NAV) handelbar. Statt der Handelsspanne wird dort ein zusätzliches Transaktionsentgelt, die so- genannten Additional Trading Costs (ATC), erhoben. Diese werden vom jeweiligen Market Maker erhoben, welcher im außerbörslichen Handel die An- und Verkaufspreise stellt. Ausgeglichen werden damit Kostenbestandteile, wie Hedging-, Beschaffungs-, Inventory-, Primärmarkt- & Buchungskosten sowie Kommissionen die sonst über die Handelsspanne (Spread) an der Börse beglichen werden.

Wussten Sie schon?: Der Nettoinventarwert eines Fonds wird täglich von der Fondsgesellschaft berechnet und veröffentlicht. Anteile an klassischen Investmentfonds werden nicht zwischen den Anlegern gehandelt, sondern vom Fonds an jeden neuen Anleger ausgegeben oder wieder zurückgenommen, wenn ein Anleger austritt. Diese Fondsanteile werden dann unter Bezugnahme des ermittelten NAVs abgerechnet.

Hintergrund Additional Trading Costs

Damit ETFs möglichst exakt den Index abbilden, müssen die Kosten in den Sondervermögen möglichst gering gehalten werden. Bei klassischen Fonds werden neue Kundengelder zum täglichen Nettoinventarwert in den Fonds eingebucht. Im Anschluss investiert der Fondsmanager die Mittel in die entsprechenden Wertpapiere. Die Kosten, die für diesen Handel entstehen (Gebühren, Spread, etc.) werden aus dem Sondervermögen, d.h. von allen Fondsanlegern bezahlt.

Würde dieser Prozess auch bei ETF angewendet werden, würden die dabei entstehenden Kosten die Indexabweichung massiv erhöhen – die Tracking Qualität des ETFs verschlechtert sich. Um dies zu vermeiden und dennoch einen fortlaufenden Handel zu gewährleisten gibt es bei ETFs eigens beauftragte Market-Maker. Diese sind für eine laufende Preisstellung des ETFs und das Bereitstellen einer ausreichenden Liquidität verantwortlich. Benötigt der Market-Maker am Ende des Tages neue ETF-Anteile, erhält er diese direkt bei der Fondsgesellschaft. Über den sogenannten Creation/Redemption-Prozess erhält er gegen Lieferung von entsprechenden Wertpapieren neue ETF-Anteile ausgehändigt. Der ETF-Anbieter bucht die gelieferten Wertpapiere in das Sondervermögen und gibt dem Market-Maker die neuen ETF-Anteile. Durch diesen Prozess entstehen im Fondsvermögen keine zusätzlichen Kosten.

Warum gibt es die ATC-Gebühr?

Beim ETF-Handel über die Börse kauft der Anleger die ETFs nicht direkt bei der Fondsgesellschaft, sondern von den Market-Makern. Der Lohn des Market-Makers ist der Spread des ETFs der beim Börsenhandel entsteht.

Für Kunden von Fondsplattformen stellt sich die Situation beim ETF-Handel etwas anders dar. Diese kaufen die ETFs nicht über die Börse, sondern zum täglich festgestellten Nettoinventarwert (NAV) der Fondsgesellschaft. Und bei diesem Handel werden die ATCs relevant.

Da Fondsplattformen aufgrund ihrer bestehenden Abwicklungsprozesse meist nur den täglichen Handel zum NAV anbieten, müssen auch ETF-Anteile über diesen Weg bezogen werden. Da der Market-Maker die ETF-Anteile dann aber zum Nettoinventarwert abrechnen muss, würde er seine Aufwände, die er beim Börsenhandel sonst über den Spread verdient, bei diesen Geschäften nicht erstattet bekommen. Aus diesem Grund berechnet der Market-Maker eine zusätzliche Gebühr – die Additional Trading Cost (ATCs).

Die ATC-Gebühr wird auf den Nettoinventarwert aufgeschlagen. Die ATC-Gebühr orientiert sich am Spread des ETFs. Anders als die Handelsspanne (Spread), die flexibel ausgeweitet werden kann, ist die ATC-Gebühr jedoch konstant. Um den Handel kostendeckend auch in volatilen Zeiten oder nach den Kernhandelszeiten gewährleisten zu können, sind die ATC-Gebühren in der Regel etwas teurer als die Spreads zu normalen Börsenzeiten.

Wo bzw. wann fallen ATC-Gebühren an?

Bei Fondsplattformen wie ebase oder der FFB (Fidelity) aber auch Direktbanken wie finvesto ( Zum Testbericht), Wüstenrot oder flatex ( Zum Testbericht) sowie bei einigen Robo-Advisors werden ATC-Gebühren bei der Abwicklung von ETF-Käufen oder auch für ETF-Sparpläne berechnet. Dabei ist flatex ( Zum Testbericht) im Grunde der einzige Broker, der für Sparpläne auf den ATC-Handel setzt. Auf den Websites der Anbieter kann man sich über die Höhe der Gebühr informieren. Da die meisten Banken beim ETF-Handel zum NAV auf die Dienstleistung der Commerzbank ( Zum Testbericht) (als Market-Maker) zurückgreifen, ist die ATC-Gebühr bei den Häusern meist identisch.

Wie hoch sind die ATC-Gebühren?

Anleger sollten sich vor dem ETF-Kauf auf jeden Fall über die Höhe der ATC-Gebühr informieren, denn es gibt bei ETFs auf identische Indizes erhebliche Unterschiede. Ähnlich wie bei der Handelsspanne im Börsenhandel gilt auch hier die Faustformel: Je liquider der ETF, desto niedriger ist die ATC-Gebühr.

Die ATC-Gebühr beträgt im Mittel 0,25 Prozent. Die ATC-Spanne reicht von 0,01 bis 3,0 Prozent. Trotz der enormen Spanne zeigt sich aber, dass die große Mehrheit der ETFs kostengünstig gehandelt werden kann. So werden bei finvesto ( Zum Testbericht) bei rund 270 der insgesamt 448 angebotenen ETFs nur ATC-Gebühren in Höhe von bis zu 0,2 Prozent erhoben. Bei gerade einmal 25 ETFs beträgt die ATC-Gebühr mehr als 0,60 Prozent.

Verteilung der ATC-Gebühren bei ETFs

Additional Trading Cost (Vergleich)
Quelle: finvesto.de, extra-funds.de, Stand: Oktober 2018

ATC-Gebühr für Aktien- und Anleihen-ETFs je Anlageregion

Auch die ATC-Gebühren unterscheiden sich je nach Anlageklasse und Anlageregion. Bei Aktien-ETFs auf Emerging-Markets Indizes sollten Anleger besonders auf die Kosten achten. Diese sind mit 0,47 % fast fünfmal so hoch als die ATC-Gebühr bei Aktien-ETFs aus den Regionen USA und Euroland.

Aktien-ETFs KategorieATC-Gebühr
Europa – All Cap0,23 %
Euroland – All Cap0,10 %
Emerging Markets – All Cap0,47 %
USA – All Cap0,10 %
Welt – All Cap0,21 %
Quelle: finvesto.de, extra-funds.de, Stand: Oktober 2018

 

Die ATC-Gebühr bei Anleihen-ETFs ist im Schnitt rund doppelt so hoch wie bei Aktien-ETFs. Dies liegt im wesentlichen an den höheren Gebühren bei Anleihen-ETFs auf Unternehmensanleihen.

Anleihen-ETFs KategorieATC-Gebühr
Europa0,32 %
Euroland0,19 %
Emerging Markets0,88 %
USA0,51 %
Welt0,53 %
Quelle: finvesto.de, extra-funds.de, Stand: Oktober 2018

ATC-Gebühren beliebter ETFs

ETFWKNATC-Gebühr
Aktien USA
ComStage S&P 500 UCITS ETF IETF0120,05 %
iShares S&P 500 UCITS ETF (Dist)6223910,08 %
Lyxor S&P 500 UCITS ETF D EURLYX0FS0,10 %
Xtrackers S&P 500 Swap UCITS ETF 1CDBX0F20,05 %
Aktien Schwellenländer
ComStage MSCI Emerging Markets TRN UCITS ETFETF1270,37 %
iShares MSCI Emerging Markets UCITS ETF (Dist)A0HGWC0,27 %
LYXOR MSCI Emerging Markets UCITS ETFLYX0BX0,60 %
Xtrackers MSCI Emerging Markets Swap UCITS ETF 1CDBX1EM0,45 %
Aktien Welt
ComStage MSCI World TRN UCITS ETF IETF1100,06 %
iShares Core MSCI World UCITS ETF USD (Acc)A0RPWH0,14 %
iShares MSCI World UCITS ETF (Dist)A0HGV00,14 %
LYXOR MSCI World UCITS ETF D-EURLYX0AG0,10 %
Xtrackers MSCI World UCITS ETF 1CA1XB5U0,35 %
Quelle: finvesto.de, extra-funds.de, Stand: Oktober 2018

ATC-Gebühr: Darauf sollten Sie achten!

  1. Prüfen Sie den Abwicklungsweg der Bank beim ETF-Kauf.
  2. Prüfen Sie die Höhe der ATC-Gebühr für ihre ETFs.
  3. Ändern Sie bei zu hohen ATC-Gebühren den ETF.

Zusammenfassung

Die ATC-Gebühr wird beim ETF-Handel auf den NAV-Kurs des ETFs aufgeschlagen und ist der Lohn des Market-Makers für die Abrechnung zum Nettoinventarwert. Die Höhe der Gebühr orientiert sich am Spread des ETFs beim Börsenhandel. Anleger sollten sich vor der Ordererteilung bei Ihrer Bank informieren wie hoch die ATC-Gebühren sind und ob diese überhaupt erhoben werden. Wenn ja, sollte gegebenenfalls ein anderer ETF mit einer niedrigeren ATC-Gebühr gewählt werden.