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Wertpapierleihe in ETFs

So funktioniert Wertpapierleihe bei ETFs
Hintergrundwissen zum Thema Wertpapierleihe bei ETFs.

Wertpapierleihe in ETFs: Was ist das eigentlich und wie können Anleger davon profitieren?

Wenn ETF-Anbieter ihre Wertpapiere verleihen, können sie die Nettokosten verringern, zusätzliche Erträge generieren und schließlich den Kurs des Index übertreffen. Doch auch wenn die hinterlegten Sicherheiten den Wert der geliehenen Papiere stets übersteigen, bleibt ein gewisses Ausfallrisiko vorhanden. Zudem handhaben ETF-Anbieter ihre Leihgeschäft unterschiedlich – genauso wie die Zurückführung der erwirtschafteten Erträge. Für Anleger sind diese Nuancen entscheidend.

Menschen meiden das, was sie nicht kennen, oft fürchten sie es sogar. Eine Binse, die bei Finanzgeschäften nicht weniger wahr ist, als bei gesellschaftlichen oder politischen Debatten. Blackrock zufolge gibt es bei der Wertpapierleihe an sich wenig zu befürchten. Der Finanzdienstleister sieht in der Wertpapierleihe generell ein wichtiges Instrument an den Finanzmärkten, dass im letzten Jahrzehnt entscheidende Vorteile für Anleger verbucht hat.

Doch trotz unbestreitbarer Vorteile gibt die Wertpapierleihe keine Garantie auf eine verbesserte Performance eines ETF-Portfolios. Für Anleger ist es daher entscheidend die Prozesse hinter diesen Transaktionen zu verstehen, die Risiken genau zu kennen und natürlich zu wissen, wie transparent verschiedene Anbieter die Gewinne daraus in den jeweiligen ETF zurückführen – wie man also als Anleger überhaupt davon profitiert.

Was ist eine ETF-Wertpapierleihe?

Um für ihre Anleger eine bessere Performance zu erzielen, verleihen aktive oder passive Fonds bei einer Wertpapierleihe Teile ihrer Vermögenswerte, also Aktien oder Anleihen, an Dritte, die sogenannten Entleiher. Juristisch betrachtet handelt es sich dabei um einen Sachdarlehensvertrag. Das bedeutet, dass der Besitzer der Wertpapiere, der Verleiher, dem Empfänger des Darlehens (Entleiher) ein Wertpapier für einen vertraglich fixierten Zeitraum überlässt. Wenn aber ein ETF einzelne Papiere innerhalb des Fonds an Dritte verleiht, so kostet das die Entleiher nicht nur eine (Leih-)Gebühr, sondern sie müssen auch Sicherheiten hinterlegen, damit der Fonds vor Risiken wie einer Zahlungsunfähigkeit geschützt ist.

Eine tägliche Neubewertung dieser Sicherheiten sowie eine genaue Überprüfung der Entleiher sollen das Ausfallrisiko bestmöglich minimieren. Falls sich der Entleiher tatsächlich als zahlungsunfähig erweisen sollte, kann der Fonds die eingeforderten Sicherheiten jederzeit verkaufen, um entstandene finanzielle Verluste wieder wettzumachen.

Wie funktioniert eine Wertpapierleihe und welche Prozesse sind für Anleger relevant?

In der Regel sind es größere Finanzinstitute, die bei ETF-Anbietern anfragen, um Wertpapiere aus einem ETF-Fonds zu leihen, um die geliehenen Aktien zu verkaufen. Während des Zeitraums der Leihe spekulieren die Entleiher darauf, die bereits verkaufte Aktie zu einem späteren Zeitpunkt günstiger zurückzukaufen und sie dann wieder an den Fonds zurückzuzahlen. Fallen während der Leihe Dividenden oder Zinserträge für das entliehene Wertpapier an, überweist der Entleiher die entsprechenden Beträge an den Fonds.

Die Fondsgesellschaft, die den ETF betreibt, erhebt für diesen Zeitraum eine Leihgebühr und verlangt gewisse Sicherheiten, um sich gegen Zahlungsausfälle abzusichern. Bei diesen Sicherheiten handelt es sich i.d.R. um gut bonierte Unternehmensanleihen (A+ oder höher), Staatsanleihen der G-10-Staaten, oder Aktien aus anerkannten OECD-Märkten. Die Entleiher benötigen ebenso ein hohes Rating (A oder höher). Außerdem dürfen nur maximal 30 Prozent der Sicherheiten aus einer Quelle stammen. Nach dem Eingang der Sicherheiten überlässt die Fondsgesellschaft dem Entleiher die gewünschten Wertpapiere. Verwahrt werden diese Sicherheiten separat, also getrennt von den Vermögenswerten des Fonds. Das Geschäft der Wertpapierleihe endet damit, dass der Fond nach Erhalt seiner verliehenen Wertpapiere die hinterlegten Sicherheiten an das Finanzinstitut zurückgibt.

So läuft Wertpapierleihe bei ETFs ab:

  1. Ein Finanzinstitut (Entleiher) stellt eine Anfrage, ein Wertpapier von einem ETF auszuleihen. Die Fondsgesellschaft verlangt im Gegenzug Sicherheiten in Form von Aktien oder Staatsanleihen.
  2. Nach Erhalt der Sicherheiten übergibt die Fondsgesellschaft das auszuleihende Wertpapier.
  3. Die Sicherheit wird zugunsten des Fonds separat verwahrt.
  4. Fallen während der Leihe Dividenden oder Zinserträge an, überweist der Entleiher diese Beträge an den Fonds.
  5. Am Ende des Leiheprozesses muss der Entleiher die Wertpapiere an den Fonds zurückgeben.
  6. Nach erhalt der Wertpapiere gibt der Fonds die Sicherheiten zurück.

Quelle: iShares

Welche Vorteile versprechen sich ETF-Anbieter von einer Wertpapierleihe?

Hier stellt sich die große Frage nach dem Warum? Zunächst können Fondsgesellschaften durch eine ETF-Wertpapierleihe zusätzliche Ertragsquellen erschließen. Schon allein die erhobene Leihgebühr kommt der Wertentwicklung des ETF-Portfolios zu Gute. Die Höhe der Gebühr hängt jeweils von der Anlageklasse und der Nachfrage ab. Zudem können Fonds durch das Leihgeschäft auch steuerlich profitieren, da Gebühren vom Fiskus geringer veranschlagt werden als Kapitalerträge. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn der Entleiher die Zinsen oder Dividenden des Wertpapiers in Form von Gebühren an die Fondsgesellschaft entrichtet.

Beispiel: Erträge aus der Wertpapierleihe für ausgewählte ETFs

ETFKumulierte Erträge aus WP-Leihe (in BP)
2013 - 2017
Kumulierte Erträge aus WP-Leihe (in BP)
2015 - 2017
Erträge aus WP-Leihe (Q1 2018, in BP)Verwaltungsgebühren des ETFs (in BP)Kostenersparnis durch Wertpapierleihe
iShares MSCI World UCITS ETF USD (Dist)15,88,82,8506 %
iShares S&P 500 UCITS ETF USD (Dist)2,62,10,678 %
iShares MSCI EM UCITS ETF USD (Dist)29,320,75,5757 %
iShares MSCI EM Small Cap UCITS ETF USD (Dist)183,9137,348,77466 %
iShares MSCI Japan Small Cap UCITS ETF USD (Dist)94,961,622,75839 %
iShares $ Treasury Bond 7-10yr UCITS ETF USD (Dist)60,938,012,12060 %
Aus dieser Tabelle können Sie beispielhaft entnehmen, welche Erträge mir Wertpapierleihe erzielt werden können. Die Daten wurden uns von iShares zur Verfügung gestellt.

Abseits der Gebühren profitieren die Fonds besonders von den hinterlegten Sicherheiten, die den Wert der verliehenen Aktien stets übersteigen. Dadurch steigt die Liquidität des Fonds kurzfristig an. Da die meisten ETFs sehr viele Wertpapiere halten, bieten die Sicherheiten und die Einnahmen aus den Leihgebühren eine einfache Möglichkeit, den Nettoinventarwert und somit die Performance des ETFs zu steigern. Denn durch die generierten Zusatzerträge und die Reduktion der Fondskosten wird das Tracking des Index schließlich optimiert.

Welche Risiken entstehen dabei?

Wertpapierleihen nutzen Leerverkäufer, um auf fallende Kurse zu wetten. Geht die Wette des Entleihers nicht auf, besteht das Risiko, dass der Entleiher die entliehene Wertpapieren nicht zurückzahlen kann. Wie bereits erwähnt fangen die Sicherheiten dieses Ausfallrisiko ab. Doch dafür müssen die als Sicherheit hinterlegten Wertpapiere liquide und von hoher Qualität sein. Für den Anleger ist das zugegebenermaßen schwer zu durchblicken, aber die meisten Fonds gehen transparent mit den Auswahlkriterien um, nach denen entschieden wird, welche Entleiher und Sicherheiten überhaupt in Frage kommen.

Große Verleiher wie zum Beispiel Blackrock lassen Finanzinstitute und Entleiher regelmäßig von Risikospezialisten bewerten. Teilweise werden maximal zugelassene Volumina der Ausleihe im Vorhinein festgeschrieben. Zudem geben viele Verleiher ihren Anlegern eine Garantie: Sollte der Entleiher ausfallen, und sollten die hinterlegten Sicherheiten zur Tilgung des entstandenen Schadens nicht ausreichen, dann springt der Fond (Verleiher) als Schuldner ein und begleicht den Fehlbetrag aus eigener Tasche.

Um diese Risikoquelle zu reduzieren, werden i.d.R. nur Unternehmen mit einem guten Rating und anerkannten Risikomanagement als Entleiher akzeptiert. Private Anleger sollten daher bei ihren Entscheidungen sowohl das Risikomanagement als auch die Transparenz der Wertpapierleihe des jeweiligen Anbieters berücksichtigen.

Wie können Anleger das Risiko richtig einschätzen?

Zunächst einmal gilt: Die Performance eines ETFs in der Vergangenheit – genauer gesagt: die Frage, wie regel- und zahlenmäßig das Portfolio den Index schlagen konnte – kann als Indikator für zukünftige Ergebnisse gelten und sollte bei der Auswahl des Produkts herangezogen werden, wenngleich es nicht das einzige Kriterium sein sollte. Auch erfolgreiche Anlagen bergen schließlich Risiken.

Gemäß UCITS, der europäischen Fonds-Richtlinie, dürfen tatsächlich alle Wertpapiere (100 %), die in einem Fond gebündelt sind, verliehen werden. In der Praxis setzen sich die großen Fondsgesellschaften aber eigene Obergrenzen. Die tatsächliche Quote, zum Beispiel bei UBS ETFs, liegt bei 50 % des Nettoinventarwertes. Für Anleger ist hierbei entscheidend: Je mehr Prozent der Wertpapiere aus dem Nettoinventarwert verliehen werden, desto höher ist das Ausfallrisiko.

Da bei der Wertpapierleihe Aktien oder Anleihen verliehen werden, besteht grundsätzlich das Risiko, dass der Entleiher die entliehenen Wertpapiere nicht zurückgeben kann. In diesem Fall verwendet die Fondsgesellschaft die vom Entleiher gestellte Sicherheit dazu, die verliehenen Wertpapiere zu ersetzen. Um das Risiko für die Anleger so gering wie möglich zu halten, müssen die als Sicherheit bereitgestellten Wertpapiere von hoher Qualität und sehr liquide sein.

Auch wenn die Sicherheiten dazu dienen, den möglichen Bankrott eines Entleihers abzusichern, lohnt auch hier der Blick auf die verschiedenen Anbieter. Alle ETF-Anbieter übertragen ihre Sicherheiten zwar auf ein separates, unabhängiges Sicherheitskonto oder Depot, aber der Prozentwert, der Auskunft darüber gibt, wie hoch die jeweiligen Wertpapierleihgeschäfte „überversichert” werden, schwankt von Anbieter zu Anbieter. Bei UBS ETF sind es mindestens 105 %, bei BlackRock mindestens 102,5 % der entliehenen Stücke.

Wertpapierleihe bei ETFs

Es gibt feine Unterschiede wie die ETF-Anbieter Wertpapierleihe betreiben. Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede dar.
ETF-AnbieterWird Wertpapierleihe durchgeführt?Wieviel wird maximal verliehen?Wieviel Sicherheiten müssen gestellt werden?Wieviel % der Erträge wird dem Fonds gutgeschrieben?Welche Sicherheiten werden akzeptiert?
BNP ParibasNein----
ComStageNein----
FidelityNein (derzeit)----
InvescoNein----
iSharesJa100 %102,50 - 112 %62,50 %Aktien, Staatsanleihen, Barmittel
LyxorJamax. 25 % (Ausnahme Japan ETFs)105 % Anleihen
110 % Aktien
65 %Aktien, Staatsanleihen
Statestreet (SPDR)Ja, bei 22 Aktien-ETFsmax. 70 %105 - 110 % (Aktien)
102 - 105 % (Staatsanleihen)
70 %Aktien, Staatsanleihen
UBSJa, aber nur Aktien-ETFsmax. 50 %, bei Euro Stoxx 50 max. 25 % mind. 105 %60 %Aktien, Staatsanleihen
VanguardJamax. 10 %mind. 105 %100 %Staatsanleihen

Worauf Anleger bei der Auswahl achten sollten: Transparenz!

Der Verleiher hat das Recht, die herausgegebene Wertpapierleihe täglich zu kündigen. Da sämtliche Darlehen und Sicherheiten täglich zu den aktuellen Marktpreisen neu bewertet werden, wird sichergestellt, dass der Nominalwert der gestellten Sicherheiten (vom Entleiher) laufend an das potenzielle Risiko angepasst wird. Deshalb ist die Transparenz bei der Wertpapierleihe so entscheidend. Wir empfehlen Anlegern daher, ihren ETF-Anbieter bei der Wertpapierleihe auf die Finger zu sehen. Für Anleger besonders interessant sind vor allem die Gebühren, die erhoben, die externen Vermittler, die bezahlt, und natürlich die zurückfließenden Gewinne, die – je nach Anbieter ganz unterschiedlich – zurückgeführt werden.

Um die Transparenz ihres Anbieter richtig einzuschätzen, sollten folgende Information leicht zugänglich sein und überprüft werden:

  • Ein Jahresbericht zu den Angaben zu den Erträgen aus der Wertpapierleihe
  • Listung der Kosten, die der Verwaltung des Programms dienen
  • Erwirtschaftete Erträge aus der Wertpapierleihe (monatlich oder quartalsweise)
  • Der prozentuale Anteil der ausgeliehenen Vermögenswerte
  • Die durchschnittliche Höhe der Überversicherung der Sicherheiten
  • Die erhaltenen Sicherheiten sowie der Sicherheitenrahmen
  • Schließlich eine transparente Auflistung darüber, wie die Gewinne genau verteilt werden

Unser Fazit:

Mit Wertpapierleihe können ETF-Anleger zusätzliche Erträge generieren und damit die Kosten der ETFs reduzieren. Das sorgt für eine genauere Indexabbildung bzw. Tracking Differenz. Die Besicherung mit soliden Staatsanleihen oder werthaltigen Standardwerten und separate Verwahrung der Sicherheiten, bieten einen hohen Sicherheitsstandard. Ausfallrisiken sind durch dieses Vorgehen nahezu ausgeschlossen. Die Verteilung der Wertpapierleiheerträge könnten weiter zu Gunsten der Fondsanleger erhöht werden.