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Abgeltungssteuer: Sammeln für Europa

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Sie wollen ein Europa-Depot aufbauen?  Recht einfach realisieren lässt sich das mit  einem ETF auf den Euro STOXX 50, der führende  Unternehmen aus Euroland zusammenfasst  oder noch besser mit dem STOXX  600, der ein breit diversifiziertes Euro-  Portfolio darstellt, umsetzen. Im Hinblick auf  die kommende Abgeltungssteuer lautet jedoch  die spannende Frage: Sollte der Fonds  die Erträge thesaurieren oder besser ausschütten?  Zu unterscheiden ist dabei ob der  Kauf vor oder nach dem Jahreswechsel  2008/09 erfolgte.

 

Kauf vor dem 1. Januar 2009

Handelt es sich um einen Swap-basierten  ETF – bei diesem wird der Index nicht direkt  durch Aktien nachgebildet, sondern die In  Indexveränderungen werden durch eine Swap-  Partner garantiert (siehe EXtra 07.2008) – fließen die Dividenden dem Fonds im Form  von Kursgewinnen zu. Der Effekt eines solchen  thesaurierenden Swap-ETF: Durch den  Bestandsschutz fallen die Kursgewinne nicht  unter die Abgeltungsteuer (eine Haltefrist von mindestens einem Jahr vorausgesetzt) – auch in ferner Zukunft.

Thesaurierende Swap-ETFs

Seit kurzem bietet auch db x-trackers eine thesaurierende Version des Swap-basierten  ETFs auf den Euro STOXX 50 an. Begründung: „ETFs können eine interessante Möglichkeit  sein, steuereffizient für die Zukunft zu  investieren. Anleger müssen vor 2009 in einen  ETF investieren und diesen länger als ein Jahr halten, um die Abgeltungssteuer in  Höhe von 25 Prozent auf anfallende Kursgewinne  zu vermeiden“, sagt Thorsten Michalik, verantwortlich für die db x-trackers – Deutsche Bank Exchange Traded Funds. Wer ein diversifiziertes Europa-Portfolio aufbauen  will, findet derzeit von ComStage noch weitere thesaurierende Swap-ETFs. Darunter einen auf den Euro STOXX 50 und einen auf den STOXX 600.

Kauf ab dem 1. Januar 2009

Bislang galt generell: Zinsen und Dividenden,  die in thesaurierenden Fonds wieder  angelegt wurden, sah der Fiskus als „ausschüttungsgleich“ an, obwohl sie dem Anleger  gar nicht als Ausschüttung zuflossen. Als  Folge dieser „Zuflussfiktion“ waren Erträge  jährlich zu versteuern. Die Zuflussfiktion bleibt auch nach Einführung  der Abgeltungssteuer bestehen. Damit  droht Anlegern von inländischen thesaurie  renden Fonds eine Doppelbesteuerung. Denn  bei diesen Fonds erhöhen die während des  Geschäftsjahres anfallenden Erträge stetig  den Anteilswert. Bei einem Verkauf fällt der Veräußerungsgewinn und die daraus resultierende Abgeltungssteuer somit höher aus.  Gleichwohl hat der Anleger die fortlaufenden  Erträge bereits aufgrund der Zuflussfiktion  versteuert. Die schon jährlich entrichteten  Steuern müssen daher auf die Abgeltungssteuer  angerechnet werden. Depotführende  Stellen und Fondsgesellschaften sind deshalb  gezwungen, entsprechende Abrechnungen  und Belege mitunter Jahrzehnte aufzubewahren.  Fazit: Bei in Deutschland aufgelegten  Fonds unterliegen Zinsen oder Dividenden,  egal ob sie ausgeschüttet oder thesauriert werden, der Abgeltungssteuer. Ein Unterschied  besteht nur bei der Veranlagung – exakt aufgerechnet wird bei thesaurierenden Fonds erst später. Anders verhält es sich mit Veräußerungsgewinnen  auf Fondsebene. Sie fallen bei Ausschüttung  unter die Abgeltungsteuer, sofern  die Wertpapiere nach dem 31. Dezember  2008 erworben oder Termingeschäfte erst danach abgeschlossen wurden. Dagegen  sind nicht-ausgeschüttete Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren, Termingeschäftsgewinnen und Stillhalterprämien nicht steuerbar. Steuerpflichtig werden sie erst bei Veräußerung  des Fondsanteils, da sie bereits im  Rücknahmepreis enthalten sind. Insofern erhält  ein Anleger, der nach 2008 einen thesaurierenden Swap-ETF kauft eine Steuerstundung.

Thesaurierend

Thesaurierende Fonds sammeln die im Fonds-Portfolio anfallenden Erträge wie Dividenden und legen diese innerhalb  des Fonds wieder an.    

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