Ist Fundamental Indexing erfolgversprechend?

Anleger setzen gerne auf Indizes, die anhand von fundamentalen Kriterien zusammengestellt wurden. Marc Sattler, Junior-Dachfondsmanager bei Veritas, erläutert, ob ob Fundamental Indexingkonzepte funktionieren. Grundlage für die Einführung kapitalgewichteter Indizes war die von Markowitz entwickelte Portfoliotheorie. Es gibt aber immer wieder neue Ansätze, dieses Modell zu widerlegen. Mit neuen Anlagestrategien wird versucht, eine höhere Rendite bei gleich bleibendem oder sogar sinkendem Risiko zu erwirtschaften.

Fundamental Indexation

Eine spezielle Form innovativer Anlagestrategien stellt Fundamental Indexation dar. Diese Art der Indexbildung soll mögliche Nachteile kapitalgewichteter Indizes ausgleichen, indem die Gewichtung nicht nach Marktwert erfolgt, sondern anhand von fundamentalen Kennzahlen (Umsatzerlöse, Cash-Flow, absolute Dividendenhöhe und Buchwert eines Unternehmens werden gleichgewichtet). Die enorme Entwicklung der verwalteten Vermögen in RAFI Indizes scheint den Erfindern Recht zu geben. Von ca. 400 Millionen US-Dollar im Jahr 2004 ist das in RAFI Indizes verwaltete Vermögen im zweiten Quartal 2009 auf über 20 Milliarden US-Dollar gestiegen. Die Fundamental Indexer gehen davon aus, dass der Kurs einer Aktie einen Fehler enthält, auch noise genannt. Er setzt sich also aus „noise“ und dem wahren Wert des Unternehmens zusammen. Das bedeutet, dass Preise automatisch um den Fair Value schwanken. Langfristig wird dieser Fehler durch den mean-reversion Effekt null. Dadurch sollten Preisineffizienzen in einem großen Portfolio irrelevant sein. Es bleibt allerdings ungeklärt, was genau die Ursache von noise ist, es können einmal versteckte Risiken, aber auch Verhaltensmuster sein. Der Size- und Value- Effekt soll jedoch laut Arnott und Hsu durch noise verursacht werden, womit die Gewichtung nach der Marktkapitalisierung nicht effizient wäre.

Risiken bei Indexinvestments

Am deutschen Aktienmarkt lässt sich ein solches Beispiel in der VW-Stammaktie finden. Durch die Spekulationsgeschäfte von Porsche war sie am 28.10.2008 zeitweise über 1.000 Euro Wert und damit mit circa 300 Milliarden Euro, das wertvollste Unternehmen der Welt. Zurzeit hat VW eine Marktkapitalisierung von circa 31 Milliarden Euro. Allerdings dürfte sich der ökonomische Fußabdruck von VW nicht in diesem Maße verändert haben. Bleibt die Frage nach dem realen Erfolg des Fundamental Indexings. Hierzu gilt es zwischen Anleger- und Index-Perspektiven zu unterscheiden. So schlägt der FTSE RAFI Developed 1000 Index zwar den MSCI World Index im Zeitraum Januar 2000 bis Juli 2009 kumuliert um 25,51 Prozent, jedoch ist bereits der MSCI World Value Index 39 Prozent besser als der RAFI Index. Im Vergleich mit einem simplen Dividenden-Index, auch einem fundamentalen Ansatz, erzielt der DJ STOXX Global Select Dividend 100 eine Outperformance von 106,88 Prozent.

Fazit

Fundamentale Indizes als einen generell besseren Index anzusehen, fällt schwer. In empirischen Analysen erzielt der Fundamental Index in der Regel zwar eine bessere Rendite als eine Gewichtung anhand der Marktkapitalisierung, allerdings erzielen bereits einfache Dividenden Indizes meist eine höhere Überschussrendite. Auch die Idee, dieses Konzept als einen besseren passiven Index zu deklarieren, scheint eher unangebracht, da sich regelmäßige Eingriffe und subjektive Selektionskriterien eher nicht damit vereinbaren lassen. So könnte zum Beispiel eine andere oder umfangreichere Sammlung von Unternehmenskennzahlen ebenfalls eine bessere Performance liefern.

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