Diversifikation im Portfoliokontext

Schon früher kannte man den Spruch „Nicht alle Eier in einen Korb legen“, welcher auch im Portfoliokontext gilt. Diversifikation ist das zentrale Mittel um Wertschwankungen eines Portfolios zu senken. Eine Faustregel besagt, dass zwei Wertpapiere zur Diversifikation ausreichend geeignet sind, sobald deren Korrelation kleiner als 0,8 ist. Durch Diversifikation des Portfolios kann das Risiko bei gleichbleibender Rendite gesenkt werden, alternativ kann bei gleichem Risiko eine höhere Rendite erzielt werden.

Der Diversifikationseffekt

Ein anderer Weg sich den Nutzen der Diversifikation klar zu machen, ist wenn man sich die 3 übergeordneten Arten von Wertpapierrisiken anschaut – nämlich das Einzeltitelrisiko, das Asset-Klassen Risiko und das marktbezogenen Risiko. Das Einzelwertrisiko bezeichnet das unternehmensspezifische Risiko wenn man die Aktie eines Unternehmens kauft, z.B. das Risiko, dass das Unternehmen in einen Skandal verwickelt wird und wirtschaftlichen Schaden trägt. Dieses Risiko kann man durch Diversifikation ausschalten. So bieten gerade ETFs eine gute Möglichkeit, dass Einzelwertrisiko auszuschalten, da sie häufig ganze Märkte abbilden, eine Vielzahl verschiedener Aktien im Portfolio haben und somit breit diversifiziert sind. Das Asset-Klassen Risiko bezeichnet das Risiko einer ganzen Anlageklasse, z.B. der Asset-Klasse Aktien. Dem Asset-Klassen Risiko wird dadurch begegnet, dass nicht nur in eine Anlageklasse (z.B. Aktien) investiert wird, sondern dass beispielsweise auch Anleihen, Rohstoffe und Immobilien in das Portfolio mit einbezogen werden. Das Marktrisiko ist das einzige Risiko, welches sich nicht „wegdiversifizieren“ lässt, denn es geht auf Einflussfaktoren zurück, welche z.B. alle Aktien weltweit betreffen. Das könnte beispielsweise der Ausbruch eines Krieges sein.

Diversifikation und der Einfluss der Korrelation

Wir wollen uns den Diversifikationseffekt an einem Beispiel an schauen. Zwei Aktien A und B haben jeweils eine erwartete Rendite von 7% p.a. und eine erwartete Volatilität von 20% p.a. Ein Investor, welcher nicht an Korrelationen von Aktienrenditen denkt, könnte auf die Idee kommen, dass es egal ist in welchem Verhältnis er in die beiden Wertpapiere investiert. Im Hinblick auf die erwartete Rendite stimmt das auch, denn egal in welchem Verhältnis in Aktie A und B investiert wird, die erwartete Rendite ist in diesem Fall immer 7%. Wir wollen aber zeigen, dass die Korrelation der beiden Wertpapiere stark das Risiko des Depots bestimmt und dass die optimale Aufteilung 50% Aktie A und 50% Aktie B entspricht.

Das Beispiel zeigt, dass bei einer Korrelation kleiner 1 Risiko im Portfolio „wegdiversifiziert“ werden kann, d.h. das Portfoliorisiko ist kleiner als die Einzelrisiken der Wertpapiere. Insbesondere verschwindet das Risiko bei einer „optimalen“ Wertpapierkorrelation von -1 komplett. Die Aufteilung 50:50 auf die Aktien A und B hat gegenüber einer 60:40 bzw. 80:20 Mischung ein geringeres Risiko von 0,15% bzw. 1,25%, bei einer fixen Korrelation von 0,4.

Diversifikation im Portfoliokontext

Effiziente Portfolios

Dies führt zu einer Erkenntnis, welche der Intuition vieler Menschen widerspricht. Durch die Hinzunahme riskanter Wertpapiere mit Korrelation kleiner 1, lässt sich das Portfoliorisiko verringern. Das heißt ein Wertpapier, welches für sich allein genommen möglicherweise sehr riskant ist, kann im Portfolio zu einer Verringerung des Risikos führen. Ein optimales Portfolio aus Staatsanleihen und Aktien ist also weniger riskant als ein reines Portfolio aus Staatsanleihen!

Ein Beispiel verdeutlicht dieses scheinbare Paradoxon. Betrachten wir dazu zwei Anlageformen A und B. Anlage A hat eine erwartete Rendite von 3% bei einer Volatilität von 6%, Anlage B hat eine Rendite von 7% bei Volatilität 12%. Die Korrelation betrage -0,4.

Investiert man sein gesamtes Vermögen in Anlage A, so bekommt man – wie angenommen – eine erwartete Rendite von 3% bei einer Volatilität von 6%. Bei einer Wanderung auf der Kurve vom Punkte „100% Anlage A“ aus Richtung „100% Anlage B“ wird nach und nach das Portfolio umgeschichtet bis man beim Punkt „100% Anlage B“ ankommt (7% Rendite bei 12% Volatilität). Man sieht, dass wenn man bei 100% Anlage A startet und dann die riskante Anlage B zum Portfolio hinzufügt, reduziert sich das Risiko. Das Portfolio mit dem geringsten Risiko ergibt sich bei einer Mischung von 70% Anlage A und 30% Anlage B. Mit diesem Mix erzielt man eine Rendite von 4,2%, also mehr als bei 100% Investition in Anlage A, und das mit geringerem Risiko. Erhöht man dann den Anteil der riskanten Anlage B weiter, so steigt das Portfoliorisiko wieder an. Erst ab einem Anteil von 55% von Anlage B ist das Risiko des Portfolios höher als bei einem reinen Portfolio aus Anlage A. Man erzielt jedoch mit dem 45% A / 55% B eine Rendite von über 5% im Vergleich zu 3% bei 100% Anlage A.

Die Schlüsselrolle der Asset Allokation

Diversifikation lohnt sich definitiv und eine gesunde Beimischung auch riskanterer Wertpapiere (z.B. Aktien, Rohstoffe, REITs) lohnt sich immer. Untersuchungen haben übrigens ergeben, dass 90% der Rendite eines Portfolios durch die Diversifikation auf verschiedene Anlageklassen zustande kommt. Nur ein Bruchteil der Rendite kommt durch Market-Timing, Einzeltitelanalyse, aktives Portfoliomanagement usw. zustande.

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