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Der Countdown läuft

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Die Zeit wird knapp. In wenigen Tagen – am 1. Januar 2009 – tritt die Abgeltungssteuer in Kraft. Auch wenn der Aktienmarkt derzeit nicht gerade zum Einstieg lockt, sollten Anleger die verbleibende Zeit noch für einen gründlichen Portfolio-Check nutzen. Bekanntlich bleiben nur noch wenige Handelstage, um ein letztes Mal die Chance auf steuerfreie Kursgewinne zu wahren. Hintergrund ist die Bestandsschutzregelung für Aktien, Fonds und ETFs. Wer noch in diesem Jahr investiert, zum Beispiel mit einem DAX ETF, muss auf spätere Veräußerungsgewinne keine Abgeltungssteuer zahlen, sondern kann sie – eine Mindesthaltedauer von zwölf Monaten vorausgesetzt, steuerfrei einfahren.

 

Klare Verschlechterung

Wer dagegen erst nach dem Jahreswechsel ordert, muss auf realisierte Kursgewinne unabhängig von der Haltedauer automatisch 25 Prozent Abgeltungssteuer (zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer) zahlen. Das zeigt: Das neue Steuerregelung führt bei Aktien, Fonds und ETFs zu einer klaren Verschlechterung gegenüber der heute noch geltenden Steuerfreiheit bei einer Mindesthaltedauer von zwölf Monaten.

Beispielrechnung

Was das genau bedeutet, veranschaulicht folgendes Beispiel: Aktuell notiert der DAX bei 4500 Punkten. Angenommen der Index legt in den kommenden fünf Jahren auf 7200 Punkte zu. Das entspricht einem Kursgewinn von 60 Prozent beziehungsweise 9,9 Prozent pro Jahr. Bei einem Einstieg vor 2009 müsste dieser Ertrag nicht versteuert werden. Aus einem Einsatz von 10.000 Euro wäre in fünf Jahren ein Kapital von 16.000 Euro geworden.

Weniger Nachsteuerrendite

Bei einem Einstieg nach dem Jahreswechsel (und damit auch nach dem Systemwechsel bei der Kapitalbesteuerung) würde auf den erzielten Gewinn hingegen die 25-prozentige Abgeltungssteuer erhoben. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer sollen in diesem Beispiel unberücksichtigt bleiben. Bei einem Gewinn von 6000 Euro würden also satte 1500 Euro abgeführt. Der Nachsteuergewinn würde folglich auf 4500 Euro zusammenschrumpfen, was eine Anlageperformance von nur noch 45 Prozent beziehungsweise 7,7 Prozent pro Jahr entsprechen würde. Dieses Beispiel spricht eindeutig für eine schnelle Kaufentscheidung. Allerdings werden Skeptiker einwenden, dass die Aktienmärkte aufgrund der Finanzmarktkrise und der eingetrübten Konjunkturperspektiven im neuen Jahr noch weiter abrutschen könnte. Aber selbst dann ist unter Umständen ein sofortiger Kauf besser als ein Einstieg im neuen Jahr. Dazu das gleiche Beispiel, nur unter der zusätzlichen Annahme, dass der DAX im Frühjahr 2009 auf 4100 Punkte abrutscht. Wer bei diesem Tief einsteigt hätte in fünf Jahren bei einem DAX-Stand von 7200 Punkten einen Kursgewinn von fast 76 Prozent erzielt. Der Sofort-Käufer, der zu 4500 Punkten geordert hat, kommt weiterhin auf plus 60 Prozent. Das Bild ändert sich bei einer Nach-Steuer-Betrachtung: Denn beim abwartenden Anleger schrumpft die Rendite nach Abzug der Abgeltungssteuer auf 57 Prozent zusammen.

Entscheidung des Anlegers

Kurzentschlossene fahren also selbst bei moderaten Rückgängen noch besser. Man könnte es auch so ausdrücken: Für sie wirkt die Abgeltungssteuer wie ein Sicherheitspuffer. Im obigen Beispiel liegt der Break-Even bei 4000 DAX-Punkten. Ob es sich rechnet, noch in diesem Jahr einzusteigen, liegt also letztlich im Blickwinkel des Betrachters. Die verbleibenden Tage verstreichen zu lassen, ohne noch einmal das Für und Wider von Aktienkäufen nach den Regeln der alten Steuerwelt abzuwägen, wäre aber in jedem Fall fahrlässig.

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