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Fakten über das Investieren in Erdgas

Erdgas ist ein fossiler, gasförmiger Brennstoff, der in Reinform farb-, form- und geruchlos ist. Es handelt sich dabei um ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffgasen, das in erster Linie aus Methan besteht. Erdgas ist brennbar, verbrennt sauber und hat einen hohen Energiegehalt.

Erdgas wird in Gasquellen auf der ganzen Welt gefördert und normalerweise in Pipelines transportiert. Ist ein Pipeline-Transport nicht möglich, z. B. über große Entfernungen, wird Erdgas in Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) umgewandelt. Dazu wird es stark abgekühlt, als Flüssigkeit auf Tankschiffen transportiert und schließlich am Zielhafen mittels Erwärmung wieder in seinen gasförmigen Zustand zurückverwandelt. Bevor Erdgas als Brennstoff verwendet werden kann, ist eine umfangreiche Verarbeitung erforderlich.

Erdgas wird vor allem zum Heizen und zur Stromerzeugung verwendet und kommt in den Branchen Papier- und Zellstoffe, Metalle, Chemie, Erdölraffination, Stein, Kies und Glas, Kunststoffe sowie in der Lebensmittelverarbeitung zum Einsatz. Außerdem ist Erdgas ein wichtiger Rohstoff für die Produktion von Ammoniak, das zur Düngemittelherstellung verwendet wird. Nachdem Erdgas ursprünglich als Nebenprodukt der Ölexploration galt, hat es sich mittlerweile zu einer effizienten, umweltfreundlichen und günstigen Alternative für Rohölprodukte entwickelt.

Investieren in Erdgas: Marktübersicht

Erdgas-Angebot

In den letzten zehn Jahren ist die weltweite Erdgasförderung um 33 Prozent gestiegen. Die beiden größten Erdgasproduzenten sind die USA und Russland. Sie waren im Jahr 2012 zusammen für 38 Prozent der weltweiten Gesamtproduktion verantwortlich. Regional entfällt ein Großteil des Angebotsanstiegs auf die wachsende Förderung im Nahen Osten, wo die Erdgasmenge seit 2002 um 121 Prozent zugenommen hat. In einigen europäischen Staaten ist sie dagegen in den letzten zehn Jahren zurückgegangen, während die Förderung in Russland nur moderat gestiegen ist. Die USA produzierten in den Jahren 2010/2011 und 2011/2012 dagegen 7 Prozent bzw. 5 Prozent mehr Erdgas, was auf die zunehmende Gewinnung von Schiefergas zurückzuführen war. Die Schiefergasförderung ist eine entscheidende Ursache für den deutlichen Rückgang der Erdgaspreise in den USA.

Erdgas-Nachfrage

Erdgas verzeichnet von allen fossilen Brennstoffen die weltweit am stärksten wachsende Nachfrage. So wird von 2010 bis 2040 mit einem Anstieg des Verbrauchs um 64 Prozent2 gerechnet, der zu einem Großteil auf der Nachfrage in den Entwicklungsländern beruht. Die größten Erdgasabnehmer sind die USA und Russland. Sie waren im Jahr 2012 zusammen für 34 Prozent der weltweiten Gesamtnachfrage verantwortlich. Der Anteil von China am globalen Verbrauch ist zwar mit rund 4 Prozent nur relativ gering, allerdings ist die chinesische Nachfrage in den letzten zehn Jahren um 392 Prozent gestiegen. Dies verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Konjunkturentwicklung und Erdgasverbrauch. Erdgas gilt als umweltfreundlicher als beispielsweise Kohle und wird in erheblichem Umfang in der Energieversorgung sowie in der Industrie verwendet. Beide Branchen sind zusammen für 77 Prozent des prognostizierten Anstiegs des weltweiten Verbrauchs zwischen 2010 und 2040 verantwortlich.

Erdgas-Handel

Der Erdgashandel durchläuft gerade eine Phase der Veränderung, die durch die Einführung neuer Fördermethoden bedingt ist, darunter die Exploration von Schiefergas und LNG. Zwischen 2000 und 2010 hat sich der Handel mit LNG mehr als verdoppelt. Im Jahr 2012 ging der Großteil der Erdgasexporte in den asiatisch-pazifischen Raum, wobei Japan nach dem Atomunfall in Fukushima 36 Prozent1 der weltweiten Gesamtimporte auf sich vereinte. Das Unglück von Fukushima hatte in Japan eine Distanzierung von der Kernenergie in Gang gesetzt. Der Handel mit LNG nimmt zwar zu, allerdings macht der Erdgastransport über Pipelines nach wie vor mehr als zwei Drittel des weltweiten Gashandels aus. In den USA ist der Importbedarf durch die steigende Erdgasförderung gesunken, und es wird geschätzt, dass sich die USA bis 2020 zu einem Netto-Exporteur von Erdgas entwickeln werden. Grund dafür sind die zunehmenden Exporte über Pipelines nach Mexiko.

Wichtige Faktoren und Trends

Saisonale Schwankungen

Die Nachfrage nach Erdgas leidet unter saisonal bedingten Schwankungen und ist wetterabhängig. Änderungen der Witterungsbedingungen und der Klimaprognosen können daher erhebliche Auswirkungen auf die Erdgaspreise haben. Im Jahr 2009 heizten rund 50 Prozent der US-Haushalte mit Erdgas. Da im Winter die größte Nachfrage besteht, erreichen die Erdgasvorräte in der Regel vor Winterbeginn ihren Höchststand und werden dann in den Wintermonaten allmählich verbraucht. Je nach Härte des Winters schwankt die Nachfrage und damit der Preis, was sich in der wöchentlichen Entwicklung der Vorratsniveaus niederschlägt.

US Gas Market

Aufgrund der beschränkten Infrastruktur ist der Weltmarkt für Erdgas traditionell fragmentiert, sodass es eine Reihe von unterschiedlichen Gashandelsplätzen (Hubs) gibt, wie z. B. Henry Hub (USA), NBP (Großbritannien) und LNG (Japan). Auch wenn Henry-Hub-Erdgas aus den USA streng genommen nicht die globale Referenzsorte ist, wird sie von Indizes, die die Erträge von Erdgas-Futures nachzubilden versuchen, oft als Benchmark herangezogen. Diese wird weitgehend vom Angebot und der Nachfrage in den USA bestimmt. In den letzten Jahren hat sich Erdgas in den USA aufgrund des neu geförderten Schiefergases im Vergleich zu den anderen internationalen Hubs stark verbilligt. Dadurch steigt die Nachfrage nach US-amerikanischem Erdgas in anderen Teilen der Welt. In den kommenden Jahren könnten sich die internationalen Erdgaspreise allerdings zunehmend annähern, sollte der weltweite LNG-Handel zunehmen.

LNG und Schiefergas

Die LNG-Produktion ist mittlerweile kosteneffizienter geworden und hatte im Jahr 2012 einen Anteil von 32 Prozent1 am weltweit gehandelten Gas. Allerdings ist der US-amerikanische Gasmarkt seit jeher relativ isoliert vom Rest der Welt, und die LNG-Importe und -Exporte sind verglichen mit den Märkten in Asien und Europa vergleichsweise klein. Für die jüngste Reduzierung der LNG-Importe in den USA war vor allem die höhere eigene Produktion verantwortlich, in erster Linie von Schiefergas.

Schiefergas bildet sich in Tonsteinformationen und wird mittels Fracking gefördert. Mit einem Anteil von mittlerweile 39 Prozent an der gesamten US-Erdgasförderung gleicht es rückläufige Fördermengen aus anderen US-Gasquellen aus und senkt den Importbedarf der USA. Dadurch hat sich die Menge an verfügbaren Gasressourcen deutlich erhöht, was zu einem Rückgang der Erdgaspreise beigetragen hat.

Verbindung zu Öl

Gaskontrakte, vor allem in Europa und Asien, sind traditionell an den Preis von Öl gekoppelt. Seit einigen Jahren zeichnet sich jedoch eine Tendenz hin zu einer Indexierung der Gaspreise ab. Dies hat in gewisser Weise zu einer Entkoppelung der Erdgas- und Ölpreise beigetragen. Da immer mehr europäische und asiatische Kontrakte eine Gasbindung aufweisen, besteht die Möglichkeit, dass die internationalen Preise die Fundamentaldaten des zugrunde liegenden Rohstoffs angemessener widerspiegeln. So werden derzeit etwa in Japan einige auslaufende an den Ölpreis gebundene Kontrakte neu ausgehandelt und künftig an den Henry Hub-Erdgaspreis gekoppelt, in der Hoffnung, dass dadurch die Importkosten sinken.

Investieren in Erdgas

Aktien

Anleger können indirekt in Erdgas investieren, indem sie Aktien börsennotierter Unternehmen kaufen, die in den Bereichen Exploration, Raffination, Transport und Handel von Erdgas tätig sind. Die Ertragskraft von Erdgasunternehmen wird zum Teil von den Erdgaspreisen beeinflusst, sodass sich hohe Erdgaspreise in der Regel in den Gewinnen der Unternehmen widerspiegeln sollten. Beispiele für multinationale Unternehmen, die ein Engagement in Erdgas ermöglichen, sind unter anderem ExxonMobil (USA), Royal Dutch Shell (Großbritannien) und Gazprom (Russland).

Futures

Der am weitesten verbreitete Terminkontrakt ist der Henry Hub Natural Gas Future, der an der Chicago Mercantile Exchange (CME) gehandelt wird. Der Preis für den Erdgas-Future basiert auf Erdgas zur Auslieferung am Henry Hub in Louisiana. Die Kontraktgröße entspricht 10.000 Mio. British Thermal Units (mmBtu), und der Preis wird in US-Dollar und -Cent pro mmBtu angegeben. Gehandelt wird der Kontrakt zwischen 8.00 Uhr und 13.30 Uhr Central Time.

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des betreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was bedeutet, dass die Terminkurve aufsteigend verläuft, und was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Konstellation wird als „Contango“ bezeichnet. Sind die erworbenen Kontrakte dagegen billiger als die verkauften (fallende Terminkurve), ist dies aus Sicht der Anleger positiv. Einen solchen Kurvenverlauf nennt man „Backwardation“. Die Verluste bzw. Gewinne, die aus dem Rollen von Terminkontrakten entstehen, werden allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet. Erdgas-Futures haben in den letzten Jahren eine hohe negative Rollrendite verzeichnet.

Börsengehandelte Produkte (Exchange Traded Products)

Erdgas-ETPs bilden Indizes nach, die ein kontinuierliches Engagement in Erdgas-Futures und ihren Erträgen simulieren. Eine Investition am Kassamarkt für Erdgas ist aus Anlagesicht ungeeignet, da der Rohstoff dann physisch gehalten werden müsste. Wer als Anleger in einen ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Erdgasterminkontrakten ermöglichen, muss daher wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen.

Beispiele für Indizes, die ein Engagement in Erdgas-Futures ermöglichen, sind: Dow Jones–UBS Natural Gas Subindex, S&P GSCI Natural Gas Index, UBS Bloomberg CMCI Natural Gas Index, Rogers International Commodity Index Natural Gas, Barclays Capital Natural Gas Seasonal Index (USA) und Teucrium Natural Gas Fund Benchmark Index (USA).

Weitere Informationen finden Sie auch auf ETF Securities unter ETPedia.

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