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Investieren in Platin und Palladium

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Investieren in Platin und Palladium
Fakten über das Investieren in Platin und Palladium.

Platin und Palladium gehören zu der Gruppe von Metallen, die allgemein als Platinmetalle bezeichnet werden und neben Platin und Palladium auch Rhodium, Ruthenium, Iridium und Osmium umfassen. Diese Metalle kommen in der Regel in derselben Lagerstätte vor und ähneln sich in ihren chemischen Eigenschaften. Platin und Palladium werden von allen Platinmetallen am meisten genutzt und treten im Allgemeinen zusammen mit kleinen Mengen anderer Metalle wie Gold, Kupfer und Nickel auf. Platinmetalle gelten als seltene Elemente oder Edelmetalle.

Die Gewinnung von Platinmetallen erfolgt im Wesentlichen in drei Schritten: Abbau, Schmelzen und Raffination. Der Abbau erfolgt normalerweise unter Tage, da die meisten Vorkommen tief unter der Erdoberfläche liegen. Das geförderte Erz wird zunächst zerkleinert und gemahlen, um die Platinmetallpartikel freizusetzen. Daraus wird anschließend durch Flotation das Metallkonzentrat gewonnen, das wiederum getrocknet und geschmolzen wird. Das daraus entstandene Produkt wird dann raffiniert, d. h. das Platinmetall wird von den anderen Metallen, die zusammen mit ihm vorkommen, getrennt. Die Gewinnung von Platin und Palladium läuft in der Regel sehr ähnlich ab.

Platin und Palladium werden in erster Linie für Fahrzeugkatalysatoren verwendet, kommen darüber hinaus aber auch in anderen industriellen Bereichen zum Einsatz, z. B. in der Chemie-, Elektronik- und Mineralölindustrie, bei der Glasherstellung und in der Zahnmedizin. Außerdem dienen die Metalle zur Schmuckherstellung und als Geldanlage.

Marktübersicht

Angebot an Platin und Palladium

Wichtigster Platinproduzent ist Südafrika. Im Jahr 2012 lag sein Anteil an der weltweiten Platinversorgung bei 72 Prozent. Aufgrund dieser starken Angebotskonzentration haben Veränderungen der südafrikanischen Fördermenge einen wesentlichen Einfluss auf die weltweite Gesamtförderung von Platin. Dies zeigt sich deutlich an der Angebotsentwicklung zwischen 2011 und 2012, als die globale Platinförderung nach Streiks im August und September 2012 um 13 Prozent fiel. Seit 2006 gehen die Fördermengen in Südafrika aufgrund des sinkenden Erzgehalts und der steigenden Förderkosten zurück.

Palladium wird im Wesentlichen in zwei Ländern gefördert: Russland und Südafrika. Diese Staaten waren im Jahr 2012 für 44 Prozent bzw. 36 Prozent des weltweiten Palladiumangebots verantwortlich. Russland hält seit jeher große Vorräte an Palladium, die seit einiger Zeit jedoch zurückgehen. So machten die Verkäufe des russischen Staats in den Jahren 2011 und 2012 nur einen Bruchteil des Angebots aus. Wie hoch die staatlichen Palladium-Vorräte Russlands sind, ist zwar ein Staatsgeheimnis, die meisten Analysten schätzen allerdings, dass die Vorräte mittlerweile auf ein unbedeutendes Niveau gesunken sind. Nordamerika steuert rund 14 Prozent zum weltweiten Palladiumangebot bei.

Nachfrage nach Platin und Palladium

Die Region mit dem höchsten Platinverbrauch ist Europa. Der Kontinent ist für 25 Prozent der weltweiten Platinnachfrage verantwortlich. Auch China ist mit einem Anteil von ebenfalls rund 25 Prozent an der globalen Nachfrage ein bedeutender Platinkonsument. Zwischen 2002 und 2007 hat der weltweite Platinverbrauch kontinuierlich zugenommen, bevor er 2008–2009 aufgrund des Wirtschaftsabschwungs schließlich stark eingebrochen ist. Seitdem erholt sich der Verbrauch, und im Jahr 2012 ist er um 18 Prozent gestiegen. 2013 soll den Schätzungen zufolge dank der starken industriellen Nachfrage ein Allzeithoch erreicht worden sein. Im Jahr 2012 entfielen rund 40 Prozent der weltweiten Platinnachfrage auf die Schmuckherstellung und etwa 30 Prozent auf die Produktion von Katalysatoren.

Die weltweite Nachfrage nach Palladium hat in den letzten zehn Jahren stark zugenommen und ist dank des hohen Bedarfs zur Herstellung von Fahrzeugkatalysatoren um 91 Prozent gestiegen. 2012 machte der Verbrauch von Palladium für Fahrzeugkatalysatoren knapp mehr als die Hälfte der Gesamtnachfrage aus. Dahinter folgten mit jeweils 12 Prozent der Einsatz zu Anlagezwecken und in der Elektronikindustrie.

Wichtige Faktoren und Trends

Förderbeschränkungen

Die Rentabilität der Platinmetallbergwerke leidet immer noch unter steigenden operativen Kosten. Hier sind insbesondere die Lohnkosten zu erwähnen, die eine unberechenbare und erhebliche Belastung darstellen können. 2012 lagen die operativen Kosten der Platinförderung im Schnitt bei 1.826 USD je Unze und damit um 10 Prozent höher als im Vorjahr. Aufgrund der sinkenden Volumen und der steigenden Kosten geht die Wirtschaftlichkeit der Platinbergwerke zunehmend zurück. Eine Reihe bedeutender Bergbauunternehmen wie Anglo American Platinum hat bereits strategische Veräußerungen angekündigt, um die Kostenspirale in den Griff zu bekommen.

Konzentration des Angebots

Angesichts der geografischen Konzentration des Angebots an Platinmetallen können Probleme wie staatliche Markteingriffe, geopolitische Instabilität, unzuverlässige Infrastruktur und soziale Spannungen in Südafrika und Russland die Förderung dieser Metalle über einen längeren Zeitraum deutlich beeinträchtigen und sich damit auch auf die Preise auswirken. Probleme auf der Angebotsseite, darunter Arbeitsniederlegungen und Produktrationalisierungen, haben einen erheblichen Einfluss auf den Platinpreis. Vor allem die Streiksaison, die im Juni beginnt, kann zu kurzfristigen Preisanstiegen bei Platinmetallen führen. Besonders empfindlich reagiert das weltweite Palladiumangebot auf Veränderungen der Vorräte in Russland, deren Dezimierung in den Jahren 2012 und 2013 zu einem Rückgang der Volumen geführt hat.

Automobilindustrie

Die Automobilindustrie ist ein bedeutender Abnehmer von Platin und Palladium, da beide Metalle für Fahrzeugkatalysatoren benötigt werden. In Katalysatoren für Benzinmotoren wird entweder Platin oder Palladium in Verbindung mit Rhodium verwendet, während bei Diesel-Katalysatoren und -Feinstaubfiltern in erster Linie Platin zum Einsatz kommt. Letztere benötigen zudem fünf bis zehn Mal so viel Platinmetalle wie ihre Benzin-Pendants.

Die steigende Nachfrage in China, Indien und anderen Schwellenländern sowie die weltweite Verschärfung der Emissionsvorschriften haben die Nachfrage nach Fahrzeugkatalysatoren und den darin verwendeten Platinmetallen gestützt. Während der Automobilabsatz in Europa im Zeitraum 2012–2013 schwach ausgefallen ist, hat er in China von verschiedenen staatlichen Stützungsmaßnahmen profitiert, darunter ein von den zuständigen Verantwortlichen genehmigtes Subventionspaket. Laut Schätzungen des chinesischen Verbands der Automobilhersteller wurden 2013 in China mehr als 20 Mio. Fahrzeuge verkauft.

Investieren in Platin und Palladium

Münzen und Barren

Eine Möglichkeit, physisch in Platin und Palladium zu investieren, ist der Kauf von Münzen oder Barren über Edelmetallhändler. In den USA und Europa gibt es verschiedene Raffineriebetriebe, die kleine Platinbarren mit einem Gewicht von bis zu einem Kilo (32,15 Feinunzen) für Anlagezwecke herstellen.

Aktien

Eine weitere Anlagemöglichkeit bieten Aktien von börsennotierten Unternehmen, die im Bereich der Platin- und Palladiumgewinnung tätig sind. Die beiden bedeutendsten Platinunternehmen der Welt sind Anglo American Platinum Ltd. und Impala Platinum Holdings Ltd. Sie kommen zusammen auf einen Weltmarktanteil von 63 Prozent. Das größte Platinunternehmen ist MMC Norilsk Nickel OJSC mit einem Marktanteil von 42 Prozent.

Futures

Terminkontrakte auf Platin und Palladium werden an der New York Mercantile Exchange (NYMEX) und am London Platinum and Palladium Market (LPPM) gehandelt. Die Platin-Futures der NYMEX tragen das Kürzel „PL“, und ihre Kontraktgröße entspricht 50 Feinunzen. Ihr Preis wird in US-Dollar und -Cent je Feinunze angegeben. Die Palladium-Futures der NYMEX tragen das Kürzel „PA“, und ihre Kontraktgröße entspricht 100 Feinunzen. Beide Kontrakte werden mittels physischer Lieferung glattgestellt.

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des betreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Marktkonstellation ist unter dem Namen „Contango“ bekannt. Andererseits können die gekauften Kontrakte auch günstiger sein als die verkauften Kontrakte, was aus Anlegersicht positiv ist. In diesem Fall spricht man von „Backwardation“. Der Preisunterschied wird allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet.

Börsengehandelte Produkte (Exchange Traded Products)

Platin- und Palladium-ETPs sind entweder physisch besichert oder nicht. Das Ziel von physisch besicherten Produkten besteht darin, eine Rendite zu erwirtschaften, die den Spotpreisbewegungen von Platin und Palladium (abzüglich der jeweiligen Verwaltungs- und Lagerungsgebühren) entspricht. Physisch besicherte Platinmetallprodukte sind durch eine entsprechende Anzahl an Barren besichert, die in einem Tresor verwahrt werden. Der London Platinum and Palladium Market (LPPM) stellt sicher, dass der Markt für den Metallhandel einheitlichen Standards entspricht, indem er Mindestanforderungen für die Qualität der Metalle festlegt und die Lagerung überprüft.

Produkte ohne physische Hinterlegung (Swap-basierte Produkte) bilden Indizes nach, die ein kontinuierliches Engagement in Platin- und Palladium-Futures und ihren Erträgen simulieren. Wer als Anleger in einen ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Terminkontrakten auf Platin und Palladium ermöglichen, muss wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen. Beispiele für Indizes, die ein Engagement in Platin-Futures ermöglichen, sind der Dow-Jones UBS Platinum Subindex, der Bloomberg CMCI Platinum Index und der S&P GSCI Platinum Index.

 

Weitere Informationen finden Sie auch auf ETF Securities unter ETPedia.

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