Investieren in Rohöl.
Fakten über das Investieren in Rohöl.

Rohöl ist ein natürlicher, fossiler Brennstoff, der in bestimmten Gesteinsformationen in der Erde vorkommt. Dabei handelt es sich um ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffen, die mittels Raffination zu Mineralölzeugnissen, wie beispielsweise Benzin, Kerosin, Gasöl und Schweröl, verarbeitet werden. Laut der US-amerikanischen Energy Information Administration (EIA) war Öl in den letzten Jahrzehnten die wichtigste Primärenergiequelle der Welt.

Weltweit werden viele unterschiedliche Varianten von Rohöl gefördert, deren Eigenschaften jeweils von den geologischen Bedingungen abhängen. Aufgrund der Vielfalt an Rohölsorten wird Öl anhand bekannter Referenzindizes bewertet und gehandelt. Die beiden wichtigsten Referenzsorten für den weltweiten Handel von Rohölterminkontrakten sind Brent-Rohöl und WTI-Rohöl (West Texas Intermediate). Beides sind leichte und süße Rohölsorten (niedrige Werte bei Dichte und Schwefelgehalt), aus denen sich ein größerer Anteil leichter Produkte wie Benzin, oder Kerosin gewinnen lässt als aus anderen Sorten, und dafür nicht so stark raffiniert werden müssen.

Die Preise von Rohöl werden durch ein kompliziertes Geflecht aus angebots- und nachfrageseitigen Einflüssen, geopolitischen Ereignissen und dem zunehmend stärkeren Handel an den Kassa- und Terminmärkten bestimmt. Auch das Verhalten der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) kann den Ölpreis erheblich beeinflussen.

Marktübersicht

Rohöl-Angebot

Zwischen 2002 und 2012 nahm die Rohölförderung weltweit um 15 Prozent zu , wobei der größte Anstieg im Nahen Osten verzeichnet wurde (wo einige große OPEC-Produzenten sitzen). Hier erhöhte sich das Angebot um 29 Prozent. Im Jahr 2012 waren Saudi-Arabien, Russland und die USA die drei größten Ölproduzenten. Von 1988 bis 2008 ging das Ölangebot in den USA um 44 Prozen. Dieser Trend kehrte sich jedoch im Jahr 2009 um, da die Förderung von Schieferöl (auch als Light Tight Oil bezeichnet) und andere technische Entwicklungen die US-Produktion zwischen 2008 und 2012 um 23 Prozent steigen ließen. Die USA werden Saudi-Arabien voraussichtlich im Jahr 2016 als größter Ölproduzent der Welt ablösen. Auch wenn die Gesamtproduktion der Nicht-OPEC-Staaten in diesem Zeitraum zunehmen dürfte, wird die OPEC – und insbesondere Saudi-Arabien – vermutlich der wichtigste Ausgleichsproduzent (Swing Producer) der Welt bleiben.

Rohöl-Nachfrage

In den vergangenen zehn Jahren hat der Ölverbrauch weltweit um 14 Prozent zugenommen, wobei die stärksten Anstiege im Nahen Osten und im asiatisch-pazifischen Raum verzeichnet wurden. Die Länder mit dem höchsten Ölverbrauch waren 2012 die USA und China . In China stieg die Nachfrage zwischen 2002 und 2012 um 94 Prozent, während der Verbrauch in den USA dagegen zurückging. Der Verbrauch in den Nicht-OPEC-Staaten wird künftig voraussichtlich stark von der wirtschaftlichen Entwicklung in Asien beeinflusst werden. Dabei dürfte der stärkste absolute Nachfrageanstieg von China und Indien ausgehen und zwischen 2010 und 20402 verzeichnet werden. Auch der Verbrauch in den OPEC-Staaten im Nahen Osten dürfte zunehmen. Hier sind vermutlich das Bevölkerungswachstum, steigende Löhne und eine höhere Industrieproduktion die Gründe.

Rohöl-Handel

Öl ist derzeit der am meisten gehandelte Rohstoff weltweit. Der Welthandel hat in den letzten zehn Jahren um 24 Prozent1 zugenommen, wobei 86 Prozent des weltweiten Anstiegs des Handelsvolumens im Jahr 2012 auf die Netto-Ölimporte von China entfielen. Die größten Importeure von Öl waren 2012 die USA, Europa und Japan. Der Import von Öl in den USA geht seit 2008 zurück, und dieser Trend könnte mit der zunehmenden nationalen Förderung und der sinkenden Nachfrage infolge der wachsenden Kraftstoffeffizienz anhalten. Japan ist dagegen stark auf die Einfuhr von Öl angewiesen: 2012 wurden 99,4 Prozent des japanischen Ölverbrauchs mit Importen gedeckt.

Es wird prognostiziert, dass die USA ihren Bedarf an Ölimporten aufgrund des anhaltenden technischen Fortschritts und der zunehmenden Ölförderung im eigenen Land möglicherweise verringern können und künftig eventuell eine größere Rolle als Exporteur spielen werden. Unterdessen werden die Exporte aus dem Nahen Osten und Russland, den derzeit bedeutendsten Exporteuren von Rohöl, voraussichtlich weiterhin dazu beitragen, die steigende Ölnachfrage in Asien bedienen zu können.

Investieren in Rohöl: Wichtige Faktoren und Trends

OPEC

Die OPEC ist eine zwischenstaatliche Organisation von zwölf ölexportierenden Ländern, die versuchen, durch eine koordinierte und einheitliche Ölpolitik ihre Förderung zu steuern. Gegenwärtig entfallen rund 40 Prozent der globalen Ölversorgung und 60 Prozent des weltweiten Handels mit Rohöl auf die Mitgliedstaaten der OPEC. Somit können sich Schwankungen des Marktanteils und die überschüssigen Förderkapazitäten der OPEC auf den Rohölpreis auswirken. Zudem können geopolitische Probleme in bestimmten OPEC-Ländern das Angebot kurzfristig verknappen, was häufig zu einem starken Anstieg der Ölpreise führt.

Neue Fördermethoden

Das starke Wachstum der Schieferöl- und Ölsandförderung in Nordamerika hat das globale Ölangebot seit 2012 gestützt und rückläufige Fördermengen der Ölfelder der Nordsee zum Teil kompensiert. Einen besonders starken Einfluss auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage hat das Wachstum der Schieferölförderung in den USA, da 80 Prozent des Nicht-OPEC-Angebots aus den USA stammen. Außerhalb der USA steckt die Schieferölförderung noch in den Kinderschuhen. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass es weltweit verteilt große Vorkommen an Schieferöl gibt, die sich technisch fördern lassen.

WTI-Brent-Spread

Öl wird weltweit gehandelt, und der Preisunterschied zwischen US-amerikanischem Rohöl und international gehandelten Referenzsorten war bis vor kurzem noch recht gering. In der Vergangenheit notierten WTI- und Brent-Rohöl fast auf dem gleichen Niveau, aber in den letzten zwei Jahren hat sich der Preisunterschied (Spread) mehrmals sowohl ausgeweitet als auch verringert. Verantwortlich für die jüngsten Schwankungen des WTI-Brent-Spread waren im Wesentlichen zwei Faktoren: strukturelle Veränderungen mit steigender Förderung in Nordamerika und geopolitische Instabilität im Nahen Osten.

Rohölvorräte

Eine wichtige Rolle in der weltweiten Ölversorgung spielt der Einsatz von gelagerten Ölbeständen, den sogenannten Ölvorräten, um Angebotsengpässe auszugleichen. Anders als bei anderen Rohstoffen können Ölproduzenten neben neu gefördertem Öl auch auf Vorräte zurückgreifen, um die Nachfrage zu decken. Damit können etwa unerwartete Angebotsengpässe aufgrund von geopolitischen Krisen überbrückt werden. Als Teil der Angebotsmenge sind die Ölvorräte oft ein guter Indikator für den vom Markt ausgehenden Druck auf den Ölpreis.

Investieren in Rohöl

Aktien

Anleger, die in Öl investieren möchten, können dies über börsennotierte Unternehmen aus den Sektoren Ölexploration, -produktion und -handel tun. Die Vielfalt der gehandelten Ölaktien ist groß, und auf dem Markt für Ölaktien finden sich unter anderem große Ölunternehmen wie ExxonMobil, Royal Dutch Shell und BP.

Futures

Es gibt zwei wesentliche Referenzsorten für Rohöl: WTI und Brent. Terminkontrakte für Rohöl werden an verschiedenen Börsen gehandelt, von denen die größten die Warenterminbörse NYMEX der CME Group sowie die ICE und DME sind. Die beiden liquidesten Terminkontrakte sind der NYMEX WTI Crude Oil Future („CL“) und der ICE Brent Crude Future („B“). Die Kontraktgröße für beide Futures entspricht jeweils 1.000 Barrel, und ihr Preis wird in US-Dollar und -Cent je Barrel angegeben. Gehandelt werden sie zwischen 9.00 Uhr und 14.30 Uhr ostamerikanischer Zeit (Eastern Time).

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des betreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was bedeutet, dass die Terminkurve aufsteigend verläuft, und was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Konstellation wird als „Contango“ bezeichnet. Sind die erworbenen Kontrakte dagegen billiger als die verkauften (fallende Terminkurve), ist dies aus Sicht der Anleger positiv. Einen solchen Kurvenverlauf nennt man „Backwardation“. Die Verluste bzw. Gewinne, die aus dem Rollen von Terminkontrakten entstehen, werden allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet.

Börsengehandelte Produkte (Exchange Traded Products)

Zahlreiche Rohöl-ETPs bilden Indizes nach, mit denen ein kontinuierliches Engagement in Rohöl-Futures und ihren Erträgen simuliert wird. Eine Investition am Kassamarkt für Rohöl ist aus Anlagesicht ungeeignet, da der Rohstoff dann physisch gehalten werden müsste. Wer als Anleger in einen ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Rohölterminkontrakten ermöglichen, muss daher wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen.

Den Anlegern stehen diverse ETPs zur Verfügung, mit denen sie ein kontinuierliches Engagement in Rohöl-Futures und den entsprechenden Erträgen simulieren können. Mit ETPs können sich Anleger sowohl in den nächstfälligen als auch in länger laufenden WTI- und Brent-Futures und -Indizes engagieren, die ihr Engagement je nach Preis und fundamentalen Faktoren anpassen. Beispiele dafür sind die Brent Oil Futures (1 Monat, 1 Jahr, 2 Jahre) und die Rohöl-Subindizes Dow Jones-UBS Brent und Dow Jones-UBS WTI.

Weitere Informationen finden Sie auch auf ETF Securities unter ETPedia.

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