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Investieren in Zucker

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Investieren in Zucker
Fakten über das Investieren in Zucker.

Zucker (Saccharose) gehört zu der übergeordneten Gruppe der Kohlenhydrate und zeichnet sich durch seinen süßen Geschmack aus. Ihren Anfang nahm die Zuckerproduktion in Asien. Die spanischen und portugiesischen Kolonien sorgten später für die weitere Verbreitung in aller Welt. Christoph Kolumbus brachte das Zuckerrohr in die Karibik. Von dort aus erreichte die Zuckerproduktion Brasilien, den heute größten Zuckerhersteller. Investieren in Zucker findet heute auch unter spekulativen Gesichtspunkten statt.

Zucker wird aus zwei Rohstoffen gewonnen: Zuckerrohr und Zuckerrüben. Zuckerrohr benötigt ein tropisches Klima und wächst in Teilen Südasiens, Südamerikas und der Karibik. Zuckerrüben werden in Regionen mit gemäßigtem Klima angebaut, zu einem großen Teil auch in Europa. Etwa 75 Prozent des Zuckers werden aus Zuckerrohr hergestellt. Rohzucker und raffinierter (weißer) Zucker sind zwei verschiedene Produkte, die beide international gehandelt werden. Zuckerrüben anbauende Länder exportieren raffinierten Zucker, während Zuckerrohrproduzenten entweder Rohrzucker oder raffinierten Zucker ausführen. Die Differenz zwischen den Marktpreisen für Rohzucker und Weißzucker wird als Weißzuckerprämie bezeichnet.

Zucker wird zwar in erster Linie als Lebensmittelrohstoff für Haushalt und Industrie genutzt, ist jedoch auch ein effizienter Ausgangsstoff für die Ethanolproduktion.

Investieren in Zucker – Marktübersicht

Zucker-Angebot

Zwischen 2008 und 2013 hat sich das weltweite Zuckerangebot um 22 Prozent erhöht1. Dieser Anstieg ist im Wesentlichen auf das Produktionswachstum bei den größten Zuckerherstellern zurückzuführen. In diesem Zeitraum ist die Produktion in Brasilien um 21 Prozent und in Indien um 71 Prozent gestiegen. 2012/13 waren die wichtigsten Zuckerproduzenten Brasilien, Indien und die Europäische Union. Für den Zeitraum 2013 bis 2022 wird ein weltweites Wachstum der Zuckerproduktion von ca. 1,9 Prozent pro Jahr bei mäßig steigenden Ernteerträgen prognostiziert. Zu beachten gilt, dass das Zuckerangebot von den Wetterbedingungen abhängig ist. In Indien zum Beispiel unterliegt die jährliche Zuckerproduktion aufgrund des Monsuns oft starken Schwankungen.

Zucker-Nachfrage

Zwischen 2008 und 2013 erhöhte sich die Weltnachfrage nach Zucker um 15 Prozent1, wobei vor allem in Asien ein starkes Wachstum zu verzeichnen war. In diesen fünf Jahren stieg die Nachfrage in Thailand um 30 Prozent, in Indien um 23 Prozent und in China um 20 Prozent. In Europa fiel das Nachfragewachstum innerhalb dieses Zeitraums mit 15 Prozent etwas schwächer aus1. 2012/13 waren die wichtigsten Zuckerabnehmer Indien, die Europäische Union und China. Prognosen zufolge wird die weltweite Nachfrage nach Zucker in den kommenden zehn Jahren um ca. 1,9 Prozent pro Jahr steigen. Einen großen Wachstumsbeitrag werden dabei die Regionen Afrika und Asien leisten, die ein Zuckerdefizit aufweisen.

Zucker-Handel

Die weltweiten Importe stiegen zwischen 2008 und 2013 um 23 Prozent. Dies war vor allem auf den Handel in Asien zurückzuführen, wo die zunehmende Nachfrage nach zuckerbasierten Produkten teilweise durch Importe gedeckt wurde. Innerhalb des Fünfjahreszeitraums beeindruckte insbesondere China mit einem Importwachstum von 253 Prozent. Die beiden größten Zuckerimporteure EU und USA verzeichneten dagegen ein nur geringes Importwachstum.

In den Jahren 2012/13 machte der weltweite Export 32 Prozent der Gesamtproduktion aus. Der Exportmarkt wird von einigen wenigen großen Anbietern bestimmt, wobei Brasilien die Führungsposition innehat. 2012/13 war das Land für fast die Hälfte der weltweiten Exporte verantwortlich. Beträchtliche Schwankungen der jährlichen Produktion haben dazu geführt, dass sich Indien zeitweise vom größten Importeur zum zweitgrößten Exporteur entwickelt hat. Diese Schwankungen haben die Volatilität am Weltzuckermarkt beträchtlich erhöht. In den kommenden Jahren dürfte die Exportentwicklung maßgeblich von den Zuckerrohrproduzenten in Schwellenländern wie Brasilien und Thailand bestimmt werden.

Wichtige Faktoren und Trends

Bioethanol-Produktion in Brasilien

Bioethanol wird durch Fermentation von Zuckern hergestellt. Das durch die Vergärung entstandene reine Ethanol kann als Kraftstoff für Motorfahrzeuge verwendet werden. Brasilien ist der größte Produzent von zuckerrohrbasiertem Ethanol. Das Land setzt fast die Hälfte seiner Zuckerproduktion zur Gewinnung von Ethanol für den Inlandsverbrauch ein. Die Abschaffung der US-Zölle auf Importe von zuckerrohrbasiertem Ethanol aus Brasilien sowie zwischenstaatliche Übereinkommen zur Förderung des Einsatzes erneuerbarer Energien könnten sich als Wachstumstreiber der Biokraftstoffindustrie und insbesondere der Bioethanol-Exporte aus Brasilien erweisen.

Internationale Handelspolitik

Nach Schätzungen der IntercontinentalExchange werden weniger als 50 Prozent der weltweiten Zuckerproduktion auf einem freien Markt gehandelt. Der internationale Zuckermarkt ist maßgeblich durch staatliche Subventionen für inländische Produzenten und Handelszölle gekennzeichnet. In den USA zum Beispiel werden ausländische Importe durch Marktkontrollen und Zollkontingente streng kontrolliert. Auch die Gemeinsame Agrarpolitik der EU ist ein Beispiel für eine protektionistische Handelsbarriere. Durch beträchtliche Subventionen für Zuckerproduzenten in der EU wird ein Überangebot auf dem Markt begünstigt.

Zuckerersatz

Zuckerersatz wie Glukose-Fruktose-Sirup (GFS), der für viele gesüßte Getränke verwendet wird, findet als Alternative zu Zucker in verschiedenen Endprodukten Anwendung. Prognosen zufolge dürfte die Nachfrage nach GFS von 2013 bis 2022 um 15 Prozent zunehmen und womöglich den Marktanteil von Zucker schmälern. Da in vielen Industrie- und Schwellenländern das wachsende Problem der Übergewichtigkeit zu einem gesundheitspolitischen Thema geworden ist, könnte die Verwendung von Süßungsmitteln als Ersatz für Zucker an Bedeutung gewinnen.

Investieren in Zucker

Aktien

Investieren in Zucker: Anleger können ein indirektes Engagement im Zuckermarkt eingehen, indem sie in börsennotierte Unternehmen investieren, die im Bereich der Zuckerproduktion tätig sind. Zu den weltweit größten Zuckerproduzenten zählen die folgenden Unternehmen: Südzucker AG (Deutschland), Cosan Ltd. (Brasilien) und die Muttergesellschaft von British Sugar PLC, Associated British Foods (GB).

Futures

Die beiden größten Terminbörsen befinden sich in New York (Rohzucker) und London (Weißzucker). Der ICE Sugar No. 11-Kontrakt mit dem Kürzel „SB“ ist die globale Benchmark für Rohzucker. Die Kontraktgröße entspricht 112.000 Pfund. Gehandelt wird der Kontrakt in US-Dollar und US-Cent je Pfund. Die Kontraktmonate sind März, Mai, Juli und Oktober und die Handelszeiten 7.30-19.00 Uhr GMT (2.30-14.00 Uhr ET).

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des betreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was bedeutet, dass die Terminkurve aufsteigend verläuft, und was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Konstellation wird als „Contango“ bezeichnet. Sind die erworbenen Kontrakte dagegen billiger als die verkauften (fallende Terminkurve), ist dies aus Sicht der Anleger positiv. Einen solchen Kurvenverlauf nennt man „Backwardation“. Die Verluste bzw. Gewinne, die aus dem Rollen von Terminkontrakten entstehen, werden allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet.

Börsengehandelte Produkte (Exchange Traded Products)

Der besten Weg zum Investieren in Zucker sind ETPS. ETPs auf Zucker bilden Indizes nach, die ein kontinuierliches Engagement an Zucker-Futures und seinen Erträgen simulieren. Eine Investition am Kassamarkt für Zucker ist aus Anlagesicht ungeeignet, da der Rohstoff dann physisch gehalten werden müsste. Wer als Anleger in einen ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Zucker-Terminkontrakten ermöglichen, muss daher wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen.

Indizes, die ein Engagement in Zucker-Futures bieten, sind zum Beispiel der Dow Jones–UBS Sugar Subindex, der UBS Bloomberg CMCI Sugar, der Barclays Capital Sugar Pure Beta Index oder der Teucrium Sugar Fund (USA).

Weitere Informationen finden Sie auch auf ETF Securities unter ETPedia.

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