Was ist ein Swap-ETF

Was ist ein Swap-ETF

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Was ist ein Swap ETF
Um einen Index exakt abzubilden, nutzen ETFs verschiedene Abbildungsmethoden: die Swap-Methode ist eine davon.

Indexfonds (ETFs) haben den Anspruch den zugrunde liegenden Index möglichst exakt abzubilden. Erste Möglichkeit: die Indexabbildung direkt durch die Investition in eine repräsentative Auswahl der Indexbestandteile (physische Indexabbildung).

Zweite Möglichkeit: mittels eines Index-Swap (Tauschgeschäft). Bei dem zwei Vertragsparteien miteinander vereinbaren vorab definierte Zahlungsströme auszutauschen. Konkret bedeutet dies bei einem Swap-ETF, dass die Wertentwicklung des Basisportfolios des ETF gegen die Wertentwicklung des abzubildenden Index getauscht wird. Nachdem gerade von Seiten institutioneller Investoren immer höhere Ansprüche an die Effizienz von ETFs gestellt werden, muss der Kostenbelastung und dem Tracking-Error besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Beide Faktoren können mittels Index-Swaps optimiert werden. Dies führt aber auch zu neuen Risiken, die wir im folgendem beleuchten.

Auch Swap-ETFs sind Fonds

Ein ETF ist von seiner rechtlichen Konstruktion ein Investmentfonds der den europäischen Richtlinien zur Auflage eines Investmentfonds (UCITS) unterliegt. Jeder Fonds muss bei Auflage seine Anlagepolitik darstellen. Bei einem Index-Swap ETF sieht die Anlagepolitik eine Investition in einen Aktienkorb (Aktien ETF) oder einen Korb aus Anleihen (Renten ETF) sowie dem Index-Swap vor.

Swap-ETF ist ein guter Tausch

Ein Index-Swap ist ein Tauschgeschäft zwischen zwei Vertragspartnern. Im Bereich der ETFs tauscht der Fonds (das Sondervermögen) die Entwicklung der im Fonds enthaltenen Wertpapiere (Aktien oder Anleihen) gegen die Entwicklung des dem ETF zugrundeliegenden Index. Der Swap-Kontrahent, in der Regel eine Bank, ist verpflichtet, die Performance des Index auf täglicher Basis bereitzustellen. Dies geschieht durch die tägliche Preisveränderung des Swap-Kontraktes.

Gleich ist nicht gleich

Wie bereits erwähnt, investieren ETFs auf Aktienindizes in einen Aktienkorb. Die Zusammensetzung des Aktienkorbes ist in der Regel allerdings nicht mit der Zusammensetzung des Index identisch. Die Zusammensetzung wird eher unter den Gesichtspunkten minimaler Kosten, Steuern und natürlich den gesetzlichen Vorgaben zur Risikostreuung vorgenommen. Das bedeutet dass in einem ETF auf den DAX beispielsweise auch europäische Aktien enthalten sein können. Ein europäischer Renten-ETF kann auch Fremdwährungsanleihen enthalten. Die Wertentwicklung des Aktienkorbes ist für die Entwicklung des ETFs nicht von Bedeutung, denn die Performance des Fonds wird letztendlich durch den Index-Swap mit einer Bank getauscht.

Ein Beispiel verdeutlicht den Prozess bei Swap-ETFs:

Der im Fonds enthaltene Aktienkorb notiert bei 100 Euro. Der zugrunde liegende Index steigt auf 105 Euro. Der Preis des Index-Swap steigt deshalb auf 5 Euro. Im Fonds ergibt sich ein Wert von 105 Euro (Wert des Aktienkorb 100 Euro plus Wert des Index-Swap 5 Euro).

Risiken bei einem Swap-ETF

Aufgrund bestehender Fondsrichtlinien darf der Wert aller Index-Swaps nie mehr als zehn Prozent des Fondsvermögens ausmachen. Das bedeutet, dass der Swap ab einem Wert von zehn Prozent zurückgesetzt werden muss. Dabei wird der Wert des Swap zwischen Fonds und Kontrahent bar ausgeglichen. Danach wird wieder ein neuer Swap vereinbart. Je nach ETF Anbieter wird auf einen oder mehrere Swap-Kontrahenten zurückgegriffen. Der Wert aller Index-Swaps darf aber höchstens ein Zehntel des ETFs betragen. Das Risiko eines Swap-ETFs im Hinblick auf das Kontrahentenrisiko ist also auf zehn Prozent begrenzt. In der Praxis wird dieses Risiko weiter reduziert. Bei den meisten ETF-Anbietern beträgt das durchschnittliche Swap-Risiko nicht mehr als zwei Prozent.

Mehr verdienen mit Swap-ETFs

Diese komplexe Vorgehensweise wird im Hintergrund automatisch durch die Anbieter organisiert. Unterm Strich kann ein Swap-ETF einen Index effizienter abbilden und weisen so einen niedrigeren Tracking-Error auf. Darüber hinaus können durch Index-Swaps auch exotische Märkte und Anlagestrategien wie zum Beispiel Emerging Marktes Indizes oder Short-Strategien kostengünstig realisiert werden. Ein zusätzliches Risiko bei Index-Swap ETFs besteht zwar, bleibt aber aufgrund gesetzliche Höchstgrenzen und einem konservativen Umgang der ETF Anbieter überschaubar.

Begriffserklärung: Swap

Unter Swap wird in der Finanzwelt der Austausch (engl. Swap) von Zahlungsströmen verstanden. Zum Beispiel könnten zwei Vertragspartner einen festen gegen einen variablen Zinssatz tauschen (Zinsswap). Grundsätzlich geht es dabei um die Verlagerung beziehungsweise Optimierung von Risiken.

Kontrahentenrisiko bei einem Swap-ETF

Durch die Verwendung von Swaps können Wertunterschiede entstehen, denn das Basisportfolio und der dem ETF zugrunde liegenden Index entwickeln sich unterschiedlich. Hat das Basisportfolio des ETF aufgrund der Marktentwicklung nun einen niedrigeren Wert, muss der Swap-Partner eine entsprechende Ausgleichszahlung leisten. Sollte dieser nun aufgrund einer Zahlungsfähigkeit seine Verbindlichkeiten gegenüber dem ETF nicht erfüllen, kann dies beim ETF zu Verlusten führen. Zum Schutz des Anlegers ist dieses sogenannte Kontrahentenrisiko aufgrund gesetzlicher Bestimmungen auf maximal 10 Prozent des Fondsvermögens begrenzt.

Vorteile von Swap-ETFs:

  • geringerer Tracking-Error
  • verminderter Administrationsaufwand für den ETF-Anbieter
  • i.d.R. niedrigere Pauschalgebühr (TER)

Nachteile von Swap-ETFs:

  • Kontrahentenrisiko bei Besicherungsausfall
  • mangelnde Transparenz (sofern Basisportfolio nicht veröffentlicht wird)
  • erhöhter Erklärungsbedarf (Funktionsweise)