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Wie werden ETFs besteuert

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Wirtschaftsprüfer Reinhard Schmid über die steuerliche Behandlung von ETFs und zu ihren steuerlichen Vorzügen gegenüber Zertifikaten.

ETFs stellen wie klassische Investmentfonds Sondervermögen dar.

Sie unterliegen damit den steuerlichen Vorschriften der Fondsbesteuerung. Das heißt, auch für ETFs gilt grundsätzlich das Transparenzprinzip. So werden die laufenden Erträge des ETFs – beispielsweise Dividenden oder Zinsen – unabhängig davon, ob sie ausgeschüttet oder thesauriert werden, beim privaten Anleger versteuert. Sie unterliegen damit ab 1. Januar 2009 der Abgeltungssteuer.

Sonderfall: aktiv gemanagte ETFs

Bei aktiv gemanagten ETFs können neben den laufenden Erträgen aber auch Gewinne aus Wertpapierveräußerungsgeschäften anfallen. Für derartige Veräußerungsgewinne gelten bei der Fondsbesteuerung besondere steuerliche Vorschriften. Zu unterscheiden ist hierbei zwischen der Besteuerung auf Fondsebene und auf Anteilseignerebene.

Was passiert auf Fondsebene?

Auf Fondsebene des ETFs löst ein Wertpapierveräußerungsgewinn keine steuerlichen Folgen aus. Die Liquidität aus den Veräußerungsgewinnen steht dem ETF damit ungeschmälert zur Verfügung. Werden diese Gewinne thesauriert und zur Wiederanlage verwendet, ergeben sich auch beim privaten Anteilseigner hieraus keine steuerlichen Folgen. Eine andere Situation ergibt sich bei der Ausschüttung dieser Veräußerungsgewinne: Resultieren sie aus dem Verkauf von Wertpapieren, die vom ETF vor dem 1.Januar 2009 erworben wurden, sind diese beim privaten Anleger steuerfrei, soweit dieser die Anteile am ETF ebenfalls vor dem 1. Januar 2009 gezeichnet hat.

Steueraufschub für ETF-Anleger

Erfolgt der Erwerb der Wertpapiere durch den ETF nach dem 31. Dezember 2008 unterliegt die Ausschüttung der daraus resultierenden Veräußerungsgewinne beim privaten Anleger der Abgeltungssteuer. Das gilt unabhängig davon, wann er die Anteile am ETF erworben hat. ETFs, die ihre Veräußerungsgewinne thesaurieren, generieren damit für den Anleger – auch unter der Abgeltungssteuer – zumindest einen Steueraufschub.

ETFs Steuerfreie Veräußerungsgewinne

Was ETFs steuerlich attraktiv macht, ist die Bestandsschutzregelung. Denn auch für ETFs gilt grundsätzlich: Bei Erwerb vor dem 1. Januar 2009 können die Anteile bei einer mindestens einjährigen Haltedauer steuerfrei veräußert werden. Veräußerungsgewinne, die vom ETF zur Reinvestition einbehalten wurden und sich damit wertsteigernd beim Anteilswert des ETFs widerspiegeln, können vom Anleger auf diese Weise zeitlich unbeschränkt, durch Veräußerung der Anteile, steuerfrei realisiert werden.

Vorteil gegenüber Zertifikaten

Der Bestandsschutz macht ETFs steuerlich vorteilhaft. Für Zertifikate hat der Gesetzgeber eine spezielle Übergangsregelung vorgesehen. Bei Erwerb nach dem 14. März 2007 können Zertifikate, nach Ablauf einer Mindesthaltedauer von einem Jahr, nur noch dann steuerfrei veräußert werden, wenn der Verkauf bis zum 30. Juni 2009 erfolgt. Bei einem späteren Verkaufszeitpunkt unterliegt ein Veräußerungsgewinn der 25-prozentigen

Autor: Reinhard Schmid:
Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater ist Geschäftsführer der Münchner Wirtschaftsprüfungs-und Steuerberatungskanzlei Dr. Kleeberg & Partner. Seine Spezialgebiete sind die steuerliche Beratung von Geldinstituten sowie die steuerliche Behandlung von Kapitaleinkünften.

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